Zur Geschichte Ober- und Unterwurmbachs
Unterwurmbach im Mittelalter
 
 
 Die Ellwanger Lehen im 14. Jahrhundert 
 
 

Etwas klarer fassbar wird der ellwangische Besitz in Unterwurmbach erst in den ältesten Lehenbüchern aus dem 14. Jahrhundert. Da die Güter für den Aufbau eines eigenen ellwangischen Territoriums zu weit vom Kernpunkt Ellwangen entfernt waren und die weltliche Schutzherrschaft über sie an die Edlen von Truhendingen gefallen war, wurden sie zu Lehen ausgegeben. Sie gingen dadurch im Lauf der Jahrhunderte der Reichsabtei verloren. Schon am Ende des 13. Jahrhunderts mit der zunehmenden Zersplitterung des Lehensbesitzes gingen die Lehensherren dazu über, ihren an die Lehensträger ausgegebenen Grundbesitz und die damit verbundenen Rechte allmählich schriftlich zu fixieren. Mann begann mit der Ausstellung von Lehenbriefen. Um eine genaue Überprüfung der ausgegebenen Lehen und der erteilten Lehenbriefe zu ermöglichen, legten auch geistliche Grundherrschaften Lehenbücher an. In früherer Zeit wurde wohl auf eine schriftliche Fixierung verzichtet, es genügte der Lehenseid, den man höher einschätzte als die Urkunde. Zwar hatte das Kloster Ellwangen zur Kontrolle seiner Lehen einen eigenen Beamten, einen Lehenprobst, in Gunzenhausen eingesetzt, doch mit zunehmender Zersplitterung war die Anlage von eigenen Lehenbüchern erforderlich, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte.
Die Ellwanger Lehenbücher nennen zahlreiche Namen von Bauern, Bürgern und Rittern, die in Unterwurmbach Grund und Boden von der Reichsabtei Ellwagen zu Lehen trugen. Es wird dabei klar, welche enorme Zersplitterung der einstige Klosterbesitz im Lauf der Jahrhunderte über sich ergehen lassen musste. Vom geschlossenen Hof, dessen Größe nicht näher erläutert wird, bis herunter zu kleinsten Teilen eines Morgens Ackerland oder eines Tagwerks Wiesen, die an irgend jemand verliehen werden, gehen die Einträge. Bald wird ein ganzer Hof, bald einen Hofstatt ohne Land, bald eine Selden (Hofstatt mit Land), bald ein Garten, bald ein Stück Holz oder ein Wieslein verliehen. Die Namen der Lehensträger reichen von wohlbegüterten Gunzenhäuser und Weißenburger Bürgern über Unterwurmbacher Bauern bis zu den Rittern. Die Namen interessieren vor allem die Familienforscher.
Die Lage der Lehensstücke wurde zu jener Zeit nicht mit einer Plannummer in der Flurkarte versehen, sondern durch einen Flurnamen bezeichnet. Sie hatten in einer Zeit, in der das Grundbuch oder der Flurplan unbekannt war, noch eine recht praktische Bedeutung. Der Ortskundige konnte sich beim Klang des Namens ein Bild über die Lage des Grundstückes machen. Es ist erstaunlich, wie lange Zeit sich die Flurnamen im Mund des Volkes halten konnten. Da ist schon im 14. Jahrhundert von folgenden Flurbezeichnungen in Unterwurmbach die Rede: am Aher Weg, Aller-Leut-Wieslein, Anwand, in der Au, am Bacherespan, im Balzengereut, am Berg, in der Peunt, in der Breitwies, Breitung in der Au, die Brennwies, der Brünnleinsacker, am Bühl, die dürre Wies, die Ecklinswies, am Edersfelder Weg, in der Egerd, in der Heide, am Erbesecker, am Fuchsacker, am Fürschlag, am Galgen zu Gunzenhausen, am Ganswerd, an der Goldfurt, am Gern, am gerochten Acker, auf der Wurmach, am Geschwai, im Grund, am Gunzenhausener Weg, an der Gutwies, am Habenbacher Weg, am Heckacker, an der Heerstraß, hinterm Dorf, an der Kriegwies, an der Kurzen, in der Lach, am Lippacher, an der Leiten, auf dem Pfahl (Limes), die Murwies, in der Niedernau, an der Pfaffenwies, die Pflaumfelderin, in der Raften, am Reschenacker, an der Schlatwies, in den Tannschroten, an der Tümpfelwies, in der Tränk, an der Tungerin, in der Wunwies oder Wentwies, am Werdlein, an der Wurmach, am Weiler. Bedenkt man, dass alle diese Namen im 14. Jahrhundert erstmals aufgezeichnet wurden, im Mund des Volkes aber schon Jahrhunderte zuvor lebendig waren, so erhält man ein Bild von dem erstaunlichen Alter dieser sprachlichen Zeugnisse, die in unserer modernen Zeit leider mehr und mehr verklingen.

 
 
 
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