Vom Steinkreuz zu Frickenfelden 
 
 Was geschah um 1405 in Frickenfelden? 
 
 

Darüber berichtet ein Sühnebrief vom 13. März 1405. Der beginnt mit den Worten: "Es ist zu merken von solicher sach wegen. Als Walther und Seyez die Nunnenmacher, bayd burger zu Dinckelspühel, zu Gunczenhawsen in gefencknusse gewesen sein, von Wernlins wegen von frikenfelden, daz da zwischen getedingt ist worden" (3). Da ist also die Rede von zwei Dinkelsbühler Bürgern mit dem Namen Walther und Seitz, die Nunnenmacher. Der Name Nunnenmacher ist um 1405 wohl keine Berufsbezeichnung mehr, sondern schon ein fester Familienname und deutet auf einen Schweinekastrator (Schweinebeschneider) hin, denn das mittelhochdeutsche Wort nunne bezeichnet im übertragenen Sinne auch "verschnittenes weibliches Schwein". Die Nunnenmacher werden 1437 (4) und 1444 (5) urkundlich als Dinkelsbühler Bürger genannt. Walther und Seitz Nunnenmacher lagen 1405 im Gefängnis in Gunzenhausen. Warum: "von Wernlins wegen zu Frickenfelden". Es steht nicht im Sühnevertrag, dass die beiden Dinkelsbühler Nunnenmacher einen Totschlag an Wernlin von Frickenfelden verübt haben, aber es ist anzunehmen, wofür als Strafe die Selbstverbannung aus der Stadt Dinkelsbühl spricht. Dieser Wernlin von Frickenfelden war Untertan des Burggrafen Friedrich von Nürnberg und wird auch als Zinser um 1400 im Gült- und Zinsbüchlein des Klosters Heidenheim und im Salbuch um 1400 genannt: "Item Wernlin (gibt) 15 Schilling Haller und 1 Schilling zu Weisat" (6). Um 1395 findet sich Wernlin als Lehensträger des Klosters Ellwangen: "Wernlin von Frickenfelden hat empfangen ein Tagwerk Wiesen, genannt die Beunt zu Obernasbach gelegen, gehört in den obgeschriebenen Hof" (7). Die Sippe Wernlins war noch 1483 in Frickenfelden ansässig. Peter Wernlein und seine Frau Kathrein schulden Hans Schreiner dem älteren als Vormund der Kinder des verstorbenen Hans Undermhauß (Gunzenhausen) 10 Gulden, die ihnen geliehen wurden. Sie wollen bezahlen bis nächsten Walburgitag (1.Mai) mit ½ Gulden Zins. Pfand: Ihr Haus und die Schenkstatt zu Frickenfelden und 4 Morgen Acker bei dem Trinkbrunnen auf der Höhe gelegen, dann 1 Tagwerk Wiese, auch dort gelegen, ferner 1 Tagwerk Wiese bei der Kunin Holz hinauf zwischen der Nutzung gelegen (8). Die Wernlein scheinen also in Frickenfelden schon immer eine vom Besitz her angesehene Familie gewesen zu sein. Haben sie die Schenkstatt schon um 1405 innegehabt, könnte sich der Totschlag im Wirtshaus zugetragen haben. Verwandte mit dem Namen Wernlein saßen auch um 1450 in Gunzenhausen (9).
Die Missetat, die die beiden Bürger der Stadt Dinkelsbühl an dem Untertanen des Burggrafen mit Namen Wernlin von Frickenfelden begangen hatten, erregte natürlich die Gemüter der Bewohner der Umgebung heftig. Wir wissen nicht, ob die beiden Totschläger Walther und Seitz Nunnenmacher die Flucht ergriffen und gefangen oder an Ort und Stelle überwältigt wurden. Jedenfalls landeten sie im Gefängnis der Stadt Gunzenhausen, die seit 1368 dem Burggrafen von Nürnberg gehörte. Die Angehörigen des Wernlin in Frickenfelden werden gedrängt haben, um Bestrafung der Missetäter und eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu vollziehen. Die Verwandten der beiden Totschläger aus Dinkelsbühl bemühten sich wohl um möglichst schnelle Freilassung der Schuldigen aus dem Gefängnis. Die Sache wurde auch eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg und der Freien Reichsstadt Dinkelsbühl. Beide wollten wohl wegen eines Totschlags nicht in Feindschaft geraten. So wurde von beiden streitenden Parteien ein Sühnevertrag angestrebt. "da zwischen ist getedingt worden", so steht kurz in der Niederschrift. Das mittelhochdeutsche Tätigkeitswort tegedingen, tagedingen oder teidingen bedeutet "gerichtlich verhandeln, unterhandeln, eine Übereinkunft treffen". Es fand also ein Verhandlung vor einem Sühnegericht statt. Über die Zusammensetzung des Gerichts erfahren wir nichts, wohl aber über das Urteil: "Des ersten haben die genannten Walther und Seitz und mit ihnen Heinz Fleischmann von Kemnaten (Dorfkemathen), des egenannten Walthers Bruder mit uffgeboten Fingern (in die Höhe gestreckten Fingern) zu den Heiligen geschworen von derselben Gefängnisse wegen und was darin und darunter erloffen (zugetragen) hat, dass des gegen dem egenannten Wernlin, (gegen) allen den Seinen und allen denen, die darinn und darunter verdacht sein (sich im Verdacht befinden) mit Reden, mit Taten, mit Worten, mit Werken von ihnen, allen den Ihren, noch von allermänniglich (jedermann) nimmermehr gerochen (gerächt), geafert (die Sache gehässig wieder vorgebracht wird), noch zu arge (böse, übel) gedacht soll werden weder heimlich noch öffentlich ohne alles Gefährde (ohne Hinterlist)" (10).
Einen entscheidenden Einfluss bei diesen Sühneverhandlungen scheinen die Richter des Burggrafen ausgeübt zu haben. Wernlin, der Getötete, war Untertan des Burggrafen und dieser hatte als Vogt nicht nur zu richten, sondern ihn auch zu schützen. Darum richtete sich der Totschlag auch gegen die Autorität des Fürsten. Deshalb hatten die beiden Missetäter aus Dinkelsbühl auch einen Eid gegen den Burggrafen von Nürnberg abzulegen: "Darzu haben die egenannten Walther und Seitz zu den Heiligen geschworen, dass sie nimmermehr mit Worten noch mit Werken, heimlich noch öffentlich getun, noch sein sollen wider den hochgebornen Fürsten, Herrn Friedrichen Burggrafen zu Nürnberg noch wider keinen der Seinen, sie sind geistlich oder weltlich, die ihm zu versprechen stehn (in seinem Schutze stehn) ohn alles Gefährde (ohne jeden Betrug), denn mit einem freundlichen Rechten, daran sie sich genügen lassen sullen (zufrieden stellen) von einem jeglichen, der dem obgenannten Fürsten zu versprechen steht an den Stätten, da jeglicher das billichen (von rechtswegen) tun soll ohn Gefährde (ohne Hinterlist)" (11).


 
 
 
(3)Monumenta Zollerana, Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Hohenzollern, 6. Band, Berlin 1860, Nr.278
(4)Dinkelsbühler Urkundenbuch Nr. 763
(5)a.a.O. Nr.831
(6)Staatsarchiv Nürnberg Rep. 165a, Nr. 697 unter Frickenfelden
(7)"Alt-Gunzenhausen" Heft 34, Nr. 246
(8)a.a.0. Heft 6, Nr. 186
(9)a.a.0. Heft 6, Nr.3, 12 u. 13
(10)wie Anmerkung 3 S. 271
(11)a.a.0. S. 271
 
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