Die Vogtei als Grundlage der Truhendinger Herrschaft  
 
 

Den Edlen von Truhendingen gelang es, durch Begünstigung von seiten ihrer staufischen Verwandten im Lauf des 12. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Vogteibezirken oder Teilvogteien in dem Raum zwischen Wörnitz und Altmühl anzusammeln. Nicht nur Güter und Leute des fuldischen Klosters Solnhofen wurden von ihnen bevogtet. Um die Altmühlfurt bei Gunzenhausen herrschten sie über die ziemlich geschlossene Gütergruppe des Klosters Ellwangen, wo sie im 13. Jahrhundert auf kirchlichem Grund und Boden die Stadt Gunzenhausen gründeten. Nach der Reform des Klosters Heidenheim gewannen sie um 1150 die Vogtei über dessen Güter und Leute. Schließlich war ihnen auch die Vogtei über die eichstättischen Besitzungen auf dem Hahnenkamm um Heidenheim, Döckingen, Hagau und Wolferstadt, vor allem aber über die Wälder um Hohentrüdingen anvertraut, wo sie als zentralen Machtmittelpunkt Burg und Dorf auf Rodungsboden errichteten.
Mit dem Erwerb dieser Vogteien waren sie gegen 1200 in der Verdichtung und Schließung ihrer Herrschaft um den Hahnenkamm erheblich weit gekommen. Ihre alten Eigengüter im Ries konnten dagegen in dem altbesiedelten Raum nicht erweitert werden. Konzentration des Besitzes blieb jedoch das Gebot der Stunde im Lauf des 12. und 13. Jahrhunderts. Geschlossene Bezirke waren diese Vogteien freilich nicht, stets lagen Güter und Leute anderer Herrschaftsträger dazwischen, die erst durch Kauf oder Erbe ausgeschaltet werden mußten, was den Truhendingern nie völlig gelang. Doch mit dem Erwerb dieser Vogteien über solnhofisches, eichstättisches, ellwangisches und heidenheimisches Kirchengut hatten die Truhendinger in dem Raum um den Hahnenkamm jeden anderen weltlichen und geistlichen Konkurrenten hinter sich gelassen. Als es ihnen gelang, auch noch die Position der Stahelsberger und der Edlen von Gnotzheim - Spielberg einzurücken (Anfang des 13. Jahrhunderts), waren sie die mächtigsten Dynasten in diesem Raum, was in der Errichtung der Stadt Gunzenhausen seinen sichtbaren Ausdruck fand. In diesen Vogteien lag der Ansatz zur Erwerbung der gesamten staatlichen Rechte. Sie konnten gewonnen werden, ohne den Grundbesitz der geistlichen Grundherren zu beeinträchtigen. Die Vogtei der Truhendinger lagerte sich gleichsam als zusammenhängender politischer Überbau über die verschiedenen geistlichen Besitzkomplexe. Mit dem Erwerb dieser Vogteien gewannen die Edlen von Truhendingen nach und nach die für die militärische Stärke so wichtigen Herrschafts- und Gerichtsrechte über die sämtlichen von ihnen bevogteten geistlichen Grundholden, die einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung darstellten, samt den daraus fließenden Einnahmen. Die geistlichen Grundherren wurden dadurch in ihrem Einflußbereich zurückgedrängt, ihnen verblieben aber noch die Einnahmen aus der Grundherrschaft.

 
 
 
 
 

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