Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Der Name Truhendingen 
 
 

Der Name des Adelsgeschlechtes von Truhendingen, wie er erstmals urkundlich 1129 als Truhintingen in der Gründungsurkunde des Klosters Plankstetten genannt wird (8), Ist aus dem althochdeutschen Ortsnamen Truthmuntinga = Altentrüdingen entstanden. Der Ansbacher Historiker Hermann Schreibmüller bezeichnet Truthmun-tinga als einen "prachtvollen patronymischen Ortsnamen" (9). Gelegentlich beschäftigte sich die Forschung mit der Bedeutung dieses seltenen und deswegen auch interes-santen Namens. Klarheit herrscht wohl allgemein über den letzten Namensteil -inga (mittelhochdeutsch -ingen), einer Nachsilbe, die in der sogenannten Landnahmezeit (3. bis 6. Jahrhundert etwa) in der Ortsnamengebung in Mode war. Sie drückt die Zugehörigkeit zu oder Abhängigkeit von einem Grundherrn aus. Der Name des Grundherrn liegt in dem ersten Namensteil verborgen. Otto Puchner vermutet in seiner 1939 erschienenen Arbeit über die Ortsnamen im Bezirksamt Dinkelsbühl Seite 19 und 36 den sonst nicht belegten und daher erschlossenen althochdeutschen Rufnamen Drudmunt (10). So erscheint in einer Freisinger Urkunde neben einem Warmunt ein Drudmunt (11). Ein Sohn des Reichsaristokraten Graf Throand, der im 8. Jahrhundert Kloster Holzkirchen im unterfränkischen Waldsassengau westlich Würzburgs gründete und an Karl den Großen übergab, hieß Drudmunt (12). Erich Straßner, der Verfasser des Historischen Ortsnamenbuches von Bayern, Land- und Stadtkreis Weißenburg Nummer 204, hat nachgewiesen, daß der Name Drudmunt auch in dem Ortsnamen Trommetsheim an der Altmühl weiterlebt. Trommetsheim bedeutet "zu dem Heim des Drudmunt" und Truthmuntinga "bei den Leuten des Drudmunt". Den Namen seinem Inhalt nach zu erläutern, stößt auf Grenzen. Man kann zwar darlegen, daß im ersten Namensteil das althochdeutsche Wort trut = Ver-trauter, Freund enthalten ist, im zweiten munt = Schutz. Sobald man aber ein sinn-volles Verhältnis der beiden Namenglieder in der Zusammensetzung Trutmunt feststellen will, regt sich Widerspruch, der eine Deutung des Rufnamens verbietet. Schon in althochdeutscher Zeit haben die Namengeber ohne nach dem Sinn zu fragen, Namenteile mechanisch zusammengefügt und auf diese Art zwar oft lautlichen Wohlklang des Rufnamens erreicht, aber die sinnvolle Verbindung der Elemente ging verloren. So liegt es nahe, auf eine inhaltliche Deutung des Namens Drudmunt zu verzichten, will man ihm nicht Gewalt antun.
Zu erwägen wäre noch, ob im ersten Namenteil Truht nicht das althochdeutsche truth = Kriegerschar, Gefolge enthalten ist. Das h in Truthmuntinga hat im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen den Lautwert eines ch. Der Truhtin war der Herr der Gefolgschaft. In frühalthochdeutscher Zeit wurde das Wort truthin nur für den vornehmen Herrn angewendet. Die ersten Missionare brauchten bei den Germanen einen Begriff für Gott, der ja ihnen unbekannt war. So wurde in der Missionssprache Gott als "truthin fater" angesprochen. Verwandt damit ist das Wort Truchseß, althochdeutsch truthsaze "der in der Kriegerschar sitzt, ihr vorsitzt (13). Im Hinblick auf das nahegelegene Römerkastell zwischen Altentrüdingen und Unterschwaningen und in Anbetracht der hier vorbeiführenden Römerstraße ließe sich bei der Deutung des Ortsnamens Truthmuntinga an eine Verknüpfung mit dem althochdeutschen truth = Kriegerschar, Gefolge denken. Die von den Römern eingerichteten strategischen Anlagen scheinen auch für die nachrückenden Alemannen nicht ganz ohne Bedeutung gewesen zu sein, und es wäre denkbar, daß sich in Truthmuntinga in der Nähe des Römerkastells der truthin seinen Herrenhof errichtete. Mag auch diese Verknüpfung zweifelhaft bleiben, Seltenheitswert besitzt der Name Truthmuntinga auf alle Fälle.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
8 Hei Nr. 327
9 Siehe Anmerkung Nr. 7
10 Otto Puchner, Die Ortsnamen im Bezirksamt Dinkelsbühl, München 1939, S. 19 und 36.
11 Wilhelm Störmer, Adelsgruppen im frühen und hochmittelalterlichen Bayern, München 1972, S. 144
12 Karl Bosl, Die Gründung Inichens.... in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 1970, Band 33, Heft 2, S. 466
13 Ernst Schwarz, Kurze Deutsche Wortgeschichte, Darmstadt 1967, S. 21; Wörterbuch in Braunes ahd. Lesebuch, S. 234; Wort- und Begriffserklärungen zu Gottfried von Straßburgs Tristan, Darmstadt 1967, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 866/867 und 863/864.
 

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