Heidenheim von A - Z 
 
 Der Siedelhof des Klosters 
 
  Plan des Siedelhofes rot
So wurde um 1400 und noch 1682 jener weite Raum um die heutige Klosterkirche bezeichnet, der durch die jetzige Ringstraße vom Marktplatz bis zur Metzgerei Wörlein, von dort die Stelzengasse entlang bis zur Pfarrgasse und von dieser im Süden bis zum Marktplatz umschlossen wird. (Siehe Skizze). Er bildet noch heute den Kern der Ortschaft Heidenheim. Der so genannte "Neue Weg, der jetzt von der Sparkasse, an der Verwaltungsgemeinschaft, an der Kirche und am Dekanat vorbei zum Marktplatz führt, bestand im Mittelalter noch nicht. Der Siedelhof - so nannte man vor Jahrhunderten diesen Bereich - blieb ein rechtlich geschlossener Bezirk um die Klosterkirche, im Volksmund daher noch lange "im Kloster" genannt, selbst als dieses längst nicht mehr bestand. Der Name Siedelhof, der heute in Heidenheim nicht mehr gebräuchlich ist, wird auf das mittelhochdeutsche Tätigkeitswort sidelen zurückgeführt, das "einen Sitz anweisen, ansiedeln, ansässig machen" bedeutet. Der Siedelhof war demnach jener Hof, auf dem das Kloster im 8. Jahrhundert angesiedelt wurde. Darunter müssen wir uns einen Adelshof, einen großräumigen Herrenhof vorstellen, dessen ursprünglichen Eigentümer wir nicht kennen. Dass Heido, der Namengeber von Heidenheim, Vorbesitzer des Siedelhofes gewesen sein könnte, kann nur vermutet werden. Die Nonne Hugeburg, die Blutsverwandte der heiligen Walburgis und des heiligen Wunibald, die dessen Leben beschrieb, drückt sich darüber nur sehr allgemein aus: "Und unverzüglich kaufte alsdann der auserlesene Streiter des gütigen Gottes (Wunibald) mit Zustimmung und Rat des Bischofs (Willibald) jenen Platz, der Heidanheim heißt, zu seinem Eigenbesitz. Und einen anderen Teil des Gebietes schenkten ihm später verschiedene Bewohner der Gegend zum Loskauf ihrer Seelen". Ob für diesen Großhof schon zu Wunibalds Zeiten der althochdeutsche Name sedal = Sitz, Sessel geläufig war, bleibt unbekannt. Jedenfalls wurde auf dem Siedelhof schon Wunibalds Kloster errichtet, denn es liegt für Heidenheim kein archäologischer Hinweis vor, dass Wunibald an anderer Stelle sein Kloster erstehen ließ und dieses dann später an den Ort der heutigen Kirche verlegt wurde, wie das bei anderen Klostergründungen bisweilen geschah. Der Siedelhof war um 1400 mit einem Etter, einen Grenzzaun, umgeben, denn im Salbuch steht geschrieben: "Auch hat das Gottshaus (Kloster) hie die Recht, wer in den Toren und Ettern des Gottshaus` Siedelhof sitzet und wohnt, derselb sitzet frei, also dass er mit der Herrschaft (weltlichen Herrschaft) und mit dem Markt gar nichts zu schicken (schaffen ) hat" (1).

