Flurnamen in Hohentrüdingen 
 
 
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  Weed, an der Weed
Fast jedes Dorf brauchte in früheren Zeiten, als es noch keine moderne Wasserversorgung gab, seinen Dorfweiher, der verschiedensten Zwecken zu dienen hatte. Auf dem Hahnenkamm, der ja geologisch zur Juraformation gehört und in trockenen Sommern von Wasserknappheit besonders betroffen war, wurde es deshalb von Anfang an ein dringendes Bedürfnis, einen Dorfweiher, eine Wasserstelle anzulegen. Nicht alle Orte auf der Albhochfläche litten an Wassermangel. Bei der Anlage von Siedlungen hat man schon von Anfang an auf ständig fließende oder stehende Feuchtstellen geachtet. Solche waren auch vereinzelt auf dem Dach der Alblandschaft vorhanden, weil die Verwitterungsrückstände aus höher gelegenen, aber abgetragenen geologischen Schichten tonige oder lehmartige Decken gebildet haben, die das Regenwasser nicht in die Tiefe sickern ließ, sondern es längere Zeit speichern konnte. Auch bei der Anlage der Festung Hohentrüdingen musste vorher die Wasserversorgung erkundet werden. Noch heute ist der kleine Dorfweiher in der südwestlichen Ecke der oberen Dorfumwallung erhalten, heute von Büschen und Bäumen umsäumt. Man hat den Weiher also im Burggraben zwischen zwei Wällen angelegt und auf diese Weise zugleich eine Sumpfstelle gewonnen, die eine Annäherung an die Feste von dieser Seite aus erschwerte. Im Volksmund nennt man diese Wasserstelle Weed. Das Wort ist verwandt mit dem althochdeutschen wat. Die Grundbedeutung geht auf waten zurück. Das heute verklungene Wort Wat, in manchen Gegenden auch Wet oder Wett genannt, bezeichnete eine Stelle im Fluss, die man durchwaten konnte. In Gunzenhausen hieß eine Altmühlfurt die Langwat, die lange Wat, aus der später der Flurname Langweidwasen entstanden ist. Als Weed oder Wöth wird aber auch eine Sumpfstelle bezeichnet. Die Weed in Hohentrüdingen hatte immerhin auch eine Tiefe, dass man sie auch als Pferdeschwemme und Viehtränke benutzen konnte. Außerdem diente sie als Wasservorrat in Brandfällen. Kinder fanden in der Sommerhitze in der Weed eine Badegelegenheit und im Winter auf ihrem Eis einen Tummelplatz, die Gänse und Enten eine Wasserstelle und die Schwalben an ihrem Rande Baumaterial für ihre Nester. Selbst das Gequake der Frösche in lauen Sommernächten gehörte zum dörflichen Erscheinungsbild der Weed. Einen Zufluss hat die Weed nicht, ihr Wasser sickert unsichtbar aus den Tonschichten in ihr Becken. Ihre erste schriftliche Erwähnung fand die Weed im Hohentrüdinger Salbuch vom Jahre 1535. Dort heißt es: Hans Keller gibt von seinem Seldengut, dazu gehört ein Haus, ein Stadel, ein Körblein und Baumgarten, eines Viertel groß, zwischen der gemeinen Weth (Weed) und der Schütt (siehe Schüttgarten).

