Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Der Baudenhard 
 
 

Westlich des Mühlbaches bei Altentrüdingen in Richtung Röckingen und Lentersheim, aber auch nach Wassertrüdingen hin erstreckte sich einst ein Waldgebiet, der Baudenhard, 1362 Pütenhart genannt (22). Im frühen Mittelalter um 800 muß er noch weiter nach Süden über die heutige Wassertrüdinger Gemarkung bis in die Wörnitzaue gereicht und mit dem Truhendinger Forst ein zusammenhängendes Waldgebiet bis in das Ries gebildet haben, heute bekannt unter dem Namen Oettinger Forst. Die Altsiedlungen Röckingen, Lentersheim und Altentrüdingen lagen an seinem Rand. Der geologische Untergrund des Baudenhard besteht aus kalkhaltigem Schwarzjuraboden. In einer Zeit, als die innere Zusammensetzung des Waldes noch kaum vom Menschen beeinflußt wurde, muß der Baudenhard vorwiegend Laubwald gewesen sein, während sein südlicher Nachbar jenseits der Wörnitz, der Oettinger Forst, auch auf Keupersand (Burgsandstein) wurzelte und deshalb wohl mit Nadelholz durchmischt war. Laubwald aber eignete sich, wie wir aus zahlreichen Dorf- und Weideordnungen wissen, als Weideland für die Herde. Noch im großen Trockenjahr 1947 trieben die Bauern von Rothenberg bei Döckingen ihre Rinderherden in die Laubwälder des Uhlberges, um sie über die Dürrezeit hinwegzubringen. Der Laubwald warf außerdem im Herbst Eicheln und Bucheckern ab, das sogenannte Geäckerich, das im Mittelalter die Grundlage der Schweinemast bildete. Dieser Laubwald vor der Haustür der drei Altsiedlungen Altentrüdingen, Lentersheim und Röckingen mußte die Bauern zur Waldweide verlocken, die sie so stillschweigend und gewohnheitsmäßig als Nutzung beanspruchten. Nun müssen wir aber annehmen, daß der Baudenhard in der Karolingerzeit um 800 Königsbesitz war, zumindest vom König beansprucht wurde. In einer Zeit, in der noch stark der Wald das Landschaftsbild bestimmte, konnten die Rechte der fränkischen Fiskalverwaltung sich besonders leicht entfalten, da hier südlich des Hesselberglandes noch genügend Waldland vorhanden war, das noch keinen besonderen Herrn gefunden hatte. Die Karolingischen Hausmeier hatten offenbar die Ansprüche auf herrenloses Waldland in Erinnerung gerufen, als sie das Land ostwärts des Rheins erneut in den fränkischen Staatsverband einzuziehen begannen. Trotz des Besitzanspruches des Königs hatten die Bauern ihr Vieh zur Waldweide in den Baudenhard getrieben, gewohnheitsmäßig seit alten Zeiten. Das kommt in dem zweiten Teil des Waldnamens (Bauden) -hard zum Ausdruck. Die Flurnamenforschung ist sich zwar über die Grundbedeutung dieses Wortes Hard noch nicht ganz sicher, doch die Meinung hat viel Anklang gefunden, daß Hard zunächst nicht Wald überhaupt, sondern Weidewald, Gemeinweide für das Dorf oder mehrere Ortschaften bezeichnet (23). Dieser Bedeutung des Waldnamens Hard läßt sich auch im Hesselberg- und Hahnenkammgebiet wohl zustimmen. Die Hard- Flurnamen treten hier häufig auf und finden sich zum Beispiel in Ursheim, Hechlingen und Heidenheim am Rand des großen Bannforstes, der 1053 von Kaiser Heinrich III. an die Eichstätter Domkirche geschenkt wurde und dessen Ostgrenze die Rohrach bildete (24). Man hatte vermutlich in dem Königsforst schon im frühen Mittelalter Weideberechtigungen aufgrund eines Ge-wohnheitsrechtes erworben. Diese Gepflogenheit der fuldischen Grundholden von Altentrüdingen, ihr Vieh in den Baudenhard zu treiben, veranlaßte nun auch die Vögte, die Edlen von Truhendingen, daraus einen Anspruch abzuleiten, in den Königsforst über den Mühlbach nach Westen vorzustoßen und auf dem Kirchenbuck eine erste Burg zu errichten. Der Besitz der Bauern des fuldischen Klosters Solnhofen wurde auf diese Weise nicht geschmälert. Solange die Verwalter des königlichen Forstes keinen Einspruch erhoben, mag das hingegangen sein. Der Baudenhard gelangte jedoch mit der Forstschenkung von 1053 an die Eichstätter Kirche und diese belehnte wohl in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Grafen von Oettingen mit der Vogtei über den Reichenbacher Forst (25). Als die Oettinger vor 1150 gar noch von den Staufern zu Amtsgrafen erhoben wurden, mußten sie in dem Vordringen der Truhendinger über den Mühlbach in den Baudenhard eine Gefahr für ihre eigenen in den Anfängen befindlichen territorialen Interessen erblicken. Die Errichtung einer truhendingischen Burg auf dem von ihnen bevogteten eichstättischen Grund und Boden mußte sie auf den Plan rufen. Aus diesem Grund werden die Oettinger um 1150 an der Wörnitz in aller Eile eine Burg und etwas später die Stadt Wassertrüdingen als Gegengründung gegen die Truhendinger Ansprüche ins Leben gerufen haben.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
22 Hei. Nr. 62
23 Hei. Nr. 63
24 Hei. Nr. 352
25 Gerd Tellenbach, Reformmönchtum und Laien in Cluny, Wege der Forschung, Darmstadt 1975, S. 372.
 

zurück

Fortsetzung