Elfhundert Jahre Ursheim und Appenberg 
 
 Aus einer Ursheimer Dorfordnung um 1600 - Teil 2 
 
 

Von den Mühlen
Zum ersten:
Die Müller müssen laut der alten Dorfordnung einen Gemeindsmann, wenn der 3 Tag in der Mühl gehabt, vor einem andern mahlen und wo sie es nach verflossenen dreien Tagen nicht tun wollen, soll ein Gemeindsmann befugt sein, dem Fremden das seinige (Mahlgut) wieder von der Mühl zu tun, doch treulich und ohne Schaden und das seinige aufzuschütten, dass also das gemeine Sprichwort wahr bleibe: wer ehner (früher) kommt, der mahlt eher."

Zum anderen:
"Das Gerberlohn nehmen die Müller, wenn man den Kern (enthülster Dinkel) verkauft. Bleibt er ihnen aber in der Mühl zu mahlen, nehmen sie (die Müller) ihren Gerberlohn vom Becken oder Käufern und nicht von dem Verkäufer."

Zum dritten:
"Dargegen haben die Müller von einer Gemeind wie ein Bauer 2 Teil oder Los. Haben auch, so sie es vonnöten, Macht, Wasen auf der Gemeind zu ihres Wassers Verstellung zu stechen, wo sie wollen, doch aber der Gemeind ohn Schaden."

Zum vierten:
"Der Müller Hans Georg Balß muss um die Mühl und Stadel herum das Grasen oder Abfrezen (Abweiden) gestatten, weiln es der Gemeind (gehört)."

Der Gemeind Knecht
Zum ersten:
"Die acht im Salbuch bei dem Amt gefundenen und aufgezeichneten Bauernhöf sollen geben ein jeder 4 Garb, 2 winteriche (Wintergetreide) dann 2 sommerige (Sommergetreide)."

Zum anderen:
"Ein Seldner, der die Schleifen ins Feld führt und selbst zu bauen hat, soll geben 3 Garb."

Zum dritten:
"Ein gemeiner Seldner ohne Anspann soll geben 2 Garb."

    "Der Gemeind Knecht," so wird in vielen Gemeinden der Flurer, heute Gemeindediener, bezeichnet. Für seinen Flurdienst wurde er von den spannfähigen Bauern, die mit einem Wagen in das Feld fahren konnten, mit je 4 Garben entlohnt. Von einem Seldner, der den Pflug ins Feld schleifte und der selber Feldbau betrieb, erhielt er 3 Garben. Ein gemeiner Seldner, der überhaupt keinen Anspann besaß, sondern sein Äckerlein entweder durch Umgraben oder von einem Bauern bearbeiten ließ,von dem hatte der Flurer 2 Garben zu fordern.

Vom Schmied
"Der Schmied hat sein Tafern (Taverne), muss haben einen Schleifstein, den ein jeder in der Gemeind zu brauchen Macht habe, deßweg er hat das Schleifflecklein und den Schleifacker, beim Judenbrunnen liegend, und den Ranken (Rangen) zwischen Leonhard Wüsten Acker und Hirtenwiesen."

    Erläuterung:
    In Ursheim war mit der Schmiede ein Wirtshaus verbunden. Vor der Schmiede stand ein für die Allgemeinheit benutzbarer Schleifstein, den er zu beschaffen hatte. Dafür wurde er mit Grundstücken entlohnt.

Vom Flachsbau
Zum ersten:
"In die Brach (Brachfeld) sollen Flachs, Hanf, Rub-Samen zu bauen erlaubt sein, wie auch Erbsen und Linsen, aber Gersten und Hafer ist verboten und an der Frucht, es mag Namen haben, wie es immer wolle."

Zum anderen:
"Es soll aber der Brachbau also gesät werden, damit keiner überschreit oder dadurch einiger Schaden zugefügt werde."

Zum dritten:
"Bei Licht den Flachs zu brechen oder in die Stuben zum Ofen zu tun, (ist) verboten zu tun bei Straf 3 Gulden."

    Erläuterung:
    Die hohe Strafe erklärt sich aus der Feuersgefahr. Später wurden in den Gemeinden eigene Brechhäuser gebaut, die vereinzelt noch heute stehen.

Aprilen
Zum ersten:
"Ein Bauer soll zu Aprilen oder im April umzuäckern oder brachen Macht haben 4 Morgen."