Weiberwiesen Pl. Nr. 184a
Auf dem Hohentrüdinger Bühl, dicht an der Gemarkungsgrenze zu Westheim hieß einst eine Wiese "Weiberwiese". Kaum jemand erinnert sich noch heute an diesen Flurnamen. Dabei zählt er zu den jüngeren Schichten im Hohentrüdinger Flurnamengut und ist wohl erst im 18. Jahrhundert entstanden. Was hat nun eine Wiese mit den Weibern zu tun? Hieße sie Frauenwiese, so wäre die Deutung klar: "Wiese, die unserer lieben Frau gehört". Dabei darf man nicht an eine beliebige Frau aus der Gesellschaft denken, sondern an die heilige Maria, die Mutter Jesu, die im Mittelalter auch als "unsere liebe Frau" angesprochen wird. 1329 stiften die Erben des verstorbenen Grafen Ulrich von Truhendingen (Grabstein in der Heidenheimer Klosterkirche) eine ewige Frühmesse "in unserer Frau Capellen zu Heydenheim auf Sankt Johannes Evangelisten Altar". Gemeint ist die abgebrochene Marienkapelle an den Klostergebäuden. Die verschwundene Wallfahrtskirche in Mariabrunn bei Heidenheim war ebenfalls der Gottesmutter Maria, unserer lieben Frau geweiht, denn es heißt in einem geschriebenen Buch aus dem Jahre 1448 von einem Fußweg in Hüssingen, "der gen unser lyben frawen gen Mariabrunn" führte. Frauenwiesen, Frauenäcker oder Frauenbühl bezeichnen oft Flurstücke, die zu einer Marienkapelle oder Marienkirche gehörten. Wie aber steht es nun mit unserer Weiberwiese in Hohentrüdingen? Sie erinnert an das mittelhochdeutsche Wort wip, das Weib bedeutet. Die beiden Wörter wurden nicht immer gleichbedeutend verwendet. Heute haftet dem Wort Weib bisweilen ein abwertender Zug an, eine Geringschätzung gegenüber dem vornehmen Begriff Frau. Das war nicht immer so. Zur Zeit, als der Flurname Weiberwiese im Volksmund geläufig wurde, verstand man unter Weib die verheiratete Frau, die Kindern das Leben schenkte. Ein Weib, das ein Kind erwartete, galt als Wöchnerin oder Kindbetterin, die unter der Fürsorge der Familie, ja sogar der ganzen Kirchengemeinde stand. So lesen wir z.B. in einem Akt des Hohentrüdinger Pfarrarchivs die Heiligen- und Weiberwiese betreffend: "Die in 2 Tagwerk bestehende sogenannte Weiberwiese ist eine Lokalstiftung, wovon der Stiftungsbrief an den ehemaligen markgräflichen Rat Ansbach vor mehreren Jahren ein Original eingeschickt werden musste. Der jährliche Pachtertrag dieses Grundstückes wurde sonst ohne allen Abzug jährlich wieder verteilt und zwar in gleichen Teilen, wovon alle Kindbetterinnen des Jahres ohne Ausnahme, der Pfarrer, der Heiligenpfleger und die Ortshebamme partizipierten (beteiligt wurden)". Die Heiligenrechnung von 1710 weist noch eine zweite Weiberwiese auf: 1 Tagwerk Weiberwiese zu Kleinhausen.

