Die Klostergründung Gunzenhausen 
 
 Die Pfarreiorganisation 
 
 

Können wir über die Wirtschaftsstruktur der Klostergrundherrschaft Gunzenhausen nur Vermutungen anstellen, so spiegelt die spätmittelalterliche kirchliche Organisation noch einigermaßen die alten Besitzverhältnisse wider. Der Sprengel der alten Mutterpfarrei Gunzenhausen umfasste alle jene Orte, in denen das Kloster begütert war: Gunzenhausen, Obenbrunn, Schwarzbrunn (abgegangen in der Gemarkung Oberasbach), Oberasbach, Unterwurmbach, Oberwurmbach, Schlungenhof, Laubenzedel Sinterlach. Laubenzedel wurde erst 1566 von Gunzenhausen getrennt. Deutlich ist hier erkennbar, wie sich die Pfarrei Gunzenhausen mit der staatlich gelenkten Kolonisation um die Altmühlfurt ausdehnte. Dabei musste allerdings auf die Sprengel älterer grundherrlicher Eigenkirchen Rücksicht genommen werden. Eine derartige ältere Eigenkirche, die schon vor der Gründung der Pfarrei Gunzenhausen bestand, war St. Michael auf der Höhe über Unterasbach. Da bei dieser Kirche durch die Auffindung eines silbernen Ohrringes mit Hakenschluss karolingische Reihengräber vermutet werden, darf ein hohes Alter des Friedhofes und der St. Michaelskirche angenommen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige unter den Michaelskirchen schon in spätmerowingische Zeit zurückgehen und schon vor dem Ausbau der Pfarreiorganisation in der Karolingerzeit als Eigenkirchen alteingesessener Grundherrn bestanden. Die kriegerische Gestalt des heiligen Michael, der als Führer der Engelscharen und Überwinder Luzifers galt, hat gerade bei den Germanen besondere Verehrung erfahren. Man ist geneigt zu behaupten, dass Michael bei uns weitgehend das Erbe des heidnischen Gottes Wotan angetreten habe, dass viele Michaelskirchen an der Stätte von Kultstätten Wotans errichtet wurden. Gerade die süddeutschen Michaelskirchen wurden oft auf Bergen errichtet, wo man früher heidnische Höhenkulte vermutete. Es ist nicht ausgeschlossen, dass St. Michael zu Unterasbach auf der beherrschenden Höhe über dem Altmühltal an eine alte alemannisch-juthungische Kultstätte anknüpfte. Jedenfalls waren die Schwarzjuraböden auf den Höhen südostwärts von Gunzenhausen früher besiedelt als die Niederungen an der Altmühlfurt. Das geht auch aus den Ortsnamen Frickenfelden und Pfofeld hervor. Das Grundwort -feld in Verbindung mit einem Personennamen (Fricko) gehört einer früheren Namenschicht an als das Grundwort -hausen. Frickenfelden aber pfarrte schon immer nach der alten St. Michaelskirche in Unterasbach, während das der Michaelskirche näher gelegene Dorf Oberasbach, weil später gegründet, nach Gunzenhausen einbezogen wurde. Der Grund für diese merkwürdige Verzahnung des Pfarrsprengels dürfte darin zu suchen sein, dass bei der Gründung der klösterlichen, später ellwangischen Eigenpfarrei Gunzenhausen das Kloster nur Pfarreirechte auf seine Untertanen und Hintersassen in Oberasbach geltend machen konnte, während die Bewohner in dem älteren Frickenfelden und Unterasbach bereits an die grundherrliche Eigenkirche St. Michael gebunden waren. Auch die kirchliche Organisation lässt hier erkennen, dass die Altmühlfurt in spätmerowingischer Zeit noch nicht unmittelbar die strategische und verkehrspolitische Bedeutung erlangt hatte. Das Schwergewicht der fränkischen Straßenpolitik lag im 7. Jahrhundert noch auf den alten Verkehrswegen im Süden unseres Landkreises um den Hahnenkamm. Mit dem zunehmenden Ausbau Würzburgs als Reichsbistum und mit dem erneuten Vorstoß frühkarolingischer Siedlungs- und Expansionspolitik an den Obermain und an die Donau gelangte die Verbindung Würzburg - Markt Bergel - Ansbach - Gunzenhausen - Weißenburg - Eichstätt - Ingolstadt zu erhöhter Bedeutung. Die Altmühlübergänge wurden im Zuge frühmittelalterlicher Straßenpolitik planmäßig gesichert. Das Auftreten des Ortsnamens Gunzenhausen inmitten älterer -feld Orte lässt vermuten, dass hier an der Altmühlfurt ein fränkischer Adeliger Gunzo mit der Sicherung und Überwachung der Furt beauftragt wurde, der über weit zerstreuten Besitz aus der Hand des Königs verfügte und hier sein Familienkloster stiftete, das als Straßenstützpunkt und Zentrum fränkischer Reichskultur an der Altmühl gedacht war. Unter Karl dem Großen wurde es wie so viele andere adelige Familienklöster in Königshand überführt und nach der kriegerischen Leistungsfähigkeit der Reichsabtei Ellwangen unterstellt, die das Kloster auflöste und die Güter als Lehen vergab.

 
 
 
Fortsetzung