Flurnamen in Hohentrüdingen 
 
 
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  Kalter Loh, siehe unter Loh

Katzenbuck Pl. Nr. 940-955)
Der Name Katzenbuck ist in alten Verzeichnissen nicht zu finden. Man versteht darunter die Felder, die vom östlichen Buck (Buchenbuck, Dorfwall) aus zum langen Zaun auf der rechten Straßenseite liegen und oben einen Buckel bilden. Wenn Flurnamen mit Katze oder Hund gebildet wurden, so ist vielfach ein verächtlicher Sinn damit verbunden, denn Katze und Hund haben nun einmal unter den Haustieren nicht den Wert einer Kuh oder gar eines Pferdes. Zudem vermehren sie sich in einem viel stärkeren Maß. Hund und Katze sind allerdings viel enger mit dem Menschen verbunden, weil sie oft in der Stube mit ihm zusammenleben und die Schädlinge im Haus vertreiben. Sie werden daher viel genauer beobachtet, sowohl in ihren Körperformen als auch in ihren Verhaltensweisen. Sie geben also Anlaß zu Vergleichen in der Flurnamengebung. Daß die Katze einen Buckel macht, ist eine alltägliche Erscheinung. Der Katzenbuck ist wohl so benannt, weil er dem Katzenbuckel des Haustieres ähnelt und es sich bei ihm um einen niedrigen Buck handelt, der an Größe den einst steileren und höheren Buck der Dorfumwallung nicht erreicht. Dass der Name Katze auch mit dem Befestigungswesen zusammenhängen soll, wurde bisweilen in der Forschung angenommen.

Kehre, in der Kehr
Der Name ist heute verklungen. Er wird aber 1535 noch genannt: das Holz Reisch genannt, hebt sich an Hohentrüdinger Gemeind-Viehweid in der Kehr an. 1671 steht in dem Lucken-, Trieb- und Hutbrief: ein Lucken von dem Faulen Wasen in die Kehräcker bis an das Ochsenäckerlein. Die Kehre ist ein Weg, der sich in Kehren, in Windungen den Berg hinanzieht. Die Grundbedeutung geht wohl auf Umkehren zurück. Womöglich ist die Kehre auch nach dem Umkehren der Dorfherde an der Grenze zur Heidenheimer Gemarkung genannt. Heute sind die Kehräcker nicht mehr erkennbar.

Kindsweiher, beim Kindsweiher
1535: Peter Sperlein besitzt ein Seldengut zwischen der Badstuben und dem Hofgartenhaus (heute Anwesen Herbert Rühl). Dazu gehörten unter anderem 2 Tagwerk Wiesen, zwiemähdig, beim Kindsweiher.
Der Kindsweiher war einst ein kleines Weiherlein südwestlich von Hohentrüdingen am Hang des Bühls. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man den Namen mit dem alten Volksglauben in Verbindung bringt. Es fällt schwer, im Zeitalter des Verstandesdenkens einer aufgeklärten und fast überinformierten Gesellschaft sich vorzustellen, welcher Aberglaube vor vielen hundert Jahren unsere Ahnen auf dem Dorfe beherrschte. Der Blick und die Verbindung in die große weite Welt war ihnen verschlossen. Dafür sprudelte um so reicher ihre Phantasie in der heimatlichen Landschaft. Viele spukhafte, verrufene Stellen in der Flur wimmelten von feurigen Männlein, von Reitern ohne Kopf, die zur Mitternachtsstunde am Kreuzweg erscheinen und die Menschen ängstigen sollten. Aber auch im Dorfe selbst trieben des nachts in Gassen und Hecken, auf dem Friedhof oder im Trudeneck böse Geister ihre Unwesen. Auf dem Turm schreckte im Dunkel der Mauern die rote Geiß die Kinder, aus dem Dachbrunnen griff der Brunnenhäkel heraus und zog die Kleinen in die Tiefe. Auch wenn es um die Frage der Herkunft der kleinen Kindern ging, kamen die Alten auf allerhand phantasievolle Ausflüchte. So holte sie angeblich der Storch aus dem Brunnen oder aus dem Kindlesweiher. Daß auch bei unserem Kindsweiher in Hohentrüdingen vor langer Zeit einmal diese Vorstellung im Volksglauben verbreitet war, könnte der Name Kindsweiher bezeugen.