Weiherteile, in den Weiherteilen Pl. Nr. 1365-1409, in den Weiherbeeten Pl. Nr. 1323- 1360
Diese Namen sind erst nach 1811 entstanden. Sie weisen darauf hin, daß hier einmal ein größeres Stück Weideland am Weiher gelegen und unter die mit einem Gemeinderecht versehenen Dorfgenossen verteilt wurden. Diese Verteilung von Gemeindeland in kleinste Stücke, Beetlein genannt, trug noch mehr zur Zersplitterung der an sich schon kleinteiligen Flur aus dem Mittelalter bei, wurden aber um 1809 - 1811 als gerecht empfunden. Warum kam es überhaupt zur Aufteilung? Die Weiherteile und Weiherbeete waren Jahrhunderte hindurch Bestandteil des großen Espans, der sich vom Dorf aus rechts und links der Straße nach Heidenheim bis zum Heidenheimer Buck ausdehnte. Auf dem Espan, später Obstanlage genannt, wurde in früheren Zeiten die Rinderherde geweidet. Unter einem gedingten, gemeinen (gemeinsamen) Dorfhirten erfolgte im zeitigen Frühjahr je nach Witterung der Austrieb der Herde. Jeder Dorfgenosse hatte sein Vieh in die Herde einzuschlagen und dem Dorfhirten dafür seinen gebührenden Lohn zu reichen. Die Weide begann im Frühjahr mit der Hut (von hüten) auf den Wiesen. Jeder Bauer hatte diese Vorhut auf seinen Wiesen zu dulden. Spätestens am Walburgitag (1. Mai), benannt nach der Heidenheimer Heiligen Walburga, wurden die Wiesen zur Gewinnung von Heu und Grummet geschlossen. Der Hirte wich nun mit seiner Dorfherde auf die sogenannten ewigen Weidegründe aus. Das waren der Espan, Viehtriebe, Anger, Wasen und Ödungen, die keiner privaten Bewirtschaftung unterlagen, sondern den Dorfherden den Sommer über als Weideland zur Verfügung standen, solange die Wiesen geschlossen waren, das heißt verboten, darauf zu hüten. Ab dem Michaelistag (29. September), als die Wiesen abgeerntet waren, hatten diese wieder der Dorfherde offen zu stehen. Nun erfolgte schon vor 1800 ein enormer Wandel in der süddeutschen Landwirtschaft. Der allgemeine Weidegang der Rinderherde unter einem gemeinsamen Hirten wurde abgeschafft und die Stallfütterung eingeführt. Dies geschah in Hohentrüdingen erst 1796. Das war keine leichte Entscheidung, denn das Futter, das sich das Vieh jahrhundertelang auf der Weide gesucht hatte, musste nun mit dem Schubkarren oder mit dem Wagen in den Stall gebracht werden. In dem bergigen Gelände von Hohentrüdingen bedeutete dies eine zusätzliche Arbeitsbelastung. Doch die Stallfütte-rung setzte sich durch, der Milchertrag steigerte sich. Nun lagen die Hutungen, die ewigen Weidegründe, die Espan und Wasen ungenutzt da. Man beschloss, sie vorsichtig und allmählich unter die Dorfgenossen zu verteilen. Das Königlich-Bayerische Landgericht Heidenheim als Aufsichtsbehörde erteilte der Gemeinde Hohentrüdingen die Genehmigung, einen Teil ihrer Hutwasen und Ödschaften zur Verteilung "zu ziehen". Dem Oettinger Feldmesser Wörlein wurde die Vermessung übertragen. 1809 begann die Arbeit am Faulen Wasen und den Weideflächen an den Weihern (Weiherteile, Langenteile). 1811 folgten Breschlingberg, Rauhgasse und Heidenheimer Buck. 50 Gemeinderechtler konnten sich der neuen Grundstücke erfreuen, die so klein waren, daß sie nur als Beetlein (mundartlich Bettla) bezeichnet werden konnten. Doch in Notzeiten war man um jeden Quadratmeter Boden froh. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Linien der kleinteiligen "Weiherbettlein" im Gelände zu erkennen. Einige wurden in den Hungerjahren nach dem Krieg an Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zum Anbau von Gemüse gegeben. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzte der Sturm der Flurbereinigung mit voller Wucht ein, bedingt durch die Technisierung in der Landwirtschaft. Auf solch kleinen Grundstücken konnte nicht mit Maschinen gearbeitet werden. Heute sind die Bettlein in großen Grundstücken aufgegangen. Nichts erinnert mehr an die Zeiten der ewigen Weidegründe in der Gemarkung Hohentrüdingen.

Wirtswiesen Pl. Nr. 235-239
Der Name ist in alten geschriebenen Büchern und Akten nicht zu finden. Die Wiesen gehörten im vorherigen Jahrhundert zeitweise einem Gastwirt, der im Volksmund einfach nach seinem Beruf als Wirt bezeichnet wurde. Es handelt sich hierbei also nicht um den Familiennamen Wirth, der in Hohentrüdingen einmal gebräuchlich war und noch heute lebendig ist, sondern um einen Gastwirt aus Westheim, der eine Zeit lang Besitzer der Wiesen war.

