Elfhundert Jahre Ursheim und Appenberg 
 
 Aus einer Ursheimer Dorfordnung um 1600 
 
  Die Erblucken

Um das Zusammenleben im Dorf und das erfolgreiche Wirtschaften in Feld und Flur möglichst spannungsfrei zu halten, schuf sich die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Dorf- und Gemeindeherrschaft, dem Kastenamt Hohentrüdingen, eine Ordnung, die anfangs mündlich vereinbart und gewohnheitsmäßig befolgt, später auch schriftlich festgehalten wurde. Der erste Punkt befasste sich mit den Erblucken. Erblucken sind Lücken, die der einzelne auf gewissen Grundstücken zu dulden hatte, damit die Herde möglichst ungehindert die Weidegründe und das Brachfeld erreichen konnte. Der Bauer hatte sie auf seinen Grundstücken zu dulden, denn die Beweglichkeit der Viehherden musste gewährleistet sein und das Wohl der Gemeinde war wichtiger als das Recht des Einzelnen. Über die Erblucken steht in der Dorfordnung geschrieben:

Zum ersten:
Die erste (Lucke) ist die kurz Gaß genannt, am Bruckgarten angelegen, welche muß verwahret und zugezäunet werden von Paul Notackern und seinen Nachfahren. Dagegen aber ihm und seinen Nachkömmlingen solche auszugrasen erlaubt werden muß. Das Holz zum Zumachen nimmt er aus der Gemein (Gemeindholz). Die auf den unteren Wiesen etwas haben, dürfen im Heueinfahren die Gasse und Lucken auch gebrauchen. Doch soll diese bedingt (Bedingung) sein: wer künftig zwischen Martini (11. November) und Matthäitag (24. Februar) solche mit der Dung (Mist) nit versehen täte, solle gänzlich abgewiesen sein.

Zum anderen:
Ein Trieblucken auf Hans Notackers und Jörg Mayern des jungen, der Zipfel genannt, so am Walburgistag (1.Mai) zu und wann das Groemeth (Grummet) weg, wiederum aufzumachen.

Zum dritten:
Ein Fahrlucken vom Espan auf Hans Leonhard Jakobs Wiesen, so ebenmäßig wie obige zu- und aufzumachen.

Zum vierten:
Ein Lucken zwischen der Lehen und Leonhard Wüstens Wiesen, derer die unter Wiesen auch zu gebrauchen befugt sein sollen, doch wie abgesetzt bei den ersten Punkten.

Zum fünften:
Neben Leonhard Wüsten Krautgärtlein auf die Nachtweid ein Trieb- und Fahrlucken, soviel zum Feld vonnöten.

Zum sechsten:
Gehet neben des Knaben (Knappen?) Gärtlein in das Feld, ist auch ein Fahr- und Triebluck.

Zum siebenden:
Hinter des Wirths Garten neben Leonhard Wüstens hier und Leonhard Wüstens von Polsingen Acker hineingehend ein Feldlucken.

Zum achten:
Ein Trieblucken von der Nachtweid auf das Gestockich hinausgehend, welche der Wieseninhaber zu machen ist.

Zum neunten:
Von der Pfarr- Glenk- Espanwiesen in das Gemein- Glenkespan, welche Lucken der Pfarrer des Triebs halber, wenn Heu und Grohmahd (Grummet) hinweg, öffnen muss.

Zum Zehnten:
In der mittleren Nachtweid zwischen Nikolaus Meyern und Hans Michael Jakob auf der Au ist ein Triebluck.

Zum elften:
In der oberen Nachtweid auf der Stuterwiesen heraus geht ein Feld- und Triebluck.

Zum zwölften:
In der obern Nachtweid über Hans Michael Jakobs Acker, neben Daniel Gemeinholzer gehende Trieblucken.

Zum dreizehnten:
Ein Trieblucken in die obere Nachtweid aufs Lehenwieslein heraus ober Matthes Huber Acker hat ein Stelzen?