Klashausen, Kleinhausen, Klaskopf Pl. Nr. 400 - 528
In einem abgelegenen Flurteil von Hohentrüdingen nach Hechlingen zu haftet noch heute der Flurname Klashausen. Wie schon der zweite Namenteil -hausen andeutet, muss hier einmal ein Haus gestanden haben, zwar kein Dorf groß und stattlich wie die alten Haufendörfer im Hahnenkamm, deren Name oft auf -ingen oder -heim endet, sondern ein Einzelhof, herausgerodet aus dem großen Waldstück zwischen Hechlingen und Hohentrüdingen. Man sieht es von den gegenüberliegenden Hügeln bei Hüssingen dem Flurteil Klashausen schon an : Dieser abgelegene Südhang der Hohentrüdinger Gemarkung wurde einmal aus dem Wald herausgerodet. Der Wald steht ringsum ernst und schweigend, als ob er darauf lauere, sein ehemaliges Herrschaftsgebiet wieder zu besiedeln, sollte einmal der Pflug in "Kloahausa" nicht mehr durch die Äcker ziehen oder der scharfe Messerbalken der Mähwerke nicht mehr über die Wiesen fegen. Haus und Stadel des Hofes sind längst verfallen. Sie waren wohl nur aus Holz, Lehm und Flechtwerk errichtet und mit Stroh gedeckt. Das waren Baustoffe, die durch den Zahn der Zeit vollständig zerstört werden konnten. So weiß man nicht einmal mehr, wo genau die Gebäude des Hofes einst standen. In alten Schriften wird der Ort bisweilen als Glashausen geschrieben, so daß man meinen könnte, in Klashausen sei einmal eine Glashütte in Betrieb gewesen. Doch das war sicherlich nicht der Fall. Der Name Klashausen erinnert viel mehr an die heute verschwundene, aber schriftlich bezeugte Nikolauskapelle des Klosters Heidenheim, für die in diesem gerodeten Außenfeld der Hohentrüdinger Gemarkung noch lange Zeit der Zehnte eingezogen wurde. Aus dem vollen Heiligennamen Nikolaus wurde im Volksmund die Kurzform Klas, auch Glaß geschrieben. Zahlreiche Beispiele dieser Art finden sich in den alten Verzeichnissen. "Zu den Häusern des Klas = Nikolaus" muß wohl der Flurname Klashausen gedeutet werden. Im mündlichen Sprachgebrauch wurde daraus ein Kleinhausen. Dicht bei Klashausen erhebt sich eine Höhe, einem Kopf gleichend, daher der Name Klaskopf. Die Rodung Klashausen erfolgte wohl nicht von Hohentrüdingen her. Vielmehr wurde hier womöglich schon vor der Errichtung der Burg und des Ortes Hohentrüdingen der Wald durch das Kloster Heidenheim gelichtet. Ein in der Nähe befindlicher Bereich von Klashausen heißt noch heute Heidenheimer Loh. Es fällt auch auf, daß 1535 nur der Bauer Martin Brunner mit 4 Morgen Acker und Linhard Bückelein mit 2 Tagwerk Wiesen und Jörg Mühlich mit 3 Morgen Acker in Klashausen begütert sind.

Kölbelsgreut, siehe unter Greut- Namen

Kotwiese Pl. Nr. 134
Hier wird die Eigenschaft des Untergrundes zur Benennung der Wiese herangeholt worden sein. Die Flurbezeichnung "in der Kotwiese" weist auf einen schlammigen, sumpfigen Boden hin. Das Wort Kot ist früher häufiger in der Namengebung verwendet worden. Erinnert sei an Koppenkot, worunter man in der Mundart verfaultes Holz in Weidenkoppen versteht, das zur Blumenzucht bevorzugt wurde. Die Kotwiese lag an dem Weg nach Westheim und wird schon 1535 so genannt: Der Kleinbauer Georg Degersheimer in Hohentrüdingen besitzt u.a. 5 Tagwerk zwiemähdig auf der Kotwiesen, Anstößer der Hofgarten

