Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 
 

Das Edelgeschlecht der Truhendinger, das die mittelalterliche Geschichte des Gunzenhäuser Landes entscheidend prägte, tritt mit den beiden Brüdern Friedrich und Adelbert 1129 zum erstenmal anläßlich der Gründung des Klosters Plankstetten bei Beilngries in der Oberpfalz in das Licht urkundlicher Überlieferung (1). Die Tatsache, daß die beiden Brüder in der Zeugenreihe der Gründungsurkunde unter mehreren Edelfreien an erster Stelle stehen, Läßt darauf schließen, daß sie in der Schar der Vasallen der Eichstätter Kirche einen hervorragenden Rang einnahmen und wohl schon damals Lehen von ihr in Besitz hatten. Dieses plötzliche Auftreten eines freiadeligen Geschlechtes in derart hervorgehobener Stellung im Raum zwischen Wörnitz und Altmühl, benannt nach einem Ort Truhendingen, birgt einen gewissen Über-raschungseffekt in sich und erinnert an das ebenso unvermutete Erscheinen der Oettinger wenig später und deren Grafenwürde unter König Konrad III. im Jahr1147 (2).
Der Herkunftsort Truhendingen, nach dem sich die beiden Brüder 1129 erstmals benannten, haben wir wohl in Altentrüdingen (Landkreis Ansbach) zu suchen, heute ein Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen. Es wird allgemein angenommen, daß das Geschlecht von Anfang an dort eingewurzelt war und in diesem Bereich seinen Stammsitz hatte. Es wäre aber auch denkbar, daß es erst kurze Zeit vor 1129 in dem Ort mit einem besonderen Auftrag Fuß faßte. Die Benennung nach einem Ort Truhendingen wäre dann nicht Ausgangspunkt, sondern nur ein besonderer Meilenstein seiner Entwicklung und Herrschaftsbildung geworden. Sicheren Boden auf der Su-che nach den Grundlagen seiner Machtentfaltung betreten wir erst mit der urkundlichen Erwähnung im Jahr 1129. Der Adelsname "von Truhendingen" ist nun zum festen Ausdruck des Herrschaftsbewußtseins dieses Geschlechts geworden. In der Zeit der salischen Könige griff nach dem Investiturstreit und dem Niedergang der Kö-nigsgewalt allgemein jenes Bewußtsein in den adeligen Familien um sich, durch Bil-dung von Herrschaftsmittelpunkten und den Bau von bewohnbaren Burgen sich eine feste Basis für eine eigenständige Familienherrschaft zu sichern. Die Gewohnheit, sich nunmehr nach Burgen zu benennen, beweist, welche Bedeutung diese als die Mittelpunkte der Adelsherrschaft inzwischen erlangt hatten. Sie ist typisch für eine Zeit, in der sich die führenden Geschlechter bemühten, ihre oft weit zerstreuten Besitzungen und Herrschaftsrechte um Zentren zu konzentrieren. Die Zeit der Raumherrschaft zieht herauf und leitet nach dem Investiturstreit eine neue Epoche der Adelsgeschichte ein. Mit der Benennung nach dem Ort und der Burg Truhendingen gliedert sich nun aus dem bisher unbekannten Einflußbereich dieses Adelsge-schlechtes schon relativ klar seine älteste urkundlich faßbare Herrschaftsposition heraus.
Da nun die beiden Brüder Friedrich und Adelbert 1129 sich nach einem Ort Truhendingen benannten, glaubte die Forschung auch dorthin die Anfänge dieses Edelgeschlechtes verlegen zu müssen. Wir wollen trotz dieses scheinbar klaren und sicheren Ausgangspunktes seiner Herrschaftsentwicklung die Frage stellen: Wie war das wohl in den Jahrzehnten von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1129, in jener Zeit also, da die Anfänge jener Edelfamilie nicht verfolgt werden können, weil sie sich noch nicht nach einem festen Herrschaftsmittelpunkt benannte? Kam dieses Edelgeschlecht der Truhendinger wie ein Komet aus der Nacht oder hatte es schon eine lange, aber unbekannte Geschichte hinter sich? Ist Altentrüdingen seine angestammte Heimat von Anfang an gewesen oder wurde diese Edelfamilie dorthin mit einem besonderen politischen Auftrag von einer übergeordneten Macht verpflanzt? War die Benennung nach Truhendingen Ausgangspunkt oder ein besonderer Mei-lenstein seiner Entwicklung gewesen?
Der Verfasser der Geschichte der Grafen von Truhendingen, Dr. Sebastian Englert, hält Rheinfranken für die Wiege des Geschlechtes. Er glaubt dies aufgrund alter Begüterung in Sulzheim bei Alzey in Hessen, in Cigerenhusun und in Breunigweiler in der ehemaligen Rheinpfalz annehmen zu dürfen (3). Die neuere Forschung betont wieder mehr die längst bekannte, aber nunmehr in einem engeren räumlichen Zusammenhang stehende Verwandtschaft mit dem staufischen Königshaus, dessen älteste Machtposition vor dem Einwurzeln um den Hohenstaufen im Ries und Hes-selberggebiet und damit auch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Besitzlandschaft der Truhendinger lagen (4). Diese von der geschichtlichen Landeskunde Baden- Württemberg weitgehend anerkannte These von der frühen Besitz- und Herrschaftsposition der Staufer im Reis und in seinem Umland läßt nun auch das überraschende Auftreten der Tuhendinger und der Oettinger Grafen in einem anderen Licht erscheinen. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß beide Geschlechter durch ihre Blutsverwandtschaft mit den frühen Staufern in die weiträumigen territorialen Pläne dieses Königsgeschlechtes in seinem Kernraum zwischen Ostschwaben und Fran-ken an der Straße Ulm - Nürnberg einbezogen wurden. Damit strahlte auch der Glanz des staufischen Königshauses über die beide verwandten Edelgeschlechter und führte sie zu ungeahnter Höhe empor. Diesen Aufstieg des Truhendinger Edelgeschlechtes zwischen Wörnitz und Altmühl und seine territorialen Berührungen und Spannungen mit den dort sich gleichfalls mächtig entfaltenden Oettinger Grafen wollen wir aufgrund mancherlei Beobachtungen nun verfolgen.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
1 Hei. Nr. 327
2 Über die Grafen von Oettingen neuerdings E. Grünenwald, Das älteste Lehenbuch der Graf-schaft Oettingen, Oettingen 1975, und Dieter Kudorfer, Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Heft 8, Nördlingen , S. 64 ff., München 1974.
3 Englert Nr. 3 und Seite 140/141
4 Heinz Bühler, Schwäbische Pfalzgrafen, frühe Staufer und ihre Sippengenossen, in Jahrbuch des historischen Vereins Dillingen 1975, S. 118 bis 155, und Zur Geschichte der frühen Staufer in Hohenstaufen, Göppingen 1977, S. 1 bis 44, und Die Heimat der Staufer ist das Ries
 

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