Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Truhendinger Ministerialen auf Burg Spielberg 
 
 
Eine Bestätigung, dass Burg und Herrschaft Spielberg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Besitz der Grafen von Truhendingen waren, erhalten wir nicht nur aus den beiden vorstehend erwähnten Urkunden vom Jahr 1282, in der die Truhendinger von "unserer Burg Spielberg" sprechen (36), sondern auch aus dem Auftreten von truhendingischen Ministerialen, die sich nach ihrem Dienstsitz, der Burg Spielberg, nannten. Sie versahen auf der Burg im Auftrag der Grafen die Burghut und verwalteten die dazugehörigen Besitzungen. Die Burg Spielberg war damit zu einem wichtigen Stützpunkt der Grafen von Truhendingen geworden., die mit Burg und Stadt Gunzenhausen das mittlere Altmühltal beherrschten und mit Burg Spielberg eine Lücke in den Verbindungen zu ihrem Herrschaftszentrum Hohentrüdingen schließen konnten. Die aus der Unfreiheit aufgestiegenen Ministerialen waren die Garanten, dass die Herrschaft ihrer adeligen Herren gesichert blieb, denn sie saßen auf den Burgen, benannten sich danach und sorgten durch ihre Beweglichkeit mittels ihrer Pferde dafür, daß die Machtwirkungen ihrer Edelherrn auf das Land ausstrahlten. Die Grafen von Truhendingen verfügten im 13. Jahrhundert über zahlreiche Ministerialenfamilien. Auch mit dem Erwerb der Burg Spielberg kam ein neuer bedeutender Ministerialensitz hinzu. Ob die ehemaligen Dienstmannen der Edlen von Spielberg mit der Burg in die Herrschaft der Truhendinger übergingen, was eigentlich der Regelfall gewesen sein müsste, darüber lassen sich aus den Quellen keine Erkenntnisse gewinnen. Die Vornamen der Ritter, die um 1300 auf Burg Spielberg saßen, deuten jedenfalls in alte Truhendinger Ministerialenfamilien. 1278 erscheint in einer Urkunde ein truhendingischer Dienstmann Cunrad von Spilberc, der das Hofamt eines Truchsessen bekleidete (37). 1282 tritt in der bereits mehrfach erwähnten Urkunde, in der die Grafen von Truhendingen von "unserer Burg Spielberg" sprechen, ein Heinricus de Spilberg auf ohne jegliche Standesbezeichnung. Vor ihm wird in dieser Quelle ein Sibertus dapifer noster = unser Truchseß genannt, ohne seinen Dienstsitz (38). Wir dürfen annehmen, dass er personengleich war mit dem 1293 in einer Urkunde der Brüder Friedrich, Ulrich und Otto von Truhendingen erwähnten Zeugen Sibertus dapifer noster de Spilberc (39). Zuletzt ist von ihm 1303 die Rede, doch scheint er in diesem Jahr schon verstorben gewesen zu sein, da das Rechtsgeschäft seine Erben betrifft (40). Die Burghut auf dem Spielberg ging nun an einen Ritter Heinrich mit dem Beinamen Sorgo de Spilberch über. Der Beiname Sorg oder Sorge war in einer Truhendinger Ministerialenfamilie gebräuchlich, die wohl ursprünglich auf der Reichsburg Alerheim im Ries saß, dann Ende des 13. Jahrhunderts mit der Burg an die Grafen von Truhendingen überging und schließlich nach 1306 von den Königsministerialen auf der Harburg und der Burg Alerheim stammende Beiname Sorg wurde in der Familie treulich gehütet und auf den neuen Dienstsitz im Hahnenkamm mitgenommen. So nannte sich nun ein truhendingischer Ministeriale um 1306 Heinricus Sorgo de Spilberch und fügt mit dem Wort miles = Ritter seine Standesqualität hinzu. Er wird als Diener des Grafen Ulrich von Truhendingen (gestorben 131O) mehrmals im Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg (1394-1307) genannt. Mit dem 1319 erwähnten Ministerialen Willing, Ritter zu Spielberg, geht die Reihe der bisher bekannten truhendingischen Ministerialen auf Burg Spielberg zu Ende.

 
 
 
  36) Heidigsfelder, Regesten, Nr.944.
37) Heidigsfelder, Regesten, Nr.944.
38) Urkunden-Regesten des Klosters Heilsbronn, Nr.156
39) Englert, Gesch. d. Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885, Nr.228
40) Heidingsfelder, Regesten, Nr.1266

 
 
 
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