Flurnamen in Hohentrüdingen 
 
 
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  Egert, Hoichert, Hofegert
In Hahnenkamm gab es früher eine ganze Anzahl von wenig ertragreichen Feldstücken, die nicht alljährlich regelmäßig angebaut wurden. Nach der Ernte ließ man das Feld eine Anzahl von Jahren zum Abgrasen oder Abweiden liegen, um es schließlich aufs neue umzubrechen und mit Getreide zu bebauen. Ein so extensiv genutztes Stück Land nannte man Egerde oder Egert. Die hochgelegene Egert vorm Bauernfeld erhielt die Bezeichnung Hoichert = hohe Egert. Auf dem Bühl an der Gemarkungsgrenze zu Westheim wurde ein Stück Land die Stadelegert genannt (mundartlich Stalechert), wohl nach einem in der Nähe stehenden Feldstadel. Bei der Schlüsselegert, ebenfalls auf dem Bühl gelegen, liegt ein Vergleich mit einem Schlüssel vor und die Hofegert auf dem Bühl gehörte einmal zum herrschaftlichen Hof, denn um 1410 heißt es in einem Verzeichnis: 16 Tagwerk Wiesmahd, genannt die Hofegert trägt auch Herbstfutter. Heute ist die Egertenwirtschaft längst einer intensiven Fruchtwechselwirtschaft gewichen.

Eichach, siehe unter Stockach)

Erdbrust, mundartlich in der Ehbruscht Pl. Nr. 385 - 387
1329: Zur Burg Hohentrüdingen gehörte: Ertprust das holtz darzu
Dieser Name ist heute noch im mündlichen Sprachgebrauch bekannt und haftet an einer Schlucht zwischen dem Klaskopf und dem Wurmberg. Ins Grundbuch wurde er als Ehebrust eingetragen. Doch zur Ehe und zur Brust als Körperteil eines Menschen lässt sich kein sinnvoller Zusammenhang finden. Wir müssen hier vielmehr an das mittelhochdeutsche Tätigkeitswort bresten denken, das "brechen, reißen, bersten" bedeutet. In der Erdbrust scheint die Erde wie eingebrochen und das ist im Gelände, an dem der Name Erdbrust haftet, auch der Fall. Der Volksmund hat den sinnvollen Namen "eingebrochene Erde" in Ehbruscht verwandelt.

Erlach, in der Erl Pl. Nr. 842 - 848
Zum Hof des Bauern Martin Brunner gehörten 1535: 1 Morgen (Holz) im Erlach, Anstößer das Reißholz (Reisch). Ist ausgereut. Und 1329 im Teilungsvertrag der Burg steht: Rische, das Holz, das Erlach daran, das zu der Spech (Speck) gehört. Unter der Flurbezeichnung Erl, in der Erl, verstand man vor Jahrhunderten einmal einen Erlenwald, der um 1535 ausgerodet und wohl in Wiesenland verwandelt wurde. Die Nachsilbe -ach bedeutet hier eine Ansammlung von Erlen, wie der Flurname Weidach eine Ansammlung von Weiden, Eichach eine Ansammlung von Eichen, Eichenwald. Die Gegend, in der das Erlachholz stand, war feuchter Untergrund, der von der Erle bevorzugt wurde. Ein zweites Holz namens Erlach wird auch 1329 genannt: das Erlach und der Heiligen Holz, die oben an dem Hag liegen gen Rechenberg.

Espan, Espangarten, mundartlich Eschbergarten
Espan, so hieß einmal der breite Grasstreifen rechts und links der Straße nach Heidenheim vom Sommerkeller fast bis hinab zur Straße Ostheim - Hechlingen. Noch bis zur großen Flurbereinigung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gehörte das Gelände rechts und links des Weges nach Heidenheim der Gemeinde. Jetzt ist es bis zum Straßenkörper heran größtenteils in Privatbesitz übergegangen. Der Espan wird schon um 1430 genannt: "Fritz Czirler gibt von der Peuschels Hofstatt und von 2 Tagwerk Wiesen, von 5 1/2 Morgen Acker und von einem Garten am Espan 11 Schilling Haller Weisat, 1 Fastnachthenne und 32 Schilling Haller am Walburgitag."
In dem alten Lucken-, Trieb- und Hutbrief von 1670 heißt es: "Ein Trieb von dem Espan in die Buchwiese". Was bedeutet nun der Flurname Espan? Die Flurnamenforscher haben herausgefunden: Der Espan ist eine nahe am Dorfe gelegene, mit Gras bewachsene Fläche, die den Pferden, Kühen sowie den Gänsen und Schafen zu gewissen Zeiten zur Weide zur Verfügung steht, aber der privaten Nutzung entzogen ist und nur der gemeinsamen Herde als ewiger Weidegrund gedacht ist. Der Flurname Espan soll sich erklären lassen als "Stelle, an der man dem Zugvieh die Vorderfüße mit einem Strick zusammenspannte, damit es nicht in die benachbarten Saatfelder laufen und Schaden machen konnte". Der Garten in Dorfnähe, der vor dem Espan lag, hieß Espangarten (Eschbergarten). Der Espan war der größte und bedeutendste ewige Weidegrund. Ewiger Weidegrund, das heißt, er diente jedes Jahr "für ewige Zeiten" der Dorfherde als Weideplatz. In Hohentrüdingen war der Espan ein langgezogener Weideplatz an der Heidenheimer Straße, so eine Art breiter Viehtrieb, von dem aus die Dorfherde langsam grasend von Walburgi (1. Mai) bis Michaeli (29. September) auf die anderen Weideflächen im Breschlingberg, in der Rauhgasse, im Heidenheimer Buck und im Faulen Wasen gelangen konnte, ohne die Saatfelder zu beschädigen. Als freilich um 1800 herum die Frühjahrsweide abgeschafft und die Stallfütterung eingeführt wurde, es also keine Dorfherde mehr gab, verlor der Espan seine Funktion. Er wurde aber nicht wie die anderen Weideflächen aufgeteilt, sondern mit Obstbäumen bepflanzt. Die Gemeinde bezog daraus in manchen Jahren eine gute Einnahme. Der modernen Flurbereinigung ist auch diese zum Opfer gefallen.

 
 
 
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