Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Die mittelalterliche Grundherrschaft in Altentrüdingen 
 
 

Zur Lösung der Frage, ob die Urheimat der Truhendinger in Altentrüdingen zu su-chen sei oder ob das Geschlecht dort in einem besonderen Auftrag erst nach 1100 einwurzelte, ist es notwendig, einen Blick auf die Besitzverhältnisse dieses Ortes zu richten. Lassen sich dort alte Eigengüter dieses Edelgeschlechtes nachweisen, so besteht die Annahme zu Recht, daß Altentrüdingen als Ursitz der Truhendinger zu gelten habe. Ist dies nicht der Fall, gehörte der Grund und Boden etwa der Kirche, so muß vermutet werden, daß die Edelfreien von Truhendingen auf dem Weg über die Kirchenvogtei dort ansässig wurden und sich nach dem Ort bewußt nannten, ihre Anfänge aber woanders lagen.
Wem der Grund und Boden in Altentrüdingen im frühen und hohen Mittelalter zu ei-gen war, darüber läßt sich aufgrund der Quellen ein einigermaßen verläßliches Bild gewinnen. Das Kloster Fulda verfügte dort zu Beginn des 9. Jahrhunderts über um-fangreichen Besitz, weshalb auch die Mönche dieses Klosters auf ihrem Reliquien-zug im Jahr 836 in Truthmuntinga eine Rast einlegten, waren sie doch hier auf eige-nem Grund und Boden zu Hause. Ein Güterverzeichnis aus dem 12. Jahrhundert, das aus alten Vorlagen des 9. Jahrhunderts schöpft, berichtet von 4 1/2 Familien, 20 Huben, 50 Joch, 40 Heufuhren, 65 Schweinen und 62 Bienenkörben (14). Für unsere Frage, ob die Edlen von Truhendingen etwa mit ererbten Eigenbesitz in dem Ort eingewurzelt sein könnten, muß vor allem die Angabe von 20 Huben herangezogen werden, die dem Reichskloster Fulda im 9. Jahrhundert in Altentrüdingen gehörten. Was besagt sie? Unter den 20 Huben sind 20 Bauernhöfe zu verstehen, die in ihrer Größe etwa so bemessen waren, daß sie der Arbeitskraft einer bäuerlichen Familie entsprachen. Einer Hube war von der Grundherrschaft (dem Kloster Fulda) so viel Land zugeteilt worden, daß der Bauer, der auf ihr saß, seinen und seiner Angehörigen Unterhalt und außerdem die grundherrrlichen Abgaben herauswirtschaften konnte (15). Das Kloster Fulda hatte dem Beispiel der königlichen Güterverwaltung folgend im 9. Jahrhundert den größten Teil seines Besitzes in Altentrüdingen in Hufen oder Huben an unfreie Bauern ausgegeben. Die Bauern, die auf diesen Huben saßen, wirtschafteten selbständig, waren keine armen Taglöhner, jedoch unfreie Leute, die im Auftrag des Klosters mit der Arbeitskraft ihrer Familie den Hof bebauten, ihn wohl auch an ihre Nachkommen vererben konnten und dafür Abgaben, meist in Naturalien, zu entrichten hatten. Was der Hufenbauer über die festgesetzten Abgaben hinaus erwirtschaftete, stand zu seiner eigenen Verfügung. Daß die Hube mit Ge-spannen (Ochsen oder Pferde) zu Pflug- und Erntearbeiten versehen sein mußte, versteht sich von selbst. Der Grund und Boden Der Hufenbauern blieb freilich Eigentum des Klosters Fulda, das sie Kontrolle über seine Höfe in Altentrüdingen ausübte. Die ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Hufenlandes wurde von seiten des Klosters von einem Bauern auf einem größeren Hof überwacht, dem Salhof oder Meierhof, dessen Land mit 50 Joch bemessen war. Der Meier war also so eine Art Oberbauer oder Verwalter, der im Auftrag des Klosters Fulda die landwirtschaftlichen Ar-beiten, die dazumal noch sehr an gemeinsame Termine gebunden waren, überwachte und für die pflichtgemäße Ablieferung der Abgaben an den Grundherren verantwortlich Vorsorge walten lassen mußte. Auf dem Sal- oder Fronhof, auch Meierhof genannt, der in seiner Landausstattung ja größer bemessen war, arbeiteten außer der Familie des Meiers noch zusätzlich das behauste und unbehauste Gesinde, also Taglöhner, Knechte und Mägde. Es wird in unserem Güterverzeichnis unter Bezeichnung 4 1/2 familiae aufgeführt. Die Angehörigen der familia wirtschafteten nicht selbständig, sondern waren mit ihrer Arbeitskraft an den Salhof gebