Die Vogtei als Grundlage der Truhendinger Herrschaft  
 (Fortzsetzung) 
 
 Die Vogtei über die ellwangischen Güter um Gunzenhausen 
 
 

Eine für den Aufbau einer Flächenherrschaft wichtige grundherrliche Gütergruppe, die die Edlen von Truhendingen zu schirmen und zu schützen hatten, war die des Klosters Ellwangen bei Gunzenhausen an der Altmühl. Sie umfaßte ziemlich geschlossenen Grundbesitz in Gunzenhausen, war aber mit Gehöftegruppen und Einzelhöfen in Unter- und Oberwurmbach, in Schlungenhof, Laubenzedel, Sinderlach, Oberasbach und Obenbrunn verbunden. Ellwangen bekam diesen Fronhofsverband des alten karolingischen Königsklosters Gunzenhausen im Jahr 823 von Ludwig dem Frommen geschenkt (135). Da im 12. Jahrhundert diese Güter an der Altmühl vom Kerngebiet des Klosters Ellwangen zu weit entfernt waren, konnten sie für den Aufbau eines eigenen ellwangischen Territoriums kaum in Frage kommen. Sie lagen aber an dem strategisch wichtigen Altmühlübergang an jener Straße, die das Zentrum des salisch- staufischen Köingsterritoriums um Nürnberg mit den staufischen Hausgütern im Ries und Remstal und mit der bedeutenden Königspfalz in Ulm verband. So lenkten diese ellwangischen Güter an der Altmühl die Aufmerksamkeit der staufischen Herzöge und späteren Könige auf sich. Auf dem Weg über die Kirchenvogtei, die als Lehen an ihre Verwandten, die Edlen von Truhendingen, vergeben wurde, gelangten die Staufer indirekt zu einem Einfluß auf diese ellwangischen Güter. Die Vergabe der weltlichen Schutzherrschaft an die Edlen von Truhendingen war ein Stück staufischer Familienpolitik, wie sie von dem Königsgeschlecht im fränkisch- nordschwäbischen Raum so meisterhaft gehandhabt wurde. Auf dem legalen Weg über die Kirchenvogtei kamen die Truhendinger zu ihrem großen Einfluß auf den Gunzenhäuser Raum. Sie entfalteten dort eine erhebliche Eigeninitiative, indem sie auf kirchlichen Grund und Boden des Klosters Ellwangen Burg und Stadt Gunzenhausen gründeten. Gunzenhausen war im 13. Jahrhundert wohl der bedeutendste Stützpunkt der Truhendinger Herrschaft gewesen. Sie stellten dort ihre Urkunden aus, der Pfarrer Wernhard von Gunzenhausen war ihr Prinzenerzieher und ihr Notar, dort verweilten sie den größten Teil ihrer Zeit. Über die politische Tätigkeit der Truhendinger, ihre Rodung und Herrschaftspolitik im Raum Gunzenhausen wurde im Jubiläumsheft "Alt- Gunzenhausen" Nummer 38 und im Heimatbuch der Stadt Gunzenhausen schon ausführlich berichtet.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
135 AG- Jubiläumsheft 1923 mit Abdruck der Urkunde
 

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