Vom Steinkreuz zu Frickenfelden 
 
 Setzung von Bürgen und Geiseln 
 
 

"Dass die genannten Missetäter Walther und Heinz (wohl Seitz), sein Bruder, des (dieses) vollenden und vollführen sullen ohn Verziehens (ohne Verzögerung) und darzu zu mehrer Sicherheit und Besserung haben sie unverscheidenlich (ohne Unterschied) zu Bürgen und zu rechten Geiseln gesetzt: Heinzen Fleischmann von Burlberg (wohl Beyerberg) und Heinz Kopf, beide Bürger zu Dinkelsbühl und Fritzen Mayer und Ulrichen Nagel, beide gesessen zu Ehingen." Diese vier Bürgen mussten, falls sie vom Burggrafen gemahnt (aufgefordert) wurden, sich als Geiseln in einer seiner Burgen einstellen. Von dort wurden sie dann in ein Wirtshaus eingewiesen, das sie erst verlassen durften, bis die Besserung vollendet war. Noch dazu wurden Leute vereidigt, die im Falle der Rückkehr der beiden gebannten Missetäter und "das geindert wären" (die davon Kenntnis erhielten) ohne Verziehen (ohne Verzögerung) und ohn jeden Betrug "unsern ganzen Fleiß und Ernste darzu tun und nach ihnen stellen (nachstellen), falls uns die wieder werden möchten und die zu bringen und zu antwurten (überbringen) in Behältnus (Gewahrsam) und Gewalt des obgenannten hochgebornen Fürsten, Herrn Friedrich Burgraf zu Nürnberg" (14).
Die beiden Totschläger hatten wohl ohne das Einverständnis des Burggrafen und der Stadt Dinkelsbühl keine Möglichkeit in ihre Heimat zurückzukehren, denn dort lauerten überall Spitzel, die verpflichtet waren, die Rückkehr der Verurteilten zu melden und an der Verfolgung teilzunehmen. Die Selbstverbannung aus der Stadt bewahrte die Täter und ihre Frauen vor Leibesstrafen, aber das Ausgestoßensein aus der Gemeinschaft der Verwandten und Freunde und das Einleben in eine neue, ferne und feindliche Welt war wohl auch im Mittelalter eine schwere Buße für eine Tat, die im Augenblick des "unbedachten Mutes" begangen wurde.


 
 
 
(14)Monumenta Zollerana, Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Hohenzollern 6.Band, Berlin 1860, S. 272
 
Fortsetzung