Flurnamen in Hohentrüdingen 
 
 
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  Zeckenholz, Zeckenbuck Pl. Nr. 1136-1142
Dass ein Holz nach so kleinen Wesen wie die Zecken benannt wurde, scheint merkwürdig. Man hatte wohl schon in früheren Jahrhunderten Angst vor diesen Blutsaugern, die Menschen, Schafe, Hunde und andere Haustiere befallen. Die Menschen des Mittelalters waren gewohnt, mit dem lästigen Ungeziefer wie Läuse, Flöhen, Wanzen und Mücken zu leben. Die Gefährlichkeit der Zecken war ihnen aber wohl kaum so bewusst wie den Menschen unserer Tage. Dass es im Zeckenholz zwischen dem Heidenheimer Buck und dem Burglehlein mehr Zecken gegeben habe als anderswo im Wald, geht wohl auf die Beobachtung und Erfahrung, vielleicht auch auf die Einbildung eines Einzelnen zurück, der das Holz so benannte. Seine Vorstellung hat sich auf seine Nachbarn übertragen und so bürgerte sich der Name im mündlichen Sprachgebrauch allmählich ein. Der Name findet sich in den Quellen des 14., 15. und 16. Jahrhunderts nicht.

Zeil, hinter dem Zeil, in der oberen Zeil, (Pl. Nr. 304-320) und unteren Zeil (Pl. Nr. 286-296)
Das Salbuch von 1535 kennt dafür nur eine Bezeichnung: hinter dem Zeil, auch hinter der Zeil. Zeil, so hießen einst die vielen kleinen Äcker südlich des Oberdorfes hinter dem Buck (Schlosswall). Die obere Zeil ist heute größtenteils Siedlungsgebiet geworden. Der Name ist alt und findet sich schon in der Teilungsurkunde des Jahres 1329. Da heißt es: Der recht weg von Hechling zer Luche (Lücke im Wall bei der Weed) in durch den Zile (hindurch den Zile). Bei dem modernen weiblichen Wort die Zeile könnte man an eine Reihe, an eine Linie denken, wenn man etwa im Garten die Bäume in einer Reihe pflanzt oder im Gemüsegarten die Bohnen in einer Richtung steckt. Mit diesem modernen Wort Zeile im Sinne von Reihe, Richtung scheint aber die Flurbezeichnung "hinter dem Zile" nichts Gemeinsames zu haben. Es gibt nämlich ein mittelhochdeutsches männliches und sächliches Wort "der oder das Zil" und bedeutet "Dornbusch, Hecke". Das Zilach ist ein Dornengestrüpp. Unter dem Zil (heute Zeil) haben wir uns also ein Gelände vorzustellen, das noch um 1329 mit Dornen bewachsen war. Die Frage erhebt sich nun: Warum hat man die so dorfnahe Zeil vor 1329 nicht als Ackerland genutzt, sondern den Dornen überlassen? Der eine Grund mag wohl darin beruhen, dass die Böden in der Zeil sehr steinigen Untergrund haben. Es wurden dort noch nach dem Zweiten Weltkrieg Steine zum Haus- und Stadelbau gebrochen. Ein Mann aus dem Dorfe ist nach dem Ersten Weltkrieg in einem Steinbruch tödlich verunglückt. Beim Wasserleitungsbau 1949/50, als noch alles von Hand gegraben werden musste, stieß man in der der Zeil benachbarten Gegend im Dorfe auf sehr hartes Gestein, so dass gesprengt werden musste. Die Ackerböden in der Zeil sind aus harten, schwer verwitternden Gesteinsschichten des oberen Braunjura entstanden. Die Äcker sind teilweise mit Steinscherben übersät, Funde von großen sogenannten Teufelsfingern (Belemniten) und allerlei Muscheln sind nicht selten. Kein Wunder, dass man trotz der dorfnahen Lage der Zeil diese steinigen Böden zunächst den Dornen überließ. Womöglich steckte auch die Absicht dahinter, vor dem Dorfwall und dem Graben eine Dornenzone zu schaffen, die eine Annäherung feindlicher Reiter an den Wall verhindern sollte. Schon vor 1535 hat man wohl diesen Dornenbereich gerodet und das bisher ungenutzte Dornengestrüpp verteilt und zur Rodung freigegeben und in Ackerland verwandelt. Die zahlreichen gleich großen Feldstücke im alten Flurplan deuten auf eine derartige Aufteilung hin.