Zum vierzehnten:
Gehet vom Dorf heraus über das Hetschenmännlein unterhalb Reindels Wittib Gärtlein zwischen der Pfarr Meiers Breiten und dem Keierbühl ist ein Fahrlucken.

Zum fünfzehnten:
Vom Schelmbrunnen auf Leonhard Wüstens Acker hinein ein Fahrlucken und Trieblucken soviel zum Feld- und Futterbau gehört.

Zum sechzehnten:
Am Felber (Silberweide) ein Lucken neben Leonhard Wirths Gärtlein und Hans Bannreiters Garten ist auch wie oben gemelt.

Zum siebzehnten:
Ein Fahrluck auf den Sand zwischen Adam Mackens Acker zum Feld- und Futterbau.

Zum achtzehnten:
Auf dem Krautgarten oder im tiefen Weg ober Matthes Hubern Acker von der Felberlucken, muss Matthes Huber zumachen.

Zum neunzehnten:
Ein Fahrluck vom Keierbühl hinein auf Leonhard Wüstens Acker auf den Bühlein.

Zum Zwanzigsten:
In der Thomasgassen hinter Georg Mayer Deckersgarten in der Röth auf Daniel Gemeinholzers Acker ist auch die siebzehnte Luck.

Zum einundzwanzigsten:
In der Waltersgassen auf Hans Notackers Acker hinausgehend, welche Lucken auch der Notacker zur Zeit auf- und zumachen muss. Doch soll niemand was anderes vergönnt, als was in und aus dem Feld zu führen. Da aber nun Einwohner oder Fremder mit Holz und anderem durchfahren würde, soll er zu gebührender Straf gezogen werden.

Zum zweiundzwanzigsten:
Trieb- und Fahrluck hinter Hansjörg Balsen Mühl hinausgehend auf den Symweg, die unterhalb Furts sind, wofern das Feld zugeschlossen ist. Ist es aber offen, mag man über die Äcker fahren. Matthes Huber muss es zumachen.

Vom Hüten
Kaum jemand auf dem Dorfe kann in unserer von Maschinen beherrschten Arbeitsweise in der Landwirtschaft noch nachempfinden, welchen hohen Rang in früheren Zeiten das Weidewesen einnahm. Das gesamte Rindvieh des Ortes wurde jahrhundertelang in jeder größeren Ortschaft, auch in den beiden Appenberg, vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst hinein unter der Aufsicht eines gedungenen Hirten auf die Weide getrieben. Das Vieh musste sich draußen in der Gemarkung sein Futter selbst suchen. Das war zunächst die einfachste Art, den verhältnismäßig geringen, aber doch lebensnotwendigen, Rinderbestand zu erhalten. Stallfütterung im Sommer blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts unbekannt. Es mangelte an Transportmöglichkeiten und das Heimführen des Futters mit Schubkarren oder gar das Heimtragen auf dem Rücken erwies sich auf die Dauer als beschwerlich. So war jeder Bewohner, ob wohlsituierter Meier, Hübner oder Lehner oder armer Seldner gezwungen, sein Vieh in die gemeinsame Dorfherde "einzuschlagen" und dem Hirten je nach Anzahl seiner Rinder den entsprechenden Lohn zu reichen. Der Vorrang der in der Dorfgemarkung umherziehenden Herde steigerte sich in einem so hohen Maße, dass die einzelnen Dorfgenossen auf ihren privaten Grundstücken manchen Eingriff der Gemeinde an Lucken-, Trieb- und Hutrechten hinnehmen mussten. So wurde der Herde eine Vorhut auf den privaten Wiesen bis Georgi (23.April) oder spätestens bis Walburgi (1.Mai) eingeräumt, die jeder Bauer bis zu diesem Zeitpunkt zu dulden hatte. Man bezeichnete diese Vorweide auf den Wiesen als Blumenbesuch. An Walburgi wurden dann die Wiesen für die Dorfherde geschlossen, damit Heu und Grummet für die Überwinterung der Viehbestände gedeihen konnten. Der Hirte musste nun zu diesem Zeitpunkt alltäglich auf die sogenannten ewigen Weidegründe ziehen, in Ursheim auf den Gemein- Glenk- Espan, auf die mittlere und obere Nachtweid, auf die Röthfeldweide und den Gemeindestriegel usw. Im Herbst nach Michaelis, wenn die Wiesen abgeerntet waren, durfte er wieder diese besuchen und nach der Getreideernte auf das Weisch (Stoppelfeld) treiben. Darüber schreibt die Ursheimer Dorfordnung:

Zum ersten:
Die Stuter (Pferdehirten) dürfen drei Tag ins Feld, ehe der anderen Hirten einer darein hüten.

Zum zweiten:
Sollten aber die Gäns oder anderes Vieh vor der Stut drein getrieben werden, soll die Straf sein 1 Gulden.

Zum dritten:
Die Bauern haben die obere Wiesen zur Stut neben dem Weisch unterm Erlesberg bis an den roten Weg bis auf Michaelis (29. September). Dahin sonst kein Hirt auch des Tages nicht hüten darf.

Zum vierten:
In die ober Nachtweid oder Steinbuck genannt dürfen die Bauern, wanns Sommer- und Winterfeld drum herum ist, hüten bis Jakobi (25. Juli), wanns aber in der Brach liegt, solls allen Hirten gemein sein.

Zum fünften:
Die mittler und unter Nachtweid, die mit ihrem Anspann zuvor abäzen (abweiden), darnach soll sie um Johannistag (24. Juni) eingeschlagen und unter die ganze Gemeind drei Jahr nacheinander ausgeteilt werden.

Die Rug im Holz
Das mittelhochdeutsche Tätigkeitswort ruegen oder ruogen bedeutet "melden, mitteilen, sagen", aber auch "anklagen, beschuldigen, tadeln, gerichtlich anzeigen". Diese unangenehme Aufgabe des Anklagens oblag dem Flurer oder auch "der Gemeind Knecht" genannt. Als Feldpolizist hatte er darauf zu achten, dass keine Frevel in Feld und Wald geschahen. Traf er auf seinem täglichen Gang hinaus in die Gemarkung jemanden an, der gegen die Dorfordnung verstieß, so mußte er diesen Frevler rügen, das heißt ihn anklagen und sein Vergehen vor das Dorfgericht bringen, das die Strafen verhängte. Hierbei ging es natürlich nicht um Tod und Leben, nicht um Blut und fließende Wunden, wie man damals sagte, sondern nur um einige Kreuzer, die zu zahlen waren, denn das Dorfgericht war ein Niedergericht. In ihm saßen keine studierten Juristen als Richter, sondern ehrbare Bauern, die aufgrund langer Erfahrung und ordentlicher Lebensführung für Recht und Ordnung im Dorf zu sorgen hatten. Die Ursheimer Dorfordnung sieht Strafen für folgende Vergehen im Gemeindewald vor:

1.) Stammreis:
Zum ersten, da sich jemand unterstehen würde, ein Stammreis umzuhauen, soll er gestrafet werden um 10 Pfund oder 1 Gulden 15 Kreuzer. So ers verleugnen wollte, soll er mit dem Gemeindknecht (Flurer) auf den Stamm gewiesen und geführet werden.

    Erläuterung:
    Dieses Verbot, kein Stammreis umzuhauen, bezog sich vor allem auf die Bewirtschaftung des Niederwaldes im Gemeindeholz, der der Brenn- und Zäunholzgewinnung diente. Noch bevor Kohle-, Öl- oder Elektroheizung auf dem Dorfe Einzug hielten, wurde jedem berechtigten Dorfgenossen alljährlich ein Anteil aus dem Gemeindewald zur Abholzung der Stockausschläge zugeteilt. Jeder hatte sorgsam darauf zu achten, daß kein Stammreis, kein Bäumlein, das aus einem Samen (Buchecker oder Eichel) entsprossen war, abgehauen wurde. Denn diese Stammreiser sollten einmal zu großen Samen- oder Schmerbäumen heranwachsen, die Früchte für die Schweinemast im Herbst abwarfen, das sogenannte Geeckerich. Alle alten Waldordnungen achteten streng darauf, daß an Stammreisern nicht gefrevelt wurde.

