Zur Geschichte Ober- und Unterwurmbachs
Unterwurmbach im Mittelalter
 
 
 Unter der Herrschaft der Edlen von Truhendingen 
 
 

Für die geschichtliche Entwicklung Unter- und Oberwurmbachs war die Ausbildung der Grundherrschaft des Klosters Ellwangen von außerordentlicher Bedeutung gewesen. Das Kloster verfügte damit über erheblich viel Grund und Boden rings um die Altmühlfurt, der im Jahr 823 aus der Hand des Königs empfangen wurde. Ebenso lag die geistliche Betreuung der auf kirchlichem Grund und Boden sitzenden Grundholden in der Hand des Klosters. Doch im 12. Jahrhundert trat an der mittleren Altmühl eine neue Macht auf den Plan. Hatte das Kloster Ellwangen bis dorthin seine Eigenkirchenherrschaft als Ganzes über seine Untertanen und Güter ausgeübt, so wurde im Lauf des hohen Mittelalters eine Teilung vorgenommen. Über die geistlichen Belange und die Grundherrschaft verfügte das Kloster nach wie vor, die weltlichen Angelegenheiten, d. h. die Ausübung der weltlichen Hoheit über das Gebiet und die Leute des Klosters um die Altmühlfurt herum, nahmen nun die Herren von Truhendingen (Hohentrüdingen) in Form der Schutzherrschaft als Lehen von Ellwangen wahr. Die Edelherren von Truhendingen vertraten nunmehr die klösterlichen Hintersassen Ellwangens im Raum Gunzenhausen - Unterwurmbach vor der weltlichen Obrigkeit und verliehen ihnen ihren Schutz. Nur wer Schutz verlieh, konnte aber die Herrschaft über Land und Leute gewinnen. So gliederten die Herren von Truhendingen die ellwangischen Güter und die darauf sitzenden Menschen in ihre territorialen Bestrebungen ein und benutzten die weltliche Herrschaft (Vogtei) zum Aufbau ihres Territoriums. Sie teilten das Gebiet ihrer Herrschaft, indem sie auf der einen Seite der Altmühlfurt wohl zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf dem kirchlichen Grund und Boden von Ellwangen die Stadt Gunzenhausen errichteten und in Unterwurmbach ebenfalls auf dem kirchlichen Grund und Boden Ellwangens einen Burg erbauten. So blieben beide Gebilde Lehen von Ellwangen. Beide Vorgänge müssen im Zusammenhang mit den territorialen Bemühungen der Herren von Truhendingen im 12./13. Jahrhundert gesehen werden.
Die Güter und Rechte dieser Edelfamilie lagen im Ries, am Hahnenkamm und am Hesselberg in weiter Streulage mit Kirchengut, Königsgut und Adelsgut anderer Herren. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts beginnt sich das Geschlecht nach dem neuerrichteten festen Sitz Truhendigen (zuerst Altentrüdingen, dann Hohentrüdingen) zu benennen, wird damit in den Urkunden fassbar und bekundet nun durch diese Benennung seinen Willen, die zerstreuten Güter zu einem Flächenstaat auszubauen. Die bisherige Herrschaft über Personen eines weiteren Gebietes soll nun durch einen Herrschaft über einen bestimmten Raum, über ein Territorium, ersetzt werden. Die Vogtei über Güter und Leute der Klöster Solnhofen und Heidenheim bildet eine breitere Ausgangsbasis dafür. Auch die Vogtei über ellwangisches Kirchengut an der Altmühl bei Gunzenhausen und Unterwurmbach erweitert die territorialen Gebilde der Herren von Truhendingen.

 
 
 
Fortsetzung