Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Die historische Struktur des Ortes Altentrüdingen 
 
 

Sie wurde von August Gabler in mehreren Aufsätzen untersucht (18). Er kommt zu dem Ergebnis, daß der Ort aus zwei Kernen besteht, einem älteren östlich des Mühlbachs, im Volksmund Unterdorf genannt, und einem jüngeren westlich des Flusses, dem Kirchdorf. Vorgeschichtsforscher könnten hier an zwei zusammengewachsene alemannische Ursiedlungen denken. Noch heute ist dieses historische Gefüge im Ortsplan gut zu erkennen, da die beiden Siedlungskerne nur unwesentlich durch moderne Bauten ausgeweitet wurden. Ein ziemlich breiter Wiesengrund trennt als Flußaue beide Ortsteile voneinander. In dem Ortsbereich auf der linken Seite des Baches läßt sich unschwer der alte fuldisch- solnhofische Besitz erkennen, das Truthmuntinga des frühen 9. Jahrhunderts, in dem im Jahr 836 die Mönche auf dem Reliquienzug rasteten und das in den Güterverzeichnissen des Klosters Fulda erscheint und später im Salbuch des Kastenamtes Hohentrüdingen vom Jahr 1535 als "herdissent des Wassers" beschrieben wird (19). Im Unterdorf spiegelt sich noch im 16. Jahrhundert die einstige Grundherrschaft wider, der fuldische Fronhofsverband also, wenn auch nicht mehr in der alten Hufenverfassung und der ehemaligen Gliederung. Die Felder dieser Bauern liegen in dem fruchtbaren Altsiedelland nach Obermögersheim und Unterschwaningen zu, wo keine Flurnamen von späteren Rodungen berichten. Ihr Holz beziehen sie nicht etwa aus dem Wald Baudenhard, sondern aus dem östlich des Baches gelegenem Eisler.
Für unsere Frage nach der Herrschaftsentwicklung der Truhendinger muß der jüngere Ortskern, das sogenannte Kirchdorf, in den Blickpunkt der Betrachtung rücken. Dort scharen sich um den Kirchenbuck zahlreiche kleine bäuerliche Anwesen, von denen zu vermuten ist, daß sie einmal aus der Aufteilung eines Großhofes hervorgegangen sind oder zu ihm gehört haben. Die Felder dieser Kleinbauern liegen auf das einst weitgedehnte Waldgebiet des Baudenhard zu, Flurnamen kennzeichnen sie als junges Rodungsland. Wie hat man sich nun die Entstehung des jüngeren Ortskerns, des sogenannten Kirchdorfes rechts des Mühlbaches, zu denken? Als die Edlen von Truhendingen wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts - eine genaue Jah-reszahl kann nicht erschlossen werden - von der Reichsabtei Fulda mit dem Einvernehmen oder auf Betreiben der frühen Staufer mit der Vogtei über den fuldisch- solnhofischen Grundbesitz im Unterdorf östlich des Baches beauftragt wurden, bedurften sie zur Ausübung der Herrschaft über die Klostergüter eines festen Sitzes, von dem die Macht ausströmen konnte, der sich die unfreien bäuerlichen Hintersassen des Klosters Solnhofen, das als Propstei der Reichsabtei Fulda unterstellt war, zu unterwerfen hatten. Sie brauchten eine Burg, von der aus die Herren aber auch in der Lage waren, Schutz und Schirm der Untertanen zu gewähren. Um diesem Schutz den nötigen Nachdruck verleihen zu können, nahmen die Truhendinger als Vögte für sich das Recht in Anspruch, auf kirchlichem Grund und Boden eine Burg zu erbauen. Gelegenheit dazu bot der sogenannte Kirchenbuck jenseits des Baches, auf dem jetzt das Gotteshaus von Altentrüdingen steht. Auch wenn dieser Hügel nur eine relativ geringe Höhe aufweist, bot er doch die Möglichkeit des Bergens in sich, unterstützt durch natürliche Hindernisse wie die versumpfte Flußaue des Mühlbaches, die eine Annäherung erschwerte. Im Westen konnte die Abwehrkraft der Burg durch einen breiten Halsgraben, durch den heute die Straße führt, verstärkt werden. Die Burg auf dem Kirchenbuck zu Altentrüdingen sollte ältester namengebender Herrschaftsmittelpunkt der Edlen von Truhendingen werden.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
18 August Gabler, Die alemannische und fränkische Besiedlung der Hesselberglandschaft, Augsburg 1961, S. 29 bis 34; Dinkelsbühler Kreiszeitung vom 3. Dezember 1951; Schwäbi-sche Blätter, 9. Jahrgang, Heft , S. 114 bis 120.
19 Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 122, Nr. 59, S. 173
 

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