Asylrecht des Siedelhofes
"Item das Gottshaus (Kloster) hier hat auch die Würdigkeit (Auszeichnung) und Recht, dass es von Anfang und Alter von Päpsten, Kaisern und Königen gefreit ist. Also wer mit seinem Leib oder Gut her in des Gottshaus Tor und Ettern fleucht und kummt, dass des selben Leib und Gut sicher und frei soll sein vor jedermann. Also dass keiner Herrschaft Gewalt noch Gericht, noch jemand Vierfälligen (der Schuld Verfallenen) nit soll nachfolgen noch beschädigen in keiner Weis`. Und wer des gar freventlich überführ (übertrete), der würde das gar schwerlich bessern" (2). Der Siedelhof des Klosters Heidenheim war also ein gefreiter Raum zwischen der heutigen Ringstraße und der Stelzengasse, im Volksmund später "im Kloster" genannt. Von Alters her bot die Kirche den Verfolgten Schutz vor den Häschern. Hatte z.B. ein Mensch einen andern im Streit, sei es im Wirtshaus oder auf dem Feld, in einer Gefühlsaufwallung, "im unbedachten Mut", getötet, so konnte dazumal nicht die Polizei gerufen werden. Es gab keinen Staat im modernen Sinne mit seinen Strafvollzugsorganen. Das legitime Gewaltmonopol des Staates fehlte noch in dieser frühen Zeit. Daher spielten Selbstverteidigung und Blutrache noch eine besondere Rolle. Der Schutz eines Menschen, den heutzutage der Staat durch seine Polizei ausübt, oblag im frühen und hohen Mittelalter der Familie und der Sippe. Die Zugehörigkeit zu einer Sippe gewährte in dieser Zeit ein Mindestmaß an Sicherheit. Nun bestand allerdings damals bei einem Totschlag die Möglichkeit, durch Zahlung eines Bußgeldes die in ihrer Ehre gekränkte Sippe zu versöhnen. Bis Sühneverhandlungen eingeleitet werden konnten, hatte der Totschläger Gelegenheit, gefreite Plätze aufzusuchen, an denen er vor der Blutrache der Verfolger sicher war. Der Siedelhof des Klosters Heidenheim war mit einem Asylrecht versehen. Der der Schuld Verfallene konnte "in die Tore und Ettern" des Siedelhofes fliehen, bis zwischen den Sippen des Getöteten und des Totschlägers ein Sühnevertrag zustande kam. In der Regel hatte die Familie des Totschlägers als Sühne eine erhebliche Summe Geld zu zahlen und ein Sühnekreuz zu setzen. Der Totschläger wurde oft zu einer Wallfahrt verpflichtet, von der er bisweilen gar nicht mehr zurückkam. Der Siedelhof des Klosters Heidenheim war also so ein Asyl für in Schuld geratenen Menschen. Allerdings für Leute, die von Geldschulden wegen sich in die Sicherheit des Siedelhofes mit ihrer Habe flüchten wollten, dafür hatte der Abt kein Verständnis; sie konnten keine Aufnahme finden. In Heidenheim bestand also im Mittelalter ein eigener Friedens- und Rechtsbereich, eine Art Freiung, deren Grenzen sich mit denen des Siedelhofes deckten. Umgrenzt war dieser wohl mit einer Hecke oder mit einem Zaun. Man nannte diese Umgrenzung Etter. Spuren, die darauf schließen lassen, dass der Siedelhof ummauert war, haben sich nicht finden lassen. Die Ummauerung hätte einen weiten Bereich erfassen müssen, ihre Errichtung und Unterhaltung hätte zu viel Aufwand erfordert. Doch wäre zu erwägen, ob diese Umgrenzung des Siedelhofes nicht durch einen gewundenen Zaun aus Ruten und Stangen erfolgte. Innerhalb des Siedelhofes war ja auch der Bauhof des Klosters untergebracht mit Vieh- und Pferdeställen. Das Vieh brauchte dazumal einen Auslauf und so müssen wir uns die Fläche des Siedelhofes mit einer Grasnarbe bewachsen vorstellen, auf der Pferde und Kühe weiden konnten. Das Asylrecht des Klosters Heidenheim hatte wohl seine Wirkung verloren, als dieses um 1537 der Reformation weichen musste und ein weltliches Klosterverwalteramt an seine Stelle trat. Schon Markgraf Kasimir befahl dem Abt auf eine Anfrage: "Die Freiheit (des Siedelhofes) betreffend, gesteh man, dass die in den vier Toren frei sitzen, aber jemand, der hineinfleucht, zu halten, das wird nit gestanden, es gescheh denn mit Wissen und Willen der Amtleut und Obrigkeit".