2) Spännprügel:
Darüber schreibt die Ursheimer Dorfordnung vor: "Zum andern, da einer sich gelüsten ließe, Spännprügel zu hauen, derselbe soll zur Straf 15 Kreuzer erlegen". Erläuterung: Spänn- oder Spannprügel wurden früher vor allem von Bauern und Fuhrleuten für das Spannen der eisernen Ketten an den Leiterwagen oder Holzfuhren gebraucht, Man besorgte sie oft heimlich aus dem Gemeindewald, wodurch dieser geschädigt wurde, denn der Bedarf an solchen Prügeln war oft groß.

3) Reifen, Schienstecken zum Butt- und Krätzenmachen, dann Birken zu Besenreisern
Zum dritten:
Da auch ein oder ander sich betreten lassen würde, Reifen- oder Schienstecken zum Butten- oder Krätzenmachen, dann Birken zu Besenreisern zu nehmen oder aufzusteigen(auf die Bäume), soll ebenmäßig mit dem Gemeindknecht(Flurer) auf die Stöck gewiesen werden. Derselbe soll zur Straf erlegen 15 Kreuzer"

    Erläuterung:
    Da es früher noch keine industrielle Fertigung gab, wurden Butten, Krätzen und Besen entweder von Butten- und Krätzenmachern oder von geschickten Leuten selbst hergestellt, Dazu brauchte man Schienen aus dem Wald und Weiden von den Weidenkoppen. Da viele Menschen dieser Tätigkeit besonders im Winter nachgingen, wäre der Gemeindewald geplündert worden. Schienen und Reifen konnte man sich ja aus den Zuteilungen von Brenn- und Zaunholz aussuchen, die einem jeden Dorfgenossen alljährlich zugewiesen wurden.

4) Feuer unter Bäumen zu schüren
Zum vierten:
"Würde sich begeben, dass einer unter grünen und fruchtbaren Bäumen Feuer zu schüren, wie bisweilen von Roß- oder Ochsenbuben geschieht, soll unnachsichtig zur Pön (Strafe, Buße) verfallen haben 10 Pfund oder 1 Gulden 15 Kreuzer."

    Erläuterung:
    Roß und Ochsenbuben hüteten früher die Pferde und Ochsen. Oft war es schon kalt, dann schürte man auf der Weide ein Feuer. Auf den Weidegründen standen oft alte Bäume zum Unterstellen bei Unwetter und Hagelschlag (Hagelbäume). Sie standen unter besonderem Schutz und durften nicht durch Feuerschüren vernichtet werden. Daher diese hohe Strafe.

5) Im Schlag zu hüten
Zum fünften:
"Sollte sich's zutragen, dass jemand in der Gemeind Schlägen zu hüten oder ehe das fünfte Laub vorhanden, grasen, der soll zur Strafe erstatten 10 Kreuzer"

    Erläuterung:
    Die Laubbäume haben die Eigenschaft, dass sie sich nach dem Abholzen nach einer gewissen Zeit aus dem Wurzelstock wieder erneuern können. Nach zehn bis zwanzig Jahren sind die Stockausschläge dann so weit, dass sie mit dem Beil zur Brennholzgewinnung abgeschlagen werden können. Die Fläche, auf der die Stockausschläge mit dem Beil abgeschlagen wurden, nannte man den Schlag, im Gemeindeholz die Gemeindeschläge. Nach dem Abschlagen konnte Licht auf den Boden fallen, zwischen den Stöcken wuchs gutes Gras, das nun zum Abgrasen und Abweiden dienen konnte. In den ersten fünf Jahren(bis ins fünfte Laub) war es verboten, in den Gemeindeschlägen zu grasen und das Vieh dort zu hüten, zum Schutze der jungen Triebe.

