Die Klostergründung Gunzenhausen 
 
 Wer war Gründer des Klosters Gunzenhausen? 
 
 

Nach den Beobachtungen bei anderen gleichzeitigen Klostergründungen, die im Zuge der fränkischen Ostbewegung im 7. und 8. Jahrhundert entstanden, ergab sich, dass das Königtum selbst wohl kaum in Frage kommen konnte: "Der König selbst hat zu dieser Zeit in Franken keine Männerklöster begründet, er errichtete Königshöfe und königliche Eigenkirchen oder ließ sie errichten" (Bosl). In der Urkunde von 823 wird das Kloster Gunzenhausen zwar aus der Hand des Königs Ludwig des Frommen an die Reichsabtei Ellwangen übergeben, aber nach den Untersuchungen, die man an zahlreichen anderen Klostergründungen dieser Zeit angestellt hat, ergibt sich, dass unter Karl dem Großen (768 - 814) viele adelige Eigenklöster in Ostfranken und Bayern dem König übergeben wurden. Es besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kloster Gunzenhausen von einem hochadeligen fränkischen Herren auf seinem Familiengut als grundherrliches Eigenkloster gegründet und an den König der Franken übergeben wurde. Es gibt dafür eine ganze Reihe von Parallelfällen. Mag sein, dass die kriegerischen Unternehmen Karls des Großen gegen Bayern und gegen die Awaren die Ursache für diesen Übergang in Königshand begünstigt haben, denn die Klöster mit ihren reichen Wirtschaftsgütern dienten als Etappenplätze und Versorgungsstützpunkte für die Streitkräfte. Der Besitzwechsel vom adeligen Eigenkloster zum Kloster im Besitz de Königs zeigt ein Beispiel "üblicher karolingischer Herrschaftsmethode und den starken Einfluss des Frankenherrschers auf seine Vasallen" (Bosl).
Der hochadelige Gründer des Klosters Gunzenhausen ist bisher nicht bekannt. Er war sicherlich ein Angehöriger einer adeligen Führungsschicht, die neben und mit dem Königtum die Herrschaft über Land und Leute und auch über die Kirchen ausübte. Einen schwachen Hinweis über den mutmaßlichen Gründer des Klosters Gunzenhausen erhalt wir allerdings aus dem Ortsnamen Gunzenhausen selbst. Wenn wir überlegen, dass nach den Erkenntnissen der Ortsnamenforschung das Grundwort -hausen im 8. Jahrhundert als Modewort gebräuchlich wurde und dass Bosl die Entstehung der -hausen Orte zeitlich ungefähr 20-30 Jahre vor und 30 -40 Jahre nach 800 ansetzt, so dürfen wir die Benennung Gunzenhausens nach einem Gunzo für die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts annehmen. In dieser Zeit, als Gunzo Grundherr in Gunzenhausen war, erfolgte wohl auch die Gründung des Klosters, so dass Gunzo, der grundherrliche Namengeber, auch als hochadeliger Klostergründer vermutet werden darf. Der Name Gunzo aber ließe im ersten Namenteil Gun- an eine Verwandtschaft mit Guntbert, den mutmaßlichen Gründer des Klosters St. Gumbertus in Ansbach, vermuten, der nach den Forschungen der neueren Zeit eine legendäre und sagenhafte Gestalt, sondern eine geschichtlich fassbare Persönlichkeit war, die einer reichbegüterten fränkischen Aristokratenfamilie angehörte. Darf man am Ende gar in Gunzo von Gunzenhausen und Guntbert die gleiche Person oder zumindest Verwandte erkennen? Die Namenvariation, auf die sich hier unsere Vermutungen stützen, ist allerdings eine zu schwache Basis, als dass wir sichere Schlüsse über den Gründer des Klosters Gunzenhausen aufbauen könnten. An der Tatsache wird man allerdings nicht vorübergehen können, dass Gunzenhausen eine klare Klosterplanung wie St. Gumbertus in Ansbach im Rahmen der fränkischen Erschließung und Sicherung des Raumes an Rezat und Altmühl war.

 
 
 
Fortsetzung