Der Bauhof
Weil innerhalb des Siedelhofes auch die Gebäude zum Feldbau untergebracht waren, nannte man ihn auch Bauhof. Wunibald war ja kein Einsiedler orientalischer Art, der in der Wildnis hauste und von Heuschrecken und wildem Honig lebte. Als Edelmann angelsächsischer Herkunft stand ihm von Anfang an eine unfreie Dienerschaft zur Seite, die für das wirtschaftliche Wohl seiner Klostergründung sorgte. Die Nonne Hugeburg berichtet ja, dass Wunibald jenen Platz, der Heidenheim heißt, zu seinem Eigenbesitz kaufte und dass einen anderen Teil dieser Gegend ihm verschiedene Bewohner zum Loskauf ihrer Seele schenkten. Wenn dieser Grundbesitz des Klosters auch erst später in den Quellen näher bezeichnet wird, so dürfen wir doch annehmen, dass Wunibald mit Hilfe eines einheimischen Adeligen und mit der Unterstützung seines Bruders Willibald, der beste Beziehungen zum heimischen Adel pflegte, in Heidenheim einen Großhof erwarb, an dem schon eine gewisse Zahl von behausten und unbehausten Unfreien arbeitete. Sie gingen mit dem Hof an den neuen geistlichen Herrn über. So war es Recht, dass die Untertanen mit dem Hofe verschenkt oder verkauft wurden und niemand rüttelte an dieser Gewohnheit. Wir kennen leider nicht den weltlichen Herrn, der den Grund und Boden für das Kloster stiftete. Vielleicht war es ein Nachkomme jenes Heido, nach dem Heidenheim seinen Namen erhielt. Natürlich könnte auch der König selbst diese Schenkung befürwortet haben, denn der Raum um Heidenheim war stark mit Königsgut durchsetzt.
Ins helle Licht der Geschichte rückt freilich der Besitz des Klosters erst um 1400. Unwillkürlich richtet sich der Blick auf einen alten Wirtschaftshof, der in unmittelbarer Nähe der heute noch erhaltenen Klosterkirche eingerichtet war, um die tägliche Versorgung der Klosterinsassen, der Laien wie der Mönche, sicherzustellen. In alten Schriften wird er als Bauhof bezeichnet. In dem Namen steckt das alte Wort bauen, das aber nicht an den Hausbau, sondern an den Feldbau erinnert. Alles, was im Bauhof erwirtschaftet wurde, floss unmittelbar in das Kloster. Es herrschte also Eigenbauwirtschaft, ähnlich wie bei einem modernen Gutsbetrieb. An ständigen Arbeitskräften waren um 1400 verpflichtet: Als Oberaufseher ein Baumeister, der für die Wirtschaftsführung des Hofes verantwortlich war. Für die schweren Arbeiten hatte man 4 Bauknechte jährlich gedingt. Vorwiegend für die damals lange dauernden Pflugarbeiten sorgten die so genannten Menknechte, die auch für die anfallenden Fuhren in die Nähe und in die Ferne verantwortlich waren. Die Arbeiten im Klosterstadel unterstanden dem Stadelmeister. Im Kuhhod (Stall) wirkten eine Milchfrau und zwei Dirnen (Mägde).
Ein Hirte weidete die Klosterkühe, ein Fulknabe die jungen Fohlen, ein Halmhacker sorgte für das Futter, ein Gärtner und seine Frau betreuten den Klostergarten. Schmiede und Wagner aus dem Markt wurden zeitweise zu Arbeiten im Bauhof verpflichtet In Zeiten großen Arbeitsanfalls zur Mahd und Ernte wurden Mahder, Schnitter, Bandmacher und Wasserträger aus dem Markt gedingt. Ein Schweinehirte betreute die Schweine. Das Kloster war also ein bedeutender Arbeitgeber im Markt Heidenheim. Das zum Bauhof gehörige Land von ungefähr 500 Joch an Äckern und 150 Tagwerk Wiesen lag über die gesamte Heidenheimer Gemarkung verstreut. Der Bauhof wurde noch lange Zeit nach der Auflösung des Klosters bewirtschaftet. Erst die schlimmen Jahre des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) beendeten den Wirtschaftsbetrieb im Kloster. Die einst zum Bauhof gehörigen Gebäude sind heute alle verschwunden. Sie waren nur wie die meisten Bauten im Mittelalter in Holz-Lehmbauweise erstellt und daher leicht vergänglich. Die Klostermühle hat sich als einziges Zubehör zum Bauhof in die Gegenwart herübergerettet. Die zum Bauhof gehörigen Scheunen und Ställe sind etwa an jener Stelle zu vermuten, wo heute das Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft steht. Westlich davon erstreckten sich die Klostergärten bis zur Stelzengasse. Auch die Klostermühle dürfte noch auf der Stelle der ehemaligen Mühle des Siedelhofes stehen, in der schon unmittelbar nach dem Tode Wunibalds sich das Mehlwunder ereignete. Der nahe gelegene Klosterweiher speiste die Mühle mit Wasser, wurde als Löschweiher und Viehtränke benützt.
