Die Vogtei als Grundlage der Truhendinger Herrschaft  
 (Fortzsetzung) 
 
 Die Vogtei über eichstättische Besitzungen 
 
 

Nach dem ältesten Salbuch des Hochstifts Eichstätt um 1300 verfügte die Eichstätter Kirche über Besitz in Heidenheim und Umgebung. Heidingsfelder, der Verfasser der Regesten der Bischöfe von Eichstätt, vermutet, daß diese Güter aus der ersten Säkularisation des Klosters des heiligen Wunibald in Heidenheim um 790 stammen (129). Der Bischof habe dazumal nur einen Teil des ehemals umfangreichen Klosterbesitzes den Kanonikern überlassen und den Rest zur wirtschaftlichen Stärkung der Domkirche verwendet. Doch muß auch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß dieser aus königlicher Schenkung stamme wie die ehemaligen Königslehen in Ursheim, Hechlingen, Appenberg und Westheim um 899, von denen es schon damals heißt, daß sie dem Bistum Eichstätt günstig gelegen waren (130). Ein Eintrag in das älteste Eichstätter Lehenbuch läßt erkennen, daß die Truhendinger mit der Vogtei über die curia villicalis in Heidenheim belehnt waren (131). Diese Einträge sind auch hier nur formelhaft gehalten: advocatiam super curiam villicalem in Haydenheim cum omnibus pertinentiis = die Vogtei über den Meierhof in Heidenheim mit allem Zubehör. Hinter dieser Formel verbirgt sich jedoch ein großer grundherrlicher Besitzkomplex in Heidenheim und ebenso in Döckingen, der in seinem vollen Reichtum erst im ältesten Urbar des Burggrafentums Nürnberg aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (132) und noch klarer in allen Einzelheiten erscheinend im Salbuch des Kastenamtes Hohentrüdingen vom Jahr 1535 erfaßt werden kann (133). Mit der Bezeichnung curia villicalis ist ja nicht etwa nur ein einzelner Meierhof, sondern auch alle zu ihm gehörenden Huben, Lehen und Hofstätten gemeint, also ein ganzer Fronhofsverband, wie er uns schon in Altentrüdingen begegnet ist. Die Machtgrundlagen der Truhendinger Herrschaft stützten sich in Heidenheim also nicht etwa auf das immune Klostergut des Siedelhofes, sondern auf den großen Eichstätter Fronhofsverband, dessen Kern der noch heute erkennbare Meierhof mit seinen zugehörigen Huben, Lehen und zahlreichen Hofstätten war. Sie lagen im Süden des heutigen Marktes, entlang der ehemaligen Ledergasse (heute Hechlinger Straße) und entlang dem Krechelberg (jetzt Krankenhausstraße). Ähnlich war das in Döckingen der Fall. Dort bildete das Kernstück eines großen Eichstätter Fronhofsverbandes der Meierhof im Tal, heute im Volksmund Meierei genannt. 120 Morgen Ackerland, 30 Tagwerk Wiesen und 24 Tagwerk Wald gehörten noch 1535 zu diesem Großhof, dem auch mehrere Huben und Hofstätten angeschlossen waren (134). Diese eichstättischen Besitzungen im Hahnenkamm bedeuteten für die Flächenherrschaft der Edlen von Truhendingen eine breite Basis, zumal sie wie in Döckingen an die Güter des Klosters Heidenheim angelehnt waren, die ja ebenfalls von den Truhendingern bevogtet wurden. Hinzu kamen aber vor allem noch unerschlossene Wälder auf dem westlichen Hahnenkamm zwischen Heidenheim und Ostheim, Bestandteile eines ehemaligen Königsforstes, der 1053 erst an Eichstätt kam. Da die Vogtei über dieses Waldgebiet auch an die Truhendinger verlehnt wurde, ermöglichte sie aufgrund der Rodung die Anlage der Burg und des Dorfes Hohentrüdingen, die ein bedeutender Stützpunkt ihrer Territorialpolitik wurden.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
129 Hei Nr. 26
130 Hei Nr. 83
131 Staatsarchiv Nürnberg, Ältestes Eichstätter Lehenbuch, Blatt 5
132 Mon. Boica N. F., I. Band, fol. 19a bis 20r
133 Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 122, Nr. 59, fol. 132 ff
134 AG Heft 37, S. 61 bis 68
 

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