Heidenheim von A - Z 
 
 Das Ehaftgericht des Klosters Heidenheim 
 
 
Ein sauber geschriebenes Salbuch aus der Zeit um 1400 berichtet: "Zu dem ersten hat es (das Kloster) die Recht und Ehaft, dass ein Abt hier zu Heidenheim alle Jahr jährlich zu einem mal, wann er will, wohl haben mag und soll, in seinem Gottshaus ein gemeins offen Gericht Ehaft und Gedinge" (1). Ist das nicht merkwürdig? Der Abt des Klosters sollte Gericht halten können in Heidenheim? War dies möglich? Wie konnte der fromme Mann, der im Kloster lebt und in Gemeinschaft mit seinen Mönchen um das Heil der Seelen zu beten hat, dazu, gleichzeitig sich als Richter zu betätigen über alle Bürger von Heidenheim, ganz gleich, ob sie dem Kloster oder dem Bischof von Eichstätt angehörten? Er konnte und er musste es tun, denn er war nicht nur der Vorsteher seines Klosters und geistlicher Vater, sondern zugleich größter Grundherr und noch dazu Marktherr im Ort. Die Zuständigkeit seines Gerichts war allerdings beschränkt. Sie erstreckte sich zwar auf alle Bürger im Markt, egal ob sie klösterliche oder bischöfliche Grundholden waren, aber nicht auf alle Straffälle. Über die großen Vergehen wie Mord und Totschlag, über Diebstahl, Notzucht und Brandstiftung, die im Mittelalter die Todesstrafe zur Folge hatten, durfte der Abt nicht richten. Das verbot ihm sein geistliches Amt, denn die Kirche sollte kein Blut vergießen. Diese schweren Vergehen abzustrafen, war dem Adelsgericht des Vogts vorbehalten, den Grafen von Truhendingen (Hohentrüdingen), ab etwa 1400 ihren Nachfolgern, den Markgrafen von Brandenburg - Ansbach.
Wohl aber konnte der Abt des Klosters Heidenheim als Grund- und Marktherr zusammen mit seinen 12 geschworenen Bürgern in seinem Ehaftgericht Urteile fällen und Strafen verhängen, die nicht den Tod zur Folge hatten, sondern mit Geld gebüßt werden konnten. Im hohen und späten Mittelalter entwickelte sich im Gerichtswesen eine außerordentliche Fülle von Gerichtszuständigkeiten in persönlicher, örtlicher und sachlicher Hinsicht. Der Abt des Klosters Heidenheim konnte nur in seinem geistlichen und in seinem Ehaftgericht tätig sein. Was versteht man nun unter einem Ehaftgericht?

Der Begriff Ehaftgericht
Das mittelhochdeutsche Wort ehaft hat ein gar vielschichtiges Bedeutungsfeld. Als Eigenschaftswort bedeutet es "gesetzlich, gesetzmäßig, rechtsgültig", als Hauptwort "Recht - und Gesetzmäßigkeit, Rechte und Pflichten einer Gemeinde". Unter dem Hauptwort gedinge verstand man "Gericht, Übereinkunft, Vertrag" (2). Gedinge steht in Verbindung mit Ehaft. Unter der Bezeichnung im Salbuch "ein gemeins offen Gericht Ehaft und Gedinge" dürfen wir also eine "allgemeine offene Gerichtsversammlung" verstehen, die unter dem Vorsitz des Abtes im Jahr einmal stattfand und in der die Vergehen der Bürger zur Abstrafung kamen, die gegen die Ordnung im Markt und im Feld begangen wurden. Ein Gerichtsgebäude hat dazumal in Heidenheim noch nicht bestanden. Das "Ehaft und Gedinge" fand im Kloster, im so genannten Siedelhof unter freiem Himmel, bei schlechtem Wetter womöglich im Rathaus, in einem Stadel des Klosters oder unter einer Linde statt, doch den genauen Ort kennen wir nicht. Es heißt nur "in seinem Gottshaus", doch damit wird wohl nicht die jetzige Kirche, sondern der Klosterbereich gemeint sein. Wenn von einem Gericht die Rede ist, so denken wir modernen Menschen im Volksmund meist gleich an Strafe, an Vergehen, die einen Strafvollzug zur Folge haben. Das mittelhochdeutsche Wort recht bedeutet zunächst "in gerader Linie, gerade", dann "so wie es sich nach Sitte oder Gesetz gebührt". Die Strafen, die im Ehaftgericht verhängt werden mussten, betrafen meist Vergehen geringen Grades. Da hat einer z.B. seine jungen Gänse in Nachbars Garten unbeaufsichtigt grasen lassen, seine Pferde vor der festgesetzten Stunde auf die Nachtweide getrieben, seine Schweine auf der Wiese des Angrenzers wühlen lassen. Ein anderer hat mit der Sichel im jungen Schlag gegrast, sein Knecht ist mit den Ochsen über des anderen Acker gefahren, seine Magd hat beim Grasen 5 Haferstöck ausgerissen. Aber auch die Vergehen im Markt fielen in die Zuständigkeit des Ehaftgerichts und Gedinge. Bisweilen hatte ein Bäcker das Brot zu klein gebacken, der Bierbrauer schlechtes Bier geliefert, der Fallknecht das verendete Vieh nicht recht vergraben. Alle diese Vergehen konnten nicht gleich mit dem Tod bestraft werden, sie kamen vor das Ehaftgericht, das ein Niedergericht war und vom Abt oder dessen Beauftragten geleitet wurde. Der Abt des Klosters war also Inhaber der Niedergerichtsbarkeit in Heidenheim.

Macht des Abtes im Ehaftgericht
An dem Tag des Ehaftgerichts im Markt Heidenheim stand dem Abt oder seinem von ihm Beauftragten alle Vollmacht als Richter zu. Kein weltlicher Herr durfte ihn daran hindern. Er konnte sich die Kläger anhören, die gegen einen Mitbürger im Markt etwas vorzubringen hatten und entschied nach Recht und Widerrecht. Im Salbuch ist darüber zu lesen: "Item und an dem Tag (des Ehaftgerichts) hat ein Abt oder wem er das empfiehlt, Gewalt und Recht zu sitzen zu offenem Gericht. Und wer hier von dem Markt den andern zu klagen hat, den soll er richten (zurechtbringen) Recht um Widerrecht. Und auf den Tag, so hat keine Herrschaft noch kein Amtmann (gemeint ist die weltliche Macht der Truhendinger oder Markgrafen) mit dem Gericht und Fällen und mit dem Gedinge und mit allen anderen Ehaften und Sachen gar nichts zu schaffen noch darein zu tun noch (darein) zu reden, weder dem Gottshaus, noch den Bürgern, noch der Gemeind in keiner Weis" (3). Hier demonstriert der Abt des Klosters Heidenheim um 1400 seine volle Vogtfreiheit. Diese erstreckte sich in Heidenheim nur auf den Bereich des Siedelhofes und auf die 46 freien Hofstätten im Ort. Wenn hier von freien Hofstätten die Rede ist, so bedeutet das nicht, dass die Leute, die auf ihnen saßen, tun und lassen konnten, was sie wollten. Ihre Freiheit bezog sich nur auf die Tatsache, dass ihnen kein weltlicher Beamter, kein Vogt und dessen Bedienstete, auf ihren Anwesen etwas zu bestimmen hatten. Auch brauchten sie nur dem Abt an den bestimmten Tagen ihren Zins zu entrichten und ihre Handdienste zu leisten.

Pflicht zur Teilnahme am Ehaftgericht
Jeder Bürger in Heidenheim, der auf einer Hofstatt, einer Selde, einem Lehen oder einer Hufe saß, ob klösterlicher oder eichstättischer Grundholde, war verpflichtet, an dem Ehaftgericht teilzunehmen. Frauen nahmen wohl kaum teil. Ebenso wenig ist von den so genannten Höfern die Rede, die auf den Einzelhöfen in Kirschenloh, Kohlhof, Eggenthal, Mariabrunn, Balsen- und Scheckenmühle wohnten. Sie waren zu jener Zeit noch weitgehend selbständig und zählten nicht zur Marktgemeinde. Die Ladung zum Ehaftgericht erfolgte durch den Zöllner des Klosters. Darüber schreibt das Salbuch: "Und auf welchen Tag er (der Abt) das selbe (Ehaftgericht) haben will, das selb soll des Gottshaus Zollner des nächsten Tages vor die in dem Markt zu Heidenheim allermänniglich (jedermann) zu Haus und zu Hof oder unter Augen öffentlich verkünden und offenbaren. Und wer das fürbaß (fürder, ferner) darüber versäumt und nit darzukäm und gänzlich dabei bliebe (nicht käme), als dann Recht und Herkommen ist, der ist das schuldig zu wandeln und zu bessern einem Abt, als (wie) dann die geschworenen Bürger, die darum erkennen und sprechen" (4).

