Elfhundert Jahre Ursheim und Appenberg 
 
 Erste urkundliche Erwähnung im Jahre 899 als Königsgut 
 
 

Der Ort Ursheim wird erstmals zusammen mit Appenberg, Hechlingen, Prunnon und Westheim in einer Urkunde vom 1. Mai 899 erwähnt. Sie ist allerdings im Original verschollen, Abschriften aus dem 17. Jahrhundert sind erhalten. Schon wiederholt stand sie im Blickpunkt wissenschaftlicher Forschungen. Ihr Inhalt lautet nach Franz Heidingsfelder, Regesten der Bischöfe von Eichstätt Nr. 83:
"Kaiser Arnulf übergibt mit Rat und Zustimmung des Bischofs Erchanbald der Eichstätter Kirche das ehemalige, wegen Ungehorsams der Besitzer durch Gerichtsurteil an offener Gerichtsstätte in die königliche Gewalt gelangte Eigengut des Cozpreht und Theotger im Gau Sualafeld in der Grafschaft des Ernst an den Orten Appenberg, Prunnon, Hachilinga (Hechlingen) und Ursesheim, das er seinem Getreuen Meginwart geschenkt, dieser aber zusammen mit Eigengut im Orte Westheim ihm wieder zurückgegeben hat, damit er alle diese Güter dem Bistum Eichstätt, dem sie günstig gelegen sind, tauschweise gegen andere dem Grafen (Meginwart) passende übergebe, jedoch mit Ausnahme dessen, was Meginwart mit Zustimmung des Bischofs davon ausschied. Meginwart empfängt zum Ersatz alles, was bisher dem Bistum in Pappenheim, in der Pappenheimer Mark und Hohenstadt (Oberhochstatt) im selben Gau gehörte und eine Hube zu Ellingen zu ewigem Eigen". Kaiser Arnulf bestätigt den Tausch.
Was ist hier vor 1100 Jahren in Ursheim und den benachbarten Orten geschehen? Der fränkische König und römische Kaiser mit Namen Arnulf von Kärnten schenkte kurz vor seinem Tod (899) dem Bischof Erchanbald königliche Güter, die einmal ein gewisser Cozpreht und Theotger zu Lehen vom König besaßen. Da diese beiden aber dem König gegenüber sich als ungehorsam erwiesen, wurden ihnen durch Gerichtsurteil diese Königslehen entzogen. Der König hat sie daraufhin zunächst seinem Getreuen Meginwart gegeben. Auf Bitten des Eichstätter Bischofs Erchanbald wurde allerdings ein Tausch vereinbart. Meginwart gab die Lehen an den König wieder zurück und dieser schenkte sie dem Bischof Erchanbald von Eichstätt, dem sie günstig gelegen waren. Meginwart wurde dafür vom Bischof durch eichstättische Güter in Pappenheim, in der Pappenheimer Mark, in Oberhochstatt bei Weißenburg und mit einer Hube (Bauernhof) in Ellingen entschädigt. Da dieses vom Bischof empfangene Tauschobjekt wirtschaftlich mehr wert war als das Königsgut, musste Meginwart noch eigenes Gut aus Westheim hinzugeben, damit Gleichwertigkeit erreicht wurde. Es handelte sich also hier um Güterschenkung und Gütertausch, wie solche schon viel im frühen Mittelalter durchgeführt und in Urkunden festgehalten wurden. Wäre diese schriftliche Fixierung nicht erfolgt, wüssten wir nicht, dass alle die genannten Orte, darunter auch Ursheim, schon 1100 Jahre alt sind.

