Vom Steinkreuz zu Frickenfelden 
 
 Strafe für die Totschläger: Selbstverbannung aus der Stadt 
 
 

Darüber steht im Sühnevertrag: "Darzu so haben sie geschworen, die egenannten Walther und Seitz, dass sie zu Stund (sogleich) in dem nächsten Monat nach dem heiligen Ostertag, der schirest (in kurzer Zeit) kommt nach dem Datum dieses Briefs, sich erheben und hinwegziehen sullen von Dinkelsbühl fünfzigtausend Meilen Wegs und der egenannten Stadt Dinkelsbühl nimmermehr näher zu kommen, denn die egenannten fünfzigtausend Meilen ohn alles Gefährde (ohne jeden Betrug). Es wäre denn, dass ihnen der obgenannte hochgeborne Fürst mitsamt seinem Hofmeiser, Herrn Ernfrieden von Seckendorf, die Gnad täten und ihnen erlauben, näher zu sein. So möchten sie wohl das tun ohn Gefährde"
. Die Missetäter Walther und Seitz, die wohl den Totschlag begangen haben, blieben nicht ungestraft. Der Sühnevertrag, abgeschlossen im Einvernehmen des Burggrafen von Nürnberg mit der Reichsstadt Dinkelsbühl, zwingt die beiden Totschläger, entweder auf ewig die Stadt zu verlassen oder weitere Lebens- und Leibesstrafen zu erdulden. Sie wählen die Selbstverbannung. Diese Rechtsinstitution wurde im Mittelalter häufig auf Totschläger angewendet. "Eine Person verpflichtet sich durch Eid wegen einer Missetat auf ewig oder auf bestimmte Zeit der Stadt fernzubleiben und bei vorzeitiger unerlaubter Rückkehr ohne weiteren Gerichtsspruch eine vereinbarte oder stillschweigend vorausgesetzte Strafe (Todesstrafe, meistens Gehenktwerden) oder Handverlust (Schwurhand) zu erdulden (12).
Die Frauen der beiden Schuldigen hatten für ihre Männer mitzubüßen. Auch das ist im Sühnevertrag festgelegt worden: "Darzu haben die egenannten Walther und Seitz zu den Heiligen geschworen, dass ihr beider eheliche Hausfrauen in diesem nächsten halben Jahr nach Datum dieses Briefs von Stund ziehen und räumen sollen von Dinkelsbühl und nit näher bleiben sullen, denn über Donau oder über (den) Rhein, welches sie wollen, ohne Gefährde (Betrug). Und auch her wieder nit zu kommen, denn mit Lawb (Erlaubnis) und Gunst des obgenannten hochgeborenen Fürsten" (13).
Die genannten fünfzigtausend Meilen sind natürlich eine mitteralterliche Übertreibung. Man wollte damit eine abschreckende Wirkung auf unerlaubte Wiederkehr erzielen. Die beiden Missetäter sollten sich womöglichst weit von ihrer Heimat Dinkelsbühl entfernen, damit sie keine Beziehungen zu ihren Verwandten mehr unterhalten und keine Hilfe erwarten konnten. Den Frauen wurde eine zeitliche Rückkehr erlaubt, wenn sie nicht womöglich über Donau und Rhein einen neuen Aufenthalt gefunden oder im Elend umgekommen sind.


 
 
 
(12)Werner Schultheiß, Die Acht-, Verbots- und Fehdebücher Nürnbergs von 1285-1400, Nürnberg 1960 S. 56
(13)Monumenta Zollerana, Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Hohenzollern 6.Band, Berlin 1860, S. 271
 
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