Krautgarten, im Krautgarten Pl. Nr. 569 -669, (auch im großen oder neuen Krautgarten (670), im kleinen oder alten Krautgarten (671-726)
Heutzutage beziehen die meisten Menschen ihr Sauerkraut aus der Dose oder im frischen Zustand auf dem Wochenmarkt oder im Gemüseladen. In früheren Zeiten war jeder gezwungen, dieses lebensnotwendige Nahrungsmittel in der heimischen Flur selbst anzubauen. Dies konnte jedoch nicht an jeder beliebigen Stelle der Gemarkung geschehen, denn diese unterlag der Dreifelderwirtschaft: Winterfrucht, Sommerfrucht und Brache. Die Brache diente bis in den Monat Juni (Brachmonat) auch als Viehweide. Die umherziehenden Dorfherden hätten die Krautpflanzen gefährdet. Deshalb wies die Dorfgemeinde einen bestimmten Platz in der Flur aus, ließ ihn mit Ruten- oder Dornengeflecht zum Schutz gegen Weide- und Wildtiere umzäunen. So entstand der Krautgarten, meist unweit entfernt von einem laufenden Brünnlein, damit den Pflanzen in Trockenzeiten etwas auf die Beine geholfen werden konnte. Jedes mit einem Gemeinderecht versehene Anwesen erhielt nun innerhalb der umzäunten Fläche ein Krautgartenbeetlein. Im Oktober wurden die Krautköpfe geerntet, gesäubert und mit einem Messer, später mit einem Krauthobel in eine hölzerne Kufe eingeschnitten. Manche Leute traten das eingesalzene und zerkleinerte Kraut mit den nackten Füßen ein, andere stampften es mit dem Krautstampfer zu einer festen Masse zusammen. Mit Brettern und gewichtigen Steinen wurde das eingestampfte Kraut beschwert. Jedesmal, wenn die Hausfrau Kraut kochen wollte, musste sie die Steine und Bretter aus der Krautkufe entfernen und die oberste Schicht abnehmen. So wurde die Kufe den Winter und Frühling über allmählich leer. Das Sauerkraut blieb den langen Winter über ein wertvoller Vitaminträger in der menschlichen Ernährung. In Hohentrüdingen gab es zwei Krautgärten, einen kleineren alten und einen neuen größeren. Über die Errichtung des neuen Krautgartens steht geschrieben: 1765 in eben diesem Jahr ist vom Herrn Oberamtmann der Gemeindeacker neben dem oberen Krautfeld auch abgeteilet worden und einem jeden Haus ein Teil gegeben worden, wie auch dem Pfarrer Nummer 42. Solches Feld soll künftig zu Kraut und Rüben angewandt werden. Die älteren Leute im Dorf können sich noch an den Krautgarten und die kleinen Krautbeetlein erinnern. Sie sind im Zuge der Flurbereinigung verschwunden.

Kreuthof, beim Kreuthof, mundartlich Kreithof Pl. Nr. 4390 (Heidenheim)
Den vielen Greutnamen im Westen der Gemarkung Hohentrüdingen steht im Osten der Kreuthof mit seinem Rodungsnamen gegenüber, zwar nicht mehr innerhalb der Hohentrüdinger Markung selbst, aber unmittelbar an ihrer Grenze. Auch sein Name erinnert hier an Waldrodungen, doch bleibt fraglich, ob diese von der Herrschaft Truhendingen ausgingen oder nicht schon etwas früher vom Kloster Heidenheim oder vom Bischof von Eichstätt veranlasst wurden. Der Bischof von Eichstätt verfügte ja als Grundherr in Heidenheim neben dem Kloster über einen großen Fronhofsverband mit einem Meierhof als Mittelpunkt. So kann man sich vorstellen, dass der Kreuthof von dort aus angelegt wurde. Erstmals wird die Rodung beim Kreuthof im Jahre 1391 erwähnt und zwar unter dem Namen Gerewt, das heißt Gereut und bezeichnet eine große Fläche, die nicht nur den unmittelbaren Grund um das Haus, sondern auch die Felder bezeichnete. Die Zugehörigkeit zur Heidenheimer Markung spricht eher für eine Rodung von Heidenheim aus. Die Hohentrüdinger Gemarkungsgrenze musste den Kreuthof umgehen. Auch das Weiderecht Heidenheim bis hinauf zum kalten Loh spricht für ältere Rodung von Heidenheim her.