Eingriff der Markgrafen in das Ehaftgericht
Im 15. Jahrhundert begann allmählich die Selbständigkeit des Klosters Heidenheim zu schwinden. Die Markgrafen von Brandenburg - Ansbach dehnten ihre Macht in den südfränkischen Raum aus und gewannen auf dem Weg über die weltliche Schutzherrschaft auch Einfluss auf die Klöster Wülzburg, Heidenheim und Auhausen a.d. Wörnitz. In Heidenheim erreichten sie schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts über den eichstättischen Meierhof und seine zugehörigen Hufen, Lehen und Hofstätten die weltliche Herrschaft (Vogtei) als Nachfolger der ehemaligen Grafen von Truhendingen (erst Alten- dann Hohentrüdingen). Den Pflegern ihrer Herrschaft in Heidenheim musste es als ein Übel erscheinen, dass der Abt des Klosters im Ehaftgericht auch über ihre Untertanen im Markt die Strafgewalt im Niedergericht (Ehaft) ausübte. Sie versuchten den Einfluss des Klosters zurückzudrängen und es allmählich völlig unter ihre Herrschaft zu bringen. Schon im 15. Jahrhundert stellten sie Steuerforderungen an den Abt. Doch so leicht war die Rechtsposition des Klosters im Markt Heidenheim, die ja auf alten Privilegien durch "Päpste, Kaiser und Könige" beruhte, von den Markgrafen nicht zu brechen. Dazu mussten erst gewaltige soziale und religiöse Erschütterungen mit ihrer Wirkung auch in den Hahnenkamm hereinstrahlen, damit Änderungen in den Rechtspositionen in Heidenheim erfolgen konnten. Im Bauernkrieg blieb das Kloster infolge der Niederlage des Ries- und Hesselberghaufens in der Schlacht bei Ostheim am 7. Mai 1525 vor der Plünderung verschont, aber das Gewitter dieser sozialen Revolution wirkte sich auch auf die Klöster aus. Diese verloren ihr Ansehen als Heilsinstitution. In Heidenheim blieb zudem der sittliche Verfall des Abtes und der Mönche nicht verborgen. Markgraf Kasimir suchte nach Wegen und Mitteln, wie er die Klöster gänzlich in sein Territorium einziehen könnte. Doch dies gelang erst unter seinem Nachfolger Georg dem Frommen im Jahre 1537. Das Kloster Heidenheim wurde in ein weltliches Klosterverwalteramt umgewandelt. Dieser Vorgang hatte auch Auswirkungen auf das Ehaftgericht und auf die Rechte und Freiheiten des ehemaligen Klosters im Markt Heidenheim. Noch bevor das Kloster eingezogen wurde, stellte der Abt Christoph Mundscheller Anfragen "seines Gottshaus Freiheit und Beschwerden halben" an den Markgrafen Kasimir. Daraufhin erhielt er etwa folgenden Bescheid: Dem Abt bleibt das Recht, alljährlich das Ehhaftgericht zu halten, aber dass ein jeder das Gericht besuchen muss, gesteht man ihm nicht zu. Wer in den vier Toren des Klosters sitzt, soll frei von Steuern sein, aber dass jemand in das Kloster flieht und er dort "gehalten" wird, kann nur mit Wissen und Willen der Amtleute und der Obrigkeit geschehen. Die freien Hofstätten des Klosters sollen ihre Freiheit verlieren und alle vogtbar, steuerbar und reisbar sein. Auch die markgräflichen Amtleute sollen auf ihnen gebieten und verbieten können. Der Abt habe von ihnen nichts als den Zins zu fordern. Wenn jemand Feldfrevel begangen hat, soll der Abt nur von seinen Leuten die Strafgelder beziehen. Der Zollner soll seine Funktionen ausüben wie bisher, aber der Abt soll das Rathaus bauen. Des Mistes halben im Markt ist der Vogt ebenso berechtigt zu gebieten wie der Zöllner des Klosters. Die Schätzer über den Wein zu bestellen, bleibt weiterhin beim Kloster. Das Schenken ob der Achs zu erlauben, gebührt dem Abt, doch mit Wissen der Herrschaft. Dass der Zollner des Klosters das Recht habe, den besten Loh im Gemeindeholz auszuwählen, müsse abgeschafft werden. Die zwei Holzwarte sollen ihn zuteilen. Wir sehen, dass sich hinter diesen Forderungen des Markgrafen Kasimir die Absicht verbirgt, die Rechte und Freiheiten, die dem Kloster im Mittelalter zustanden, einzuschränken und dieses schließlich in sein Territorium einzugliedern (5).