Kaiser Arnulf von Kärnten

Um die Bedeutung dieser Urkunde für die Geschichte unseres Heimatortes und des Hahnenkamms verstehen zu können, müssen wir unser Augenmerk zunächst einmal auf die Personen richten, die in ihr erscheinen. Derjenige, der die Güter verschenkte, war der fränkische König Arnulf von Kärnten. Er ist etwa um 850 geboren und starb am 8. Dezember 899 in Regensburg, wo er sich viel aufhielt. Sein Vater, ebenfalls fränkischer König über einen Ostteil des Frankenreiches hieß Karlmann, seine Mutter Luitswinda. Beide lebten in einer Ehe, die von der Kirche nicht anerkannt wurde. Die Mutter gehörte allerdings dem Stande der Freien an, sonst hätte ihr Sohn Arnulf nicht König werden können. Der Vater Karlmann betraute seinen Sohn 876 mit der Herrschaft über die Markengebiete Kärntens, daher nannte er sich Arnulf von Kärnten. Nach dem Tode Karlmanns erhoben die Großen des ostfränkischen Reiches seinen Sohn Arnulf zum deutschen König. Als tüchtiger Herrscher rettete er dieses vor den Normannen und slawischen Fürsten. Später erlangte er sogar die Würde eines römischen Kaisers. Die letzten Jahre seiner Regierung hatte er schwere Krankheiten durchzustehen. In Sankt Emmeram in Regensburg ist er begraben.
In das Gebiet seiner Schenkungen im Hahnenkamm ist er in seinem Leben wohl nicht gekommen. Ob er eine Vorstellung über Güte und Größe des geschenkten Besitzes hatte, bleibt fraglich. Doch muss man bedenken, dass die mittelalterlichen Könige von ihrem Herrschaftsbereich sich wohl ein Bild machen konnten, denn sie regierten ja im Umherziehen und wurden so mit den Verhältnissen vertraut. Dass dieser König, der vorletzte aus dem berühmten Hause der Karolinger (genannt nach Karl dem Großen 768-814), hier in Ursheim, Hechlingen, Appenberg und Prunnon (abgegangen, Flurname Königsbühl und Eschelbrunn in der Hechlinger Gemarkung) Grund und Boden verschenken konnte, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass in diesen Orten bis 899 der König Grundherr war. Wann aber das Königsgut im Hahnenkamm eingerichtet wurde, das wissen wir nicht genau. Es mag schon im 7. Jahrhundert durch einen vom fränkischen König beauftragten Grafen geschehen sein, der einen gewissen Urs oder Urri zur Überwachung des Rohrachüberganges beauftragte.

Bischof Erchanbald von Eichstätt (882?-912)

Als zweite bedeutende Persönlichkeit erscheint in der Urkunde von 899 der Eichstätter Bischof Erchanbald, eine der großen Gestalten der Eichstätter Bistumsgeschichte. Ein Bischof war dazumal nicht nur ein würdiger Seelsorger für die Menschen, sondern auch ein politischer Gestalter, der darauf bedacht sein musste, die wirtschaftlichen Grundlagen seiner Kirche zu stärken, damit er als treuer Gefolgsmann nicht nur dem Papst, sondern vor allem seinem Herrn, dem fränkischen König, dienen und ihm sogar mit berittener Mannschaft zu Hilfe eilen konnte, wenn es notwendig wurde. Heidingsfelder, der bekannte Eichstätter Historiker, nennt ihn "eine der glänzenden Erscheinungen in der Eichstätter Bischofsreihe, der am politischen Leben des ostfränkischen Reiches den lebhaftesten Anteil nahm". Unter König Arnulf von Kärnten gehörte Erchanbald zu den einflussreichsten Ratgebern des Königs. Eine Frucht dieser regen Anteilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten sind die zahlreichen königlichen Gunsterweisungen durch Güterschenkungen an das Bistum Eichstätt. Im Jahre 888 übertrug König Arnulf die bedeutende Reichsabtei Herrieden an Eichstätt. Dieses Kloster an der oberen Altmühl war so reich mit Gütern ausgestattet wie das Bistum Eichstätt selbst. Dadurch wuchs dem Bischof ein bedeutender Machtkomplex zu. Ein Jahr später erlangte Erchanbald einen beträchtlichen Teil des zum Königshof Weißenburg gehörigen Reichsforstes, einen ausgedehnten Herrschafts- und Nutzungsraum mit allen Rechten. 893 wurde für das Bistum Eichstätt das um 870 von einer hohen Adeligen Liubila in Mohnheim gegründete Kloster gewonnen. 895 schenkte Kaiser Arnulf das Kloster Kirchanhausen bei Beilngries an den Bischof und 899 kam nun die Schenkung im Hahnenkamm dazu. Wahrhaftig, eine enorme Stärkung der Macht des Bischofs von Eichstätt.

Wo lag der Ort Prunnon?

