Zur Geschichte Ober- und Unterwurmbachs
Unterwurmbach im Mittelalter
 
 
 Der Ortsname 
 
 

Die Geschichte einer Landschaft wird durch die Menschen gestaltet, die sich in ihr niedergelassen haben, ihre Sprache begleitet sie und durch die Benennung der bewohnten Orte und der sie umgebenden Flur findet sie ihren Niederschlag. Orts- und Flurnamen sind Sprachdenkmäler besonderer Art, die sich über Jahrhunderte, ja in Einzelfällen über Jahrtausende erhalten haben. Wenn auch der Abstand von der Zeit der Namengebung bis zur Gegenwart bisweilen sehr groß ist, so dass sie oft einer Erklärung widerstreben oder ihr Inhalt völlig dunkel geworden ist, so gelingt es doch in den meisten Fällen, ihn wieder aufzuhellen, wenn zu den ältesten Formen zurückgegriffen wird.
 
Der heutige Ortsname Wurmbach lautete im 13. Jahrhundert Wurmbach. Was bedeutet er? In der Urlandschaft des Altmühltales mit den oft lang anhaltenden Überschwemmungen, den zahlreichen Altwassern, den versumpften Auenwäldern, den langgezogenen und vielgewundenen Bachläufen spielte das Wasser bei der Benennung bewohnter und unbewohnter Örtlichkeiten eine große Rolle. Die Beziehung zum Wasser findet daher im zweiten Namenteil -ach ihren Ausdruck. Das Grundwort Ach oder Ache ist gleichzusetzen mit dem althochdeutschen Wort aha (lateinisch aqua), das "Wasser", aber auch "Wasserlauf", "Fluss" bedeutet. Im Ortsnamen unseres Nachbarortes Aha hat es sich erhalten, denn Aha heißt ganz einfach "am Wasser", "Siedlung am Wasser", was bei den zahlreichen Altmühlüberschwemmungen und den Altwässern leicht verständlich ist. In den Alpenländern werden noch heute Gebirgsbäche als Achen bezeichnet. Später wurde das alte Wort Ache = Wasser nicht mehr verstanden und durch das jüngere -bach ersetzt, das "fließendes Gewässer" bedeutet. Bach blieb das siegreiche Wort, Ache musste abtreten. So entstand aus dem alten Namen Wurmach im Laufe der Zeit ein Wurmbach. Doch welcher Sinn liegt im ersten Namenteil verborgen? Noch in mittelhochdeutscher Zeit diente das Wort Wurm zur Bezeichnung kriechender Tiere überhaupt: Wurm, Insekt, Drache, Schlange. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir den Namen Wurmbache als "geschlängelten Wasserlauf" deuten. Maßgebend war für die Benennung der gekrümmte Lauf des Baches, der sich wie eine Schlange oder wie ein Wurm vom Hahnenkamm über Gnotzheim, Nordstetten, Ober- und Unterwurmbach durch das Albvorland und die Altmühlaue windet.
Bevor die beiden Orte Ober- und Unterwurmbach entstanden, mag wohl schon die feste Bezeichnung Wurmache für den Fluss vorhanden gewesen sein. Die Siedlungen übernahmen dann wie so oft den Namne des Wasserlaufes, wobei der talabwärts gelegene Ort als Niederwurmbach, der talaufwärts gelegene als Oberwurmbach ursprünglich bezeichnet wurde. Später wurde das Nieder durch Unter verdrängt, so dass; heute die beiden Orte die Namen Ober- und Unterwurmbach führen.

 
 
 
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