Um die besondere Bedeutung des Siedelhofes zu verstehen, ist es notwendig, auf seine ihm eigenen Rechte und Freiheiten einzugehen. Das Kloster Heidenheim war im Mittelalter mit einem Asylrecht ausgestattet. Ein bestimmter Bereich um die Kirche, so groß wie der Siedelhof selbst, galt als Freiung, über deren Grenze kein weltlicher Richter einen Übeltäter folgen durfte. Der Siedelhof unterstand also nur dem Abt des Klosters als obersten Richter. Wer in den Siedelhof flüchtete, konnte mit dem Schutz der Kirche rechnen und vor der Blutrache sicher sein. Der Bereich dieses mit einer Hecke oder mit einem Zaun umgebenen Siedelhofes war begrenzt durch die Stelzengasse im Westen, die heutige Ringstraße im Osten, den Marktplatz und die Pfarrgasse. Dieser ziemlich weit gedehnte Bereich umschloss also nicht nur die Klosterkirche mit den Konventgebäuden, sondern auch alle Wirtschaftsgebäude, den Marktplatz und den großen Klostergarten.
Unter den Knechten, die für die Bewirtschaftung des Großhofes verpflichtet waren, nahm der Baumeister eine besondere Stellung ein. Wir dürfen ihn heutzutage wohl als Gutsverwalter bezeichnen. Sein Wirken erstreckte sich auf die Beaufsichtigung der Feldarbeiten und der inneren Ordnung im Hofe. Man nannte ihn so, weil er vor allem das Anbauen der Felder zu überwachen hatte und nicht etwa die Arbeit eines modernen Baumeisters wie z.B. die Erstellung von Gebäuden verrichtete Die Arbeit für den Baumeister riss das ganze Jahr über nicht ab. Da galt es die ihm unterstellten Bauknechte mit ihren Ochsengespannen einzusetzen, zur Saatzeit -"zum Bauen" wie man im Hahnenkamm heute noch sagt - im Herbste und Frühjahr das Winter- und Sommerfeld zu pflügen, im Juni (Brachmonat) das Brachfeld umzubrechen, zur Erntezeit die Feldfrüchte heimzuführen, im Winter die Holz- und Kohlenfuhren anzuordnen, das Sommerfeld zum Schutze gegen die Herden zu verzäunen, den Hafer vom Unkraut freizuhalten, das Kraut und die Rüben im Krautgarten zu pflanzen und zu hacken. Der Baumeister musste wohl die wichtigsten Heiligentage und die dazugehörigen Bauernregeln kennen, damit der Jahresablauf der Arbeiten nicht aus der Ordnung geriet. Zur Zeit der Heuernte galt es für den Baumeister die Mäher zu dingen, zur Zeit der Getreideernte die Felder zu prüfen und die Schnitter zu bestellen, die Sammler, Bandmacher, Binder und Wasserholer einzuteilen. Solange die Feldarbeit auf dem Hof währte, war der Baumeister von morgens bis abends tätig. Selbst im Spätherbst beaufsichtigte er noch die langwierige Drescharbeit. Der Baumeister war also die wichtigste Stütze des Abtes unter den Laien des Klosters.
Doch war er keineswegs ständig an den Hof gebunden, fühlte er sich doch auch für die Instandsetzung und Neubeschaffung der Arbeitsgeräte verantwortlich. Zwar wurde viel davon auf dem Hofe und im Markt Heidenheim von den Handwerkern hergestellt, aber um 1400 bezog das Kloster feinere Erzeugnisse aus den benachbarten Städten Weißenburg, Nördlingen, Oettingen, Dinkelsbühl und Nürnberg. Auch Gunzenhausen und Wassertrüdingen unterhielten Wirtschaftsbeziehungen zum Kloster Heidenheim. So treffen wir den Baumeister häufig auf Fahrten in die Städte, wo zugleich Geschäfte mit Getreide, dem Reichtum des Klosters, getätigt wurden. Der Baumeister kehrte dann mit Wagenseilen, Strängen für die Pferde und Ochsen oder mit Eisenschienen für die Klosterschmiede zurück. Der Baumeister war auch ein vertrauensvoller Haushalter des Abtes auf dem Siedelhof.