In der Urkunde vom Jahre 899 werden vier Orte genannt, in denen Königsgut im Hahnenkamm vergeben wurde: Appenberg, Prunnon, Hechlingen und Ursheim. Drei davon sind noch heute bekannt, der vierte mit dem Namen Prunnon gibt uns ein Rätsel auf. Das althochdeutsche Wort Prunnon erinnert an einen Ort mit dem Namen Brunnen. Wo ist er zu suchen? Frühere Forscher, die sich mit der Urkunde beschäftigten, dachten an das ziemlich weit entfernte Büttelbronn im Landkreis Weißenburg. Andere vermuteten, der in der Urkunde erwähnte Ort sei gleichzusetzen mit dem Weiler Mariabrunn in der Heidenheimer Gemarkung. Dort hat man zwar in unmittelbarer Nähe in dem Flurteil "auf der Meira" (von Mauer) am sogenannten Zollnersbuck römisches Mauerwerk aufgedeckt, dort wurden römische Münzen und Gefäßscherben gefunden, aber der Ort Mariabrunn, bestehend aus zwei Bauernhöfen, ist erst im Zuge der Errichtung einer Propstei des Klosters Heidenheim entstanden und bis zur Reformation mit einer Wallfahrtskirche verbunden worden. Das sehr sorgfältig geführte und sauber geschriebene Salbuch des Klosters Heidenheim vom Jahre 1400 meldet in Mariabrunn weder den Namen noch eine Siedlung. Der Ort hat um 1400 noch nicht existiert. So kommt Mariabrunn für die Lokalisierung des in der Urkunde von 899 erwähnten Prunnon nicht in Betracht. Wir brauchen aber auf der Suche nach ihm nicht sehr weit gehen, um Spuren von ihm zu finden. Prunnon ist heute verschwunden; der Ort ist zur Wüstung geworden, wie man in der Fachsprache sagt. Da der Name Prunnon an einen Brunnen erinnert, zwar nicht an einen fein ausgemauerten Zieh- oder Pumpbrunnen etwa, aus dem das Wasser geschöpft wird, sondern an einen laufenden Brunnen, an eine Quelle, die man im Volksmund auch Brunnen nennt, könnten im Bereich des Königsgutes Hechlingen-Ursheim-Appenberg mehrere Stellen in Frage kommen, die mit Brunnen (Quellen) in Verbindung stehen. Für die örtliche Festlegung des in der Urkunde von 899 genannten, aber heute abgegangenen Ortes Prunnon verdient der Flurname Eschelbrunn an der Gemarkungsgrenze Hechlingen-Degersheim besondere Beachtung. Er erinnert an einen Brunnen, an dem Eschen wachsen. Der Name ist alt und lautet schon 1448 im ältesten Lagerbuch des Klosters Heidenheim Eschelbrunn. 1535 besitzt der Meier Hans Schnürlein von Hechlingen einen Morgen Acker an der Eschlbrunnwiesen. Das wäre nun nichts Besonderes und der Flurname Eschelbrunn könnte nichts darüber aussagen, dass hier einmal ein königlicher Hof stand, wäre da nicht in unmittelbarer Nähe ein Hügel, ein Bühl, mit einem langgezogenen und breiten Südhang, der schon 1535 den geschichtlich denkwürdigen Namen Königsbühl führt. So steht im Hohentrüdinger Salbuch aus dem Jahre 1535 geschrieben, dass zum großen Meierhof in Hechlingen, den dazumal der Meier Hans Schnürlein bewirtschaftete, unter anderem auch 4 Morgen Acker und Egerten "auf dem Königsbühl" gehörten. Wir sind also auf der Suche nach dem in der Urkunde von 899 genannten Ort Prunnon nicht in die Irre gegangen, denn ein derart nahes Beisammensein von den Flurnamen Königsbühl und Eschlbrunn lässt sich im Bereich des Königsgutes Hechlingen-Ursheim-Appenberg kein zweitesmal finden. Der Königshof Prunnon wurde auf der Albhochfläche an der Römerstraße, die von Wemding und Döckingen durch das Trockental nach Degersheim-Wolfsbronn-Meinheim und Weißenburg führte, errichtet, also in einer altbesiedelten Gegend. Unweit des Eschelbrunns wurden 1964 in der sogenannten Ochsenwiese römische Mauerzüge und Keramikscherben entdeckt. In fränkischer Zeit wurde hier ein Königshof errichtet, der schon früh wieder verschwunden ist. Niemand weiß etwas von seinem einstigen Dasein, nur noch die Flurnamen Eschlbrunn und Königsbühl erinnern daran.

 
 
 
Fortsetzung