Das Ehaftgericht vom 16. - 18 Jahrhundert
Nach der Reformation verschwand das Kloster als geistliche Einrichtung, seine weltlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Gebilde dagegen bestanden noch lange fort. Die wurden nun nicht mehr von einem Abt betreut, der nach seinem Willen schalten und walten konnte, sondern von einem weltlichen Bediensteten, dem Klosterverwalter, der nach den Weisungen des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach zu handeln hatte. Man sollte glauben, in Heidenheim sei nun der historisch gewachsene Gegensatz zwischen dem Kloster und der weltlichen Herrschaft im Markt für immer erloschen. Jedoch die Klosterverwalter entwickelten ein starkes Eigenbewusstsein gegenüber den weltlichen Beamten, dem Kastner und Vogt, und sogar gegenüber dem Oberamtmann von Hohentrüdingen, der meist dem niederen Adel angehörte. Die weltlichen Herren schielten mit einem gewissen Neid auf die Rechte des Klosterverwalters im Ehaftgericht. Es gelang ihnen nicht, die volle richterliche Gewalt über die Untertanen des Klosteramtes zu erringen. Amtmann und Klosterverwalter mussten die Macht über die Heidenheimer Untertanen teilen. Das Hohentrüdinger Salbuch, um 1535 entstanden, berichtet darüber: "Item und wenn solch Gericht gehalten wird und dass des Klosters Heidenheim Untersessen (Untertanen) einer oder mehr für Gericht zu klagen hätt`, so lang nun desselben des Klosters Verwandte Sach vor Gericht gehandelt wird, so bedarf der Fürsten Richter den Stab nit halten, sondern muss den eines Abts Richter zustellen und behendigen (aushändigen). So einer der, wie oben steht, des Klosters Untersaß ist, bußfällig gesprochen würde, gehört dieselbig Buß (Bußgeld) des Abtes Richter zu und nicht dem Herrn, als solches altes Herkommen" (6). Dem Klosterverwalter blieben trotz der Eingliederung des ehemaligen Klosterbesitzes in das Territorium des Markgrafen noch lange Zeit weitgehende Rechte erhalten, über die er sorgfältig wachte. Zwar waren die einst dem Kloster gehörigen freien Hofstätten nun alle vogtbar und steuerbar geworden, aber der Marktzoll fiel weiterhin dem Klosteramt zu. Wein-, Brot-, und Fleischschätzen, Besichtigung der Mühlen und Feuerstätten blieb nach wie vor Sache des Klosters, wie man noch lange Zeit für Klosterverwalteramt sagte. Lange Epochen hindurch mag das Nebeneinander von Klosterverwalteramt und den markgräflichen weltlichen Ämtern (Kastenamt, Vogtamt) im Ehaftgericht ohne große Spannungen verlaufen sein. Doch um 1600 schien es so, als würden die markgräflichen Kastner und Vögte den Vorrang des Klosterverwalters im Ehaftgericht nicht mehr hinnehmen wollen. Sie ließen ihr Interesse an der Teilnahme am Ehaftgericht erlahmen, wohl mit der Absicht, den Unwillen der Bürger gegen das Klosteramt zu schüren. Etliche Jahre fand überhaupt keine Gerichtsversammlung mehr statt. Der Klosterverwalter fürchtete um seine Rechte. Er wandte sich schriftlich an den Markgrafen und beschwerte sich, dass die Bürgerschaft begehre "man solle gedachte Ehaft