Dem Baumeister waren die Bauknechte unterstellt, die ein Ochsengespann zu führen hatten. Ochsen wurden zu jener Zeit vorwiegend zum Pflügen eingespannt. Pferde dagegen brauchte man zu Überlandritten und Fahrten für entferntere Ziele. Für einen derartigen Großhof und für die Herren im Kloster gab es sehr viel zu fahren. Neben den Pflugarbeiten, Ernte-, Holz- und Kohlenfuhren nahmen vor allem die mehrere Tage dauernden Weinfuhren viel Zeit in Anspruch. Wein war um 1400 das am meisten gefragte Getränk. Wein wurde öffentlich an den Markttagen in Heidenheim geschenkt, auch an den Zusammenkünften des Abtes mit seinen Meierbauern und Hübnern. Herrschaft und Gemeinschaft im Mittelalter beruhten ja auf persönlichen Beziehungen und so kam man alljährlich öfters zusammen, um Führung und Gefolgschaft zu betonen. Wein wurde auch als Entlohnung für die Knechte und Handwerker des Klosters gereicht. Der Bedarf an diesem köstlichen Getränk war verhältnismäßig groß. Deshalb schickte man von Zeit zu Zeit einen Wagen mit Fässern nach Franken, in die Gegend von Kitzingen, nach Rothenburg und auch nach Waiblingen bei Stuttgart. In Grunbach im Remstal besaß das Kloster eigene Weinberge.
Dagegen scheint der Verbrauch an Bier um 1400 noch gering gewesen zu sein. Als Belohnung wurde z.B. dem Torwart des Klosters alle zwei Tage ein Seitlein verabreicht, in der Fastenzeit erhielt er es jeden Tag. Eine eigene Brauerei bestand um 1400 im Markt Heidenheim noch nicht, das Kloster bezog sein Bier aus Weißenburg.
Mancherlei wirtschaftliche Verbindungen knüpfte das Kloster mit der umliegenden Landschaft an. Die Pferdeknechte des Abtes fuhren nach Gunzenhausen, um bei den Metzgern Unschlitt und Schweineschmalz, beim Seiler Glockenseile, Stricke und Leinöl zu holen. Auf der Nördlinger Messe, eine der bedeutendsten in Oberdeutschland, kaufte man Wachs, Seile, Leder und Tuch, ferner Bücher für den Gottesdienst und Papier zum Aufschreiben der Rechnungen. In Weißenburg holten die Fuhrleute des Klosters allerlei Eisen und Meißel groß und klein, in Dietfurt beim Hafner drei Könige und ein Marienbild aus Ton, in Wassertrüdingen Gollichter. Die feineren Dinge musste man jedoch aus Nürnberg beziehen. Auf dem Weg nach Nürnberg waren die Fuhrwerke mit Kern (enthülster Dinkel) beladen, der bei den Bäckern der Stadt verkauft wurde. Auf dem Heimweg waren sie mit Werkschienen und Radschienen für die heimischen Schmiede und mit Schaufeln, Radeisen und Bundnägeln bepackt. Dazwischen lagen Säcke mit zinnernen Tellern, Bratpfannen und Häfen. Zur Fastenzeit brachten die heimkehrenden Wagen aus Nürnberg Fässer mit Heringen, Lachs, Stockfisch, Feigen, Venediger Mandeln, Rosinen, Weinbeeren, Reis und Pfeffer mit. Die Fuhrleute des Klosters kamen weit herum und lernten Land und Leute gründlich kennen.
Zu jedem bäuerlichen Großhof, auch zum klösterlichen Siedelhof, gehörte im Mittelalter ein wenn auch geringer Viehbestand. Das Kloster hatte zur Betreuung seiner Rinder- und Schweineherden den Kuhhof errichtet. Zwei Kuhmägde besorgten das Melken und Reinigen der Ställe. Die Milchfrau kümmerte sich um die Verteilung der Milch. Jedes Jahr dingte der Abt seinen Rinderhirten, seinen Stuter und seinen Säububen. Von besonderer Bedeutung für die Wirtschaft des Klosters war die Schafzucht. Unterhalb des Schafberges (heute Garnison) hatte der Abt einen eigenen Schafhof eingerichtet. Die Schafe fanden auf den trockenen Höhen des Hahnenkamms eine gesunde Weide.
Zum Austausch der Wirtschaftsgüter hatte das Kloster schon in sehr früher Zeit in Heidenheim einen eigenen Markt, der den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Hahnenkammgebietes darstellte. Die Einnahmen aus dem Marktzoll flossen in die Kasse des Klosters, denn der Abt war zugleich der Marktherr in Heidenheim.
 
 
Fortsetzung