6) Deckbänder zu schneiden
Zum sechsten:
"Welcher sich in den jungen Schlägen Deckbänder zu schneiden, erfinden ließe, soll zur Strafe schuldig sein l0 Kreuzer"

    Erläuterung:
    Deckbänder waren wohl dünne Stangen zum Halten der Strohbüschel auf dem Strohdach.

7) Löhe vor und nach Walburgis abhauen
Zum siebten:
"Die ausgegebenen Löhe sollen 8 Tage vor oder nach Walburgis (1.Mai) niedergelegt, dann 8 Tag vor oder nach Pfingsten geleeret werden bei Straf neben Verlierung des Holzes 10 Kreuzer."

    Erläuterung:
    Als Loh, Mehrzahl Löhe, bezeichnet die Dorfordnung sowohl die Fläche, als auch die Menge der Stockausschläge, die dem einzelnen als Brenn- oder Zäunholz aus dem Gemeindewald zugeteilt wurden. Sie mussten rechtzeitig aus dem Wald geschafft werden.

Die Rug im Feld
Zum ersten:
"Gestalt jemand (wird jemand vor Augen gestellt) nach Walburgis mit den Sicheln oder Messern zu grasen oder 9 Stöcklein (Getreidestöcklein) auszuraufen, sich ergreifen lässet, soll zur Straf erlegen 9 Pfennig."

Zum anderen:
"Würde dann ein oder anderns (der eine oder der andere) mit Sichel im Hafer zu grasen oder auch 9 Stöcklein auszureißen erstehen, hat dasselbe zu erstatten."

Zum dritten:
"Auf Rainen zwischen dem Getreid, sowohlen zu hüten und zu grasen auch verboten. Strafe 9 Pfennig."

Zum vierten:
"So eines auf den Ränken (Rangen) an dem Wege, sonderlich ufm Sand (Flurabteilung Sand) zu grasen oder zu hüten betroffen würde, soll mit angesetzter Strafe angesehen werden 9 Pfennige."

    Erläuterung: zu diesen Punkten:
    Es handelt sich hier um die Getreidefelder. In der ehemaligen Dreifelderwirtschaft waren die einzelnen Grundstücke mit sehr schmalen Rainen abgegrenzt, auf denen Gras gewachsen ist. Für die "kleinen Leute" im Dorfe bedeutete dies eine Verlockung, das Gras für ihre Ziegen mit der Sichel abzugrasen. Dabei wurde das Getreide erfaßt. Daher war das Grasen in den Getreidefeldern verboten.

Zum fünften:
"Alle Wiesen vor und nach Walburgis darauf zu grasen 9 Pfennig."

    Erläuterung:
    Die Wiesen hatten vor Walburgi der Dorfherde offenzustehen. Nach Walburgi dienten sie der Heu- und Grummetgewinnung. Daher war das Grasen auf ihnen verboten.

Zum sechsten:
"Herbstwiesen, als Leonhard Wüstens, Hans Michael Jakob, des Heiling, Matthes Reithers, der Gemeind und Au sollen am Jergtag ( Georgitag, 23. April) eingeschlagen (für die Herde verboten zu weiden), uf Jakobi (25. Juli) dann geleeret werden."

Zum siebenten:
"Die Lachwiesen sollen das Gromahdrecht, welches nach Aussag Balthas Lehners soll erkauft worden sein, haben."

    Erläuterung:
    Nicht alle Wiesen wurden im Mittelalter zweimal im Jahr gemäht. Es gab einmähdige und zweimähdige Wiesen. Die Lachwiesen waren zwiemähdig, das heißt, dass nach der Heuernte auch darauf Grummet wachsen sollte und sie nicht beweidet werden durften.

Zum achten:
"Einen Pflug auf einer Gemein (Gemeindegrundstück) einzusetzen 9 Pfennig Strafe."