von dem Kloster hinwegnehmen und diese dem Amt Heidenheim als sonderlich dem Vogt zueignen". Bürgermeister und Rat klagten, "des Klosters Ehaft sei nun das vierte Jahr nicht gehalten worden". Der Klosterverwalter richtete seine Klage auch an den Oberamtmann von Hohentrüdingen. Doch erhielt er von diesem eine Absage. Durch das gegenseitige Misstrauen, das zwischen dem Klosterverwalteramt als Nachfolger der ehemaligen geistlichen Grundherrschaft des Klosters Heidenheim auf der einen Seite und dem weltlichen Kasten- und Vogtamt auf der anderen Seite wurde auch die Bevölkerung angesteckt, die das Klosterverwalteramt als überholt betrachtete und für die Überführung in die weltlichen Ämter war. Aber der Klosterverwalter hielt noch die Schätzung des Brotes, des Weins, des Bierbrauens, die Kontrolle der Feuerstätten, die Mühlenbeschau und die Kontrolle des Waldes in den Händen. Der Oberamtmann von Hohentrüdingen, der meist dem niederen Adel angehörte und an dem Ehaftgericht teilnehmen musste, wollte sich keine Vorschriften von dem bürgerlichen Klosterverwalter machen lassen und seine Untergebenen, der Kastner und Vogt, hatten ihm in dieser Einstellung zu folgen. So zog sich der Gegensatz zwischen den markgräflichen Ämtern über das Ehaftgericht Jahre und Jahrzehnte hin. Immer wieder versuchten die Beamten des Markgrafen das Ehehaftgericht an sich zu ziehen, wie geschrieben steht: "Anno 1653 hat sich ein unruhiger Vogt im Markt allhier auch gelüsten lassen, dem Kloster (Klosterverwalteramt) an seiner Vogteilichkeit Eintrag zu tun. Ist aber mit Fürstlichem Befehl sobalde davon abgewiesen worden". 1682 erfahren wir: "Mehr hat dieses Klosteramt ein sogenanntes Ehaft, so jährlich ein in zweimal (ein bis zweimal) gehalten werden darf. Dazu muß erscheinen ein Amtmann zu Hohentrüdingen, Kastner, Vogt Gerichtsschreiber und 12 des Rats zu Heidenheim. Ein Verwalter darf anstatt des Abtes die Klagen durch dessen Anwalt (Boten), das ist der Klostergärtner, ausrufen lassen, auch die vota collegieren, do ein Verwalter die erste Stimme hat. Das meiste betrifft die sogenannten 6 Ämter als Brotschätzen, Wein- und Bierschätzen, Fleischschätzen, Holzwarten, Feuerschauen, Mühlschauen, welche 6 Ämter das Kloster allein bestellen befugt. Die Strafen werden vor (für) gnädigste Herrschaft verrechnet. Jeder, so bei diesem Ehehaft bedient (bedienstet) ist ohne Unterschied sei groß und klein, ja sogar der Amtsknecht, empfängt vor (für) seine Mühe mehr nicht als 15 Kreuzer. Dannoch übertrifft die Ausgab die Einnahme, dahero es in etlich 20 Jahren nicht gehalten worden" (7). Doch ohne Ehaftgericht schien die Ordnung im Markt Heidenheim nicht ganz gewahrt geblieben zu sein, daher wurde es "erst Anno 1719 von einem hochweislichen Geheimen Rat auf das neue confirmirt, nach welchem in dem Markt Heidenheim ein zeitlicher Oberamtmann mit dem Verwalter den Wein-, Fleisch- und Brotsatz, auch Feuer- und Mühlgeschau, ingleichen die Bestellung des Waldamtes, wie auch das Standgeld zu erheben und zu vernemen hat" (8).