Zum anderen:
"Ein Seldner mit der Schleifen 2 Morgen."

Zum dritten:
"Ohne Schleifen 2 Morgen."
"Im Grund bis zum Hopfengärtlein soll an Flachs, Rüben oder anderes nichts gebauet werden, sowohlen auch in der Röth."

Schafe
Zum ersten:
"Ein Bauer soll haben Schaf um acht Stück."

Zum anderen:
"Ein Seldner 4 Schaf samt dem Hammel und wann die 2 Jahr um sind, die übrigen bis uf die obrige Zahl."

Gänse
"Erstlich soll ein Bauer im Frühjahr und im Sommer 30 Stück haben."

Herdstier
"Soll halten der Pfarrer, so er will, deswegen er den ganzen Heuzehnten auf allen Wiesen und Gärten, ausgenommen die Gärten, die in der Pfarr lehenbare Häuser gehören, da der Pfarrer den Zehnten vor voll zu nehmen, wann er schon die Herdstier nicht hat. Wo er aber die nicht halten will, hat er nur den dritten Teil; ist auch im Kloster Heidenheim aufgezeichnet."

Hirtenpfründ
"Welcher an den drei alten Pfründtägen nicht kommt, den Hirten bezahlt oder sich anmeldet und seine Pfründ nicht bei scheinender Sonnen gibt, soll gestraft werden um 15 Kreuzer. Welcher auch ohne Ehaft, wo man zur Gemeind läuten oder sagen lässt, nicht erscheint, soll ebenmäßig verfallen sein 15 Kreuzer."

Decken
"Kein trockenes Dach, wo Rauch ausgehet, soll aufgedecket werden bei Straf 1 Gulden."

Hausgenossen
Zum ersten:
"Soll keiner eingenommen (aufgenommen) werden, es sei denn ein Dorfkind oder sonst wissentlich Herkommens und solches alles soll geschehen mit Wissen der Amtsherrschaft."

Zum anderen:
"Ein Fremder soll von keinem länger als zwei Nächt beherberget. Tut er darüber, soll er gestrafet werden um 10 Kreuzer."

Zum dritten:
"Von Dungen (Dünger), Strohe und Holz soll keiner ohne derer dreimaliges Aufbieten im Dorf hinausgeben."

Zum vierten:
"Keiner soll auch drei Brot, das ist zween (zwei) Hausgenossen und also zweierlei Brot und Haushalten in seinem Haus haben bei Straf 1 Gulden."

Zum fünften:
""Den Gemeindmetzen soll ein jeder, der es gebraucht, über Nacht behalten, sondern jeder der es gebraucht wieder an das Ort, wo er ihn genommen, bringen bei Straf 15 Kreuzer."

Zum sechsten:
"Keiner soll einen Hausgenossen nehmen, er habe sich denn hiervor bei der Amtsherrschaft und den Dorfführern angemeldet, alsdann derselbe auf gebührende Bürgschaft zu leisten, damit gnädigster Hochfürstlicher Herrschaft und der Gemein kein Schaden zugefügt werde."

Fuhr und Taglohn
Zum ersten: "Ein Bauer in der Gemeind soll fahren um 6 Kreuzer."

Zum andern:
"Hingegen ein Taglöhner im Winterichen (Winterfeld) zu schneiden oder auch zu mähen 6 Kreuzer."

Zum dritten:
"Im Sommerichen und Winterichen neben einem Nachtbock Brot und Käs, wann er einen hat, fürs Nachtessen 5 Kreuzer."

Zum vierten:
"Für einen Morgen zu äckern 1 Gulden."

Zum fünften:
"Für einen Morgen Winteriches zu schneiden: 12 Batzen."

Zum sechsten:
"Für einen Morgen Sommeriches 9 Batzen."

Zum siebten:
"Für ein Tagwerk zu mähen nach dem es ist 3 in (bis) 5 Batzen."

Leimengraben
Zum ersten:
"Auf oder in der Gemeind soll solches verboten sein 15 Kreuzer Strafe. Sondern in den 2 Leimengruben und in anderen einer ganzen Gemeind und jedweden ohn Schaden füglichen Orten gegraben werden."

Zum andern:
"Welcher auch seine Feuerstätt, wenn mans besichtiget, nicht sauber hält oder zu rechter Zeit fegen lässt, soll verfallen sein 1 Gulden."

 
 
 
Fortsetzung