Zoller, Zolleracker Pl. Nr. 1428-1443; Zollergarten Pl. Nr. 1501-1502
1535: Der Bauer Martin Brunner besitzt 3 Morgen (Acker) im Zoller, Anstößer ein Gemeinespan.
1671: Ein Trieb von der Plankensteinischen Zoller auf den Breschlingberg hinaus bis an die alte Klinge.
Die Flurbezeichnung Zoller, Zolleracker, Zollergarten, (Zollners Loh in Heidenheim) stehen mit dem alten Zollwesen in Verbindung. Das Recht, Zoll zu erheben, stand ursprünglich nur dem König zu. Doch ging im Laufe des Mittelalters die Zollhoheit auf die Landesfürsten über. Man unterscheidet Markt-, Durchfuhr- und Wegzoll. In Heidenheim z.B. erhob das Kloster an den 10 Markttagen im Jahr den Marktzoll. Das war eine Abgabe vom Warenaustausch. Dazu stellte der Abt einen Zöllner an. Ein altes Buch berichtet darüber: Es (das Kloster) hat auch die Recht, daß es hie (hier in Heidenheim) soll haben seien eigenen geschworenen Zollner in dem Markt, der ihm seine Zöll hie einnimmt von allen Käufen. Wer auf diesen Märkten etwas verkaufen wollte, musste beim Zollner das Standgeld lösen. Der Zollner hatte aber auch noch die Aufgabe für die Sauberkeit des Marktplatzes zu sorgen. Er besaß die Macht, den Leuten zu befehlen, dass sie ihren Mist vor den Markttagen wegräumten "daß der Mist ohn Schaden liege". Für seine Tätigkeit als Marktzöllner bekam er ein Hölzlein, genannt des Zöllners Loh, und Äcker und Wiesen, die ihm das Kloster mitbebaute. Unser Hohentrüdinger Zolleracker diente wohl keinem Marktzöllner als Entlohnung, denn es ist nicht bekannt, dass in Hohentrüdingen einmal Märkte abgehalten wurden. Dazu lagen die Marktorte Heidenheim, Gnotzheim und Oettingen günstiger und in erreichbarer Entfernung. Nicht auszuschließen ist aber der Gedanke, dass in Hohentrüdingen ein Geleitzoll von den Grafen von Truhendingen und ihren Nachfolgern erhoben wurde. Nach dem Hohentrüdinger Salbuch von 1535 haben die Fürsten von Brandenburg, die Nachfolger der Truhendinger Grafen, von Hohentrüdingen das Geleite nach Weißenburg, nach Wemding nach Gunzenhausen bis an das Tor und nach Oettingen bis auf die Wegscheid nach Hainsfarth. Da die Straßen dazumal unsicher waren und Straßenräuber den Reisenden auflauerten, forderten manche einen Geleitschutz an, der vom Oberamt Hohentrüdingen gestellt werden musste. Für das Geleite hatten die Reisenden einen Geleitzoll zu entrichten. Der Zolleracker in Hohentrüdingen stand wohl zusätzlich dem Geleitsmann zur Nutzung zur Verfügung, daher Zoller genannt. Zeitweise scheinen Zolleracker und Zollergarten auch von Privatleuten genutzt worden zu sein z.B. von dem Oberamtmann Kaspar von Blankenstein, daher Blankensteinischer Zolleracker genannt.

Zoller, am Zoller Pl.-Nr. 1428 - 1443
Der Zoller liegt am ehemaligen Espan (später Obstanlage genannt) und zwar an der einstigen Geleitstraße, die von Oettingen über Roßmeiersdorf herauf durch den Sand nach Heidenheim und Weißenburg führte. Auf dieser Straße hatten einst die Edlen von Truhendingen und nach deren Aussterben im 14. Jahrhundert die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach das Geleitrecht inne. Ein Kaufmann, der mit einer kostbaren Fracht diese Geleitstraße ziehen wollte, konnte sich zu seiner Sicherheit einen bewaffneten Geleitsmann vom Oberamt zu Hohentrüdingen erbeten oder einen Geleitbrief ausstellen lassen, damit er im Falle eines Straßenraubes des Schutzes sicher sein konnte. Es scheint, dass auch in ältester Zeit in Hohentrüdingen auf dieser Straße Durchgangszoll erhoben wurde. Womöglich war der Zöllner zugleich Geleitsmann. Der Zöllner, der den Straßenzoll einzuheben hatte, wurde für seine Tätigkeit mit einem Acker entschädigt, der den Namen Zoller erhielt. Geleite und Zolleinnehmen sind längst erloschen, der Name Zoller ist geblieben. 1535 wird der Zoller schon erwähnt.

Zwerchacker Pl. Nr. 370-375
Mit den Zwergen, jenen sagenhaften Gestalten, die in der Volksvorstellung gerne in Höhlen und Wäldern hausten und in früheren Zeiten die Märchenbücher füllten, haben die Zwerchäcker nichts zu tun. Vielmehr war hier bei der Namengebung die Querrichtung zu den Hoffeldäckern das beherrschende Merkmal. Das mittelhochdeutsche Wort twerch bedeutet "auf die Seite gerichtet, verkehrt, schräg, quer". Der Zwerchacker ist also ein Feldstück, das "überzwerch" zu den Nachbargrundstücken liegt. In den alten Schriften des 15. und 16. Jahrhunderts ist der Name nicht zu finden. Erst 1671 heißt es in einem Lucken-, Trieb- und Hutbrief: Vom Dorf aus ein Fußsteig in die Zeil neben Christian Auringers in des Bauern Wurmberg und von Wurmberg ein Gangsteig über den Zwerchacker in die Ehbrust.
 
 
 
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