Wolfsgrube, bei der Wolfsgrube
Dass im hohen Mittelalter (11. u. 12. Jahrhundert), als unser Dorf im Anschluss an die Errichtung der Adelsburg der Edlen von Truhendingen entstand, noch Wölfe unsere Hahnenkammwälder durchstreiften, darf angenommen werden. Sie jagten in Rudeln durch die Gegend und fielen überraschend in die Schafherden ein. Der Schrecken vor den Wölfen unter den Hirten und Herden, aber auch unter den Menschen im Dorfe verbreitete sich rasch. Um der Tiere habhaft werden zu können, errichtete man Fanggruben, überdeckte sie mit Reißig und lockte sie durch ein verendetes Lamm an. In der Grube konnten die schnellen Wildtiere durch Spieße getötet werden. In der Hohentrüdinger Gemarkung waren zwei Wolfsgruben angelegt; die eine im Römergrund an dem Fußweg nach Hechlingen vor dem großen Wald. Sie ist den alten Leuten noch unter der Flurbezeichnung "bei der Wolfsgrieb" (Wolfsgrube) bekannt. Die andere war in der Nähe der alten, unter Naturschutz stehenden Föhre am Weg nach Hüssingen angelegt. Ihr Vorhandensein geht aus einem alten Lucken-, Trieb- und Hutbrief aus dem Jahre 1671 hervor. Dort heißt es: "Ein Trieblucken bei der Wolfsgruben in Martin Oberhausers Sandacker bei des Heybauern Holz (Heuhofbauer)". Die Erinnerung an diese zweite Wolfsgrube am Sandweg hat im Flurnamengut keinen Niederschlag gefunden. Der Name ist verklungen. Für Hohentrüdingen bestand erhöhte Wolfsgefahr, weil die Gemarkung rings von Wäldern umgeben ist und auch innerhalb der Flur noch Waldstücke bis ins 15. Jahrhundert vorhanden waren. Eine Vertiefung im Boden ist nicht mehr zu erkennen. Auch ist unbekannt, ob jemals in diesen Gruben ein Wolf gefangen wurde.

Wurmberg Pl. Nr. 269-283
Die Flurabteilung Wurmberg umfasst viele Äcker und Waldstücke, die im Süden der Gemarkung sich in die Weite dehnen und als Steilhang zum Staatswald Eichich und zur "Ehbrust" hin abfallen. Wenn wir heutzutage von einem Wurm sprechen, so denken wir ganz speziell an einen Regenwurm. Die Menschen vor Jahrhunderten verstanden unter einem Wurm etwas, was sich dreht, windet und biegt. Er konnte klein und groß sein. Deshalb bezeichneten unsere Vorfahren eine Blindschleiche, eine Eidechse, eine Schlange und sogar einen Drachen als Wurm; man denke nur an den Lindwurm, den Siegfried besiegte. Nun ist bekannt, daß es in feuchten Waldungen auch Ringelnattern und Kreuzottern gab. Nicht alle konnten die Giftschlange Kreuzotter von der harmlosen Ringelnatter unterscheiden. Daher waren sie beide gefürchtet wie alles kriechende Gewürm. Hinzu kam noch die Vorstellung aus der Bibel, die Schlange im Paradies sei der Teufel gewesen. Vielleicht hat man in dem Waldstück, das heute den Namen Wurmberg trägt, einmal eine Schlange (Wurm) gesichtet. Die Kunde von ihr verbreitete sich rasch im Dorf unter Erwachsenen und Kindern und die löste erhebliche Ängste aus. Diese fanden dann im Flurnamengut ihren Niederschlag. Seit dieser Zeit wurde der Berg, an dem sich die Würmer (sprich Schlangen) aufhielten, Wurmberg genannt. In diese Namengruppe gehören auch die Ortsnamen Ober- und Unterwurmbach, genannt nach einem Bach, der vom Hahnenkamm herunterfließt durch Gnotzheim und Wurmbach und an dem sich Würmer (Ringelnattern)aufhielten. Der Name Wurm für Kriechtiere mancher Art war also hier bekannt.

 
 
 
Fortsetzung