Kreuthofscholle
Von der Balsenmühle im Rohrachgrund über den Kreuthof herauf bis zum Stonia (Steinicht) an der Lindengruppe zieht sich eine lose zusammenhängende Gesteinsmasse herauf, der die Geologen den Namen Kreuthofscholle gegeben haben. Sie besteht zum größten Teil aus stark zertrümmerten, im Kaltenloh und an der Wolfsgrube zergrießtem Weißjuragestein. Im Stonia sind die Äcker mit Kalksteinscherben übersät. Am heutigen Bauschuttplatz in der Nähe des Kreuthofes wurden noch nach dem Zweiten Weltkrieg weiße Kalksteine gebrochen, die aber nicht waagrecht lagerten wie in Steinbrüchen, sondern "auf den Kopf gestellt" waren. An der Wolfsgrube konnte sogar bisweilen Kalkgestein mit Hacke und Schaufel aus dieser Gesteinsmasse zur Straßenschotterung abgegraben werden. Von diesen Steinbrüchen holten wohl die Erbauer der Burg Hohentrüdingen die Steine für ihren Kalkofen, der noch 1329 erwähnt wird. Wie aber kam diese Kreuthofscholle in die Gemarkung Hohentrüdingen? Irgendeine Kraft musste diese ortsfremde Scholle auf die Ton- und Eisensandsteinschichten aufgetragen haben. Die Geologen haben dafür folgende Erklärung: Vor etwa 15 Millionen Jahren in der Tertiärzeit ging bei Nördlingen im Ries ein Himmelskörper, ein Meteorit von 1000 Metern Stärke auf die Erde nieder. Er kam mit einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometern in der Sekunde, bohrte sich blitzschnell in die Erde ein, wurde auf ein Viertel seines Rauminhaltes zusammengepresst und explodierte. Dadurch wurde eine Kraft frei, die der von mehreren tausend gleichzeitig explodierenden Wasserstoffbomben gleichkam. Durch die unvorstellbare Wucht der Explosion wurde ein Krater von 25 Kilometern Durchmesser und 700 Metern Tiefe herausgesprengt und die heutige Rieslandschaft geformt. Der Erde wurde hier im Ries eine Sternenwunde geschlagen. Dabei wurden durch die gigantische Kraft des Meteoriteneinschlages ganze Berge auf den Kraterrand und darüber hinaus geschoben und gewaltige Gesteinsblöcke bis zu 80 Kilometer weit geschleudert. Die Kreuthofscholle in der Hohentrüdinger Gemarkung ist so eine fremde Gesteinsmasse, die durch das Riesereignis aufgetragen wurde. Längst hat sich die Kreuthofscholle durch Verwitterung der Umgebung angepasst. Könnten ihre Steine reden, sie müssten die Geschichte von einer furchtbaren Katastrophe erzählen, in der alles Leben in der weiten Umgebung verbrannte. Heute geht der Pflug über manches ortsfremde Gestein in der Hohentrüdinger Gemarkung hinweg. Niemand ahnt mehr etwas von diesem gewaltigen Ereignis vor Millionen von Jahren in unserer Heimat. Wie das Ries, die große Bauernschüssel, wie es ein Dichter genannt hat, entstanden ist, darüber haben sich schon viele kluge Menschen Gedanken gemacht. Doch erst die Atombombenversuche der modernen Zeit haben Klarheit gebracht: Das Ries ist durch einen Meteoriteneinschlag entstanden.

Kreuz, beim Kreuz, Kreuzbücklein, Kreuzacker Pl. Nr. 342-346
Als Kreuzbücklein wurde die höchste Stelle der Hohentrüdinger Gemarkung über der oberen Breitung an dem alten Weg nach Hechlingen bekannt. Hans Degersheimer besaß dort im Jahre 1535 ein Viertel und 18 Ruten Acker "beim Kreuz" Das Kreuz fand in der Flurnamengebung in fast allen Gemarkungen reichlich Verwendung. Lag ein Acker an einem Kreuzweg, so konnte aus Kreuzwegacker die verkürzte Form Kreuzacker entstehen. In vielen Fluren aber war ein zum Gedenken an einen Unfall eines Menschen errichtetes Kreuz die Ursache für die Benennung. Ein steinernes Sühnekreuz hatte im ausgehenden Mittelalter derjenige errichten zu lassen, der einen anderen im Streit totschlug. Der Totschlag galt damals nicht als Mord, weil er nicht vorsätzlich geschah. Er konnte im Sühnevertrag durch Ersatzleistung von Geld, durch eine Wallfahrt an einen heiligen Ort und durch Setzen eines steinernen Kreuzes am Wege gebüßt werden. Solche Sühnekreuze stehen noch heute als Flurdenkmäler in manchen Gemarkungen des Gunzenhäuser Landes. Im 15. Jahrhundert, in der Spätgotik, im Zeitalter der "Frömmigkeit ohne Grenzen" wurden aber auch zur Verehrung Gottes viele hölzerne Kreuze in die Flur gesetzt, vor allem an Orten mit weiter Fernsicht. Ob der Flurname "beim Kreuz" in Hohentrüdingen an einen Totschlag oder an ein ehemaliges Flurkreuz erinnert, ist nicht mehr zu ergründen.

 
 
 
Fortsetzung