Strafen, die das Ehaftgericht verhängte
 
 
1580:Der Müller auf der Hochrädleinsmühl zu Heidenheim wegen Übermahlens vom Ehaftgericht gestraft 1 Ort 29 Kreuzer.
1613: Christoph Wagner, Bürger und Beck allhier, vor 10 Pfund Strafe, weil er das Brot zu klein gebacken 1 Gulden 1 Ort 18 Kreuzer.
1613 Leonhard Heumanns von Heidenheim Weib, welche auf des Klosters Wiesen zu schaden gegrast 10 Ort.
1619: Paul Höffner, Häfner zu Heidenheim, welcher eine Birkenstangen nächtlicher Weile im Buchersbühl abgehauen, 6 Gulden.
1626: Michael Geiselbrecht, Bürger und Beck allhier, zur Straf, welcher nicht allein das Paar Weißbrot um 5 Lot, so vermög des gemachten Schusses 14 Lot haben sollen, und 4 Lot zu gering gebacken, sondern sich auch wider die Brotschätzer in Aufziehung des Brots halsstarriger Weise gesetzt, den 9. Februar zur Strafe bezahlen müssen 6 Gulden.
1654 sind die Bürger wegen der Unsauberkeit der Kamine wie auch des Fleisches gestraft worden 1 Gulden 44 Batzen.
1660: Georg Philipp Schmid, Bürger und Metzger allhier, hat wider Verbot zu Degersheim, allwo das Vieh inficiert gewesen, 2 unterschiedliche Kälber gekauft und ausgehauen, deswegen er von Ehaft wegen gestraft worden um 4 Gulden 48 Ort.
1661: Georg Wolf Wagner, Bürger zu Heidenheim, ist um gar schlechtes Bier zum Fürstlichen Hofstaat geliefert, 4 Gulden 48 Kreuzer gestraft.
1674: Sonsten sind nach Ausweis der Ehaft nachfolgende Bürger, weiln als die nach vorangegangenen Feuergeschauen um willen, Flachs bei den Kachelöfen gefunden, strafbar erachtet und abgestraft worden als Georg Dobels Weib, Georg Grubers Weib, Lang Stockingers Weib.
1696: Nach dem Hans Freischlag, Bürger und Schwarzfärber allhier vorsätzlicher Weise sein Pferd in seine Küche gestellt, so dass wegen Heu und Stroh Feuersgefahr zu besorgen gewesen, ist er vom Kloster als Eheherrschaft wegen gestraft und dabei ihm 5 Gulden diktiert worden. Wo er in den nächsten Tagen, da wieder im Markt die Feuergeschau vorgenommen werden solle, keinen Stall absonderlich zum Pferde schafft, er unablässig damit belegt werden solle.
1698: Matthes Stephan Krottenmüller, der Gallenmüller, sind aus hiesigen Gemeindwaldungen etliche Eichen und Fichten angewiesen worden. Dessen Baumeister und Zimmermann aber statt der angewiesenen Bäume andere gefället. Deswegen auf der Holzwarten Anzeige dem Gallenmüller zur Straf diktiert worden 45 Kreuzer.
1701: Hans Caspar Beck, Bürger und Beck allhier hat wider den gegebenen Brotsatz die sogenannten Schertling (Brotsorte) zu klein gebacken und dahero, weiln ein Soldat dergleichen mit darüber geführter Beschwerung zum Amt gebracht, den 19.April zur Straf bezahlen müssen 2 Gulden.
1701: Hans Wolf Weingässer, Bürger und Beck allhier, hat die Kreuzerweck zu gering und leicht gebacken: 1 Gulden.
1713: Jakob Wagner, Beck allhier, hat eine ganze Hitz Roggenbrot, das Laiblein um 6 Kreuzer auf einen Betrug nicht allein nicht ausgebacken, sondern auch Kleie darunter gemischt. Mithin sich dieses Betrugs halben doppelt sträflich gemacht. Strafe 6 Gulden.
1716: Johann Melchior Engelhard, des Rats und Brotschätzer, welcher heimlicherweise eine Buche im Gemeindholz umgehauen, ist mittels Restituierung (Zurückerstattung) des aus der Buchen erlösten Geldes der Gemeinde weiter sträflich angesehen worden mit 1 Gulden 30 Kreuzer.
 
 
 
  Anmerkungen

  1. St. A. Nürnberg, Rep. 122, Nr. 53
  2. Lexer, mhd. Taschenwörterbuch, Leipzig 1952, S. 36.
  3. Wie Anmerkung 1, S. 82/83.
  4. Wie Anmerkung 1, S. 84.
  5. St. A. Nürnberg, Rep. 165a, Nr. 720 S. 20 ff.
  6. St. A. Nürnberg, Rep. 122, Nr. 59 S. 44.
  7. St. A. Nürnberg, Rep. 120 I Nr.16, S. 152/153.
  8. St. A. Nürnberg, Vettersche Oberamtsbeschreibung, S. 472.
 
 
Fortsetzung