Zum neunten:
"Weischrechen (Weisch= Stoppelfeld) oder Schneiden verboten 9 Pfennig Strafe."

    Erläuterung:
    Heute wird das Weisch wenige Tage nach der Ernte umgebrochen. Früher lag das Stoppelfeld wochenlang den Dorfherden, auch den Gänsen offen. Das Rechen auf dem Soppelfeld hätte die darauf wachsenden Kräuter gefährdet und die Weide geschmälert.

Zum zehnten:
"Disteln oder Schartenstechen im Getreid 9 Pfennig Strafe."

    Erläuterung:
    Die Scharte ist ein distelartiges, jedoch nicht stacheliges Gewächs, wurde früher zum Gelbfärben verwendet. Dass Disteln im Getreidefeld verboten war, ist merkwürdig, zeugt aber davon, dass das Getreidefeld streng geschützt war. Das Herausziehen war wohl im jungen Saatfeld erlaubt.

Zum elften:
"In die alt Krautgärten, dann in die neuen untern zwei Gewandt zu fahren verboten. 10 Kreuzer Strafe."

Zum zwölften:
"Außer den erlaubten Tägen, so die Gemeind zu benamsen (bestimmen), darinnen zu blättern oder grasen 10 Kreuzer Strafe."

Zum dreizehnten: "Uf Walburgis einzuzäunen 10 Kreuzer Strafe."

    Erläuterung:
    Die Saatfelder mussten am Walburgistag mit Flecht- oder Dornenzäunen zum Schutz gegen die herumziehenden Dorfherden versehen werden. Wer es nicht tat, wurde bestraft.

Zum vierzehnten:
"In den neuen Krautgarten zu hüten 10 Kreuzer Strafe."

Zum fünfzehnten:
"In diesem (Krautgarten) außer den seinigen (Krautbeetlein) zu grasen 10 Kreuzer Strafe."

Zum sechzehnten:
"Wofern einer oder der ander durch die Hut fährt (Weideland), hin und wieder, ein und aus, ist schuldig, hinter sich zuzumachen bei Strafe 10 Kreuzer."

Vom Holz
Zum ersten:
"Im roten Gründlein, Koreislein und Holderhölzlein haben die Seldner so viel als ein Bauer."

Zum anderen:
"In den andern Gemeindhölzern hat ein Bauer, darunter auch der Pfarrer und die Müller begriffen, 2 Teile, ein Seldner einen Teil."

Zum dritten:
"Für einen Stamm Baumholz in der Gemeind, so es einer oder der ander Gemeindsmann nötig hat, für ein halbfütteriges 20 Kreuzer, für einen Dreiling 15 Kreuzer solle der Gemeind bezahlt werden. Würde sich aber begeben, dass einer sein angewiesenes Holz liegen und verderben ließe oder verbrenne, soll derselbe gänzlich abgewiesen werden."

    Erläuterung:
    Hier handelt es sich um die Holzbezüge aus den Gemeindehölzern. In früheren Zeiten besaßen im Hahnenkamm meist nur die großen Meierhöfe eigenen Wald, gewöhnlich Meierholz genannt. Die Bauern, Lehner und Seldner bezogen alle ihr Brenn- und Zäunholz aus dem Gemeindewald. Zur Brenn- und Zäunholzgewinnung diente vor allem der Niederwald, sehr oft Loh genannt, was eigentlich "lichter Weidewald" bedeutet. Der Niederwald bestand meist aus Stockausschlägen der Laubbäume, die nach einer Zeit von 10 bis 15 Jahren immer wieder abgeholzt wurden. In dieser Zeit waren die Triebe gerade so stark, dass die sich noch mit dem Beil fällen und zerkleinern ließen. Mit dem Beil ging die Arbeit des "Holzmachens" damals rascher vonstatten als mit der unzulänglichen Säge. Je nach der Zahl der berechtigten Dorfgenossen wurde der Gemeindewald - besser gesagt das Gemeindeholz, weil man den Begriff Wald nur für ganz große Waldungen verwendete - von eigens dafür bestimmten, erfahrenen Personen in Stücke eingeteilt, die dann durch das Los an die Berechtigten zum Abholzen verteilt wurden. Im roten Gründlein, Koreislein und Holderhölzlein scheinen die Löhe - so nannte man die abzuholzenden Teile - nicht von besonderer Güte gewesen zu sein, was schon der Name Holderhölzlein besagt. Deshalb wurden in diesen Gemeindehölzern die Löhe nach dem Gleichheitsgrundsatz verteilt. Bauern und Seldner bekamen je einen Loh. In den anderen Gemeindehölzern erhielten die Bauern, sowie der Pfarrer und die Müller zwei Teile, die Seldner nur einen. Wollte ein Bauer oder Seldner Stammholz aus dem Gemeindeholz beziehen, so musste er es bezahlen, während die Abgabe des Brennholzes kostenfrei erfolgte.

Eichel und Eichelschwein
Zum ersten:
"Eichel, wenn die geraten, dürfen die Bauern, darunter der Herr Pfarrer und die Müller begriffen, in solche noch soviele schlagen als ein Seldner."

Zum anderen:
"Eichellesen oder Klauben ist verboten bei 10 Pfund oder 1 Gulden 15 Kreuzer."

    Erläuterung:
    Im Mittelalter war der Hahnenkamm vorwiegend Laubwaldgebiet, was durch viele Flurnamen, die auf Wald und Rodung Bezug nehmen, erwiesen ist. Der Laubwald diente nicht nur der Brenn- und Zäunholzgewinnung, sondern auch der Viehweide und Schweinemast. Die Schweine wurden den Sommer über notdürftig ernährt, im Herbst zur Mast in die Wälder getrieben, wo sie Eicheln und Bucheckern fanden. Massen von Schweinen konnte auch der Wald nicht ernähren, daher hielt sich die Schweinezucht in den notwendigen Grenzen. Vollbauern, die außer ihrer Familie auch noch Knechte, Mägde und Taglöhner zu ernähren hatten, durften doppelt so viele Schweine in die Eicheln schlagen wie die Seldner, die sich in der Regel mit einem Schwein zufriedengeben mussten. Um keine Ungerechtigkeiten aufkommen zu lassen, war das Klauben (Auflesen) von Eicheln und Bucheckern verboten und wurde mit einer verhältnismäßig hohen Geldstrafe belegt.

Bach oder Rohrach
Zum ersten:
"Den Hausgenossen ist darinnen verboten zu fischen."

Zum anderen:
"Reiser (Körbe zum Fischfang) darin zu legen 10 Pfund oder 1 Gulden 15 Kreuzer Strafe."

Zum dritten:
"Aus dem Bach zu steigen, wann einer fischet oder jemand mit ihm haben, wenn die Wiesen eingeschlagen, 9 Pfennig Strafe."

Zum vierten:
"So einer fischet und die Fisch verkaufen will, soll er einem die Maß Grundel geben pro 10 Kreuzer."

Zum fünften:
"Die Maß Krebsen pro 12 Pfennig."

Zum sechsten:
"Das Hundert Krebs pro viel?"

Zum siebten:
"Das Klänk-Espan ist im Fischen und Reusenlegen frei."

    Erläuterung:
    In der Rohrach durften nur Vollbauern, Lehner und Seldner fischen, den Hausgenossen war es verboten. Sie waren von den Einheimischen aufgenommen worden, besaßen aber selbst kein Eigentum und kein Gemeinderecht. Beim Fischen durften die Wiesen nicht betreten werden, solange diese eingeschlagen waren, von Walburgi bis Michaeli. Auf dem Klänkespan, der ein ewiger Weidegrund war und auf dem das Gras durch das Weidevieh kurz gehalten wurde, war das Fischen auch in der Zeit, in der es auf den Wiesen verboten war, erlaubt.

 
 
 
Fortsetzung