Elfhundert Jahre Ursheim und Appenberg 
 
 Ursheimer und Appenberger Flurnamen - Teil V
(Die Plannummern stehen hinter den Namen in Klammern)
 
 
 

5.) Gassen und Wege
Man kann sich heute im Zeitalter der geteerten Ortsverbindungswege, der begradigten und an Bäumen leeren Bundesstraßen und der beängstigenden, raumgreifenden Autobahnen kaum noch eine Vorstellung davon machen, wie mühevoll es für unsere Ahnen erschien, den Raum zu überwinden. Der Verkehr hielt sich in sehr bescheidenen Grenzen und erfolgte größtenteils zu Fuß oder zu Pferd. Und doch hatten die Menschen dazumal für unterschiedliche Verkehrsverbindungen auch verschiedenen Namen. Innerhalb des Dorfes begnügte man sich mit dem Begriff Gasse, die auch in das Feld führen konnte. Da ist in der Ursheimer Dorfordnung um 1600 die Rede von der kurzen Gass, von der Thomasgassen, von der Waltersgassen, wohl nach den Anwohnern Thomas und Walter genannt. Eine ähnliche Benennung wird wohl das Hummelgässlein erfahren haben. In Appenberg fehlen die Gassennamen, wohl deswegen, weil die beiden Orte nur die Größe eines Weilers erreichten. Für die ziemlich eben verlaufenden Verbindungen in die Nähe und in die Nachbarorte gebrauchte man den Begriff Weg: am Döckinger Weg (1217-28), am Auernheimer Weg (1436-1497), am tiefen Weg (313-43). Für den Gang zur Pfarrkirche nach Ursheim wurde der Appenberger Kirchenweg (287) benützt. Ansteigende Wege spielten in hügeligen und bergigen Gelände eine größere Rolle. Fußwege, die in die Höhe führen, heißen Steig; so in Appenberg der Hüssinger Steig (1737-38). Mit dem Ansteigen des Geländes hängt auch die Flurbezeichnung "im Gesteig", mundartlich "im Gschtoach" (1132-49; 1151-67) zusammen und Steigenbühl (1165). An den Weg zur Stahlmühle erinnert in Appenberg der Stahlmühlwegacker (1865-66). Ein besonderes Hindernis für den Verkehr vom Dorf zu Dorf und vom Dorf ins Feld bildeten die Bäche, auch die kleinsten, weil sie früher das Gelände um sie in Sumpf verwandelten. Deshalb mussten Flussübergänge erkundet werden, die man in Ermangelung von Brücken nun durch Fahren oder Durchwaten überwinden konnte. Damit hängt die Flurbezeichnung "bei der oder dem Furt" zusammen. Das Wort Furt deutet eine Stelle am Fluss an, wo man ihn durchfahren oder durchlaufen konnte. In Ursheim ist die Rede von Furtwiesen (202-210) und vom Furtacker (212-223) zwischen dem Ort und der Stahlmühle. In Oberappenberg wurde ebenfalls eine Stelle im Ort, die heute überbrückt ist, die Furt und an ihr die Furtwiese (1927-29) und der Furtacker (1938) genannt. Nur zwei Namen Bruckwieslein (153) und Bruckgarten künden von einer Brücke über die Rohrach. Nicht vergessen wollen wir den Flurnamen Kehrwiese (105-25). Sie hat insofern mit dem Verkehr etwas zu tun, als dort wohl die Ursheimer Hirten mit ihrer Herde umzukehren hatten, weil das Weidegebiet der Polsinger und Trendler Hirten begann. Man könnte aber auch an den Flusslauf über die Rohrach denken, der dort einmal eine Schleife, eine Kehre, gezogen hat. Über die vielen Triebwege berichtet die Dorfordnung ausführlich.

 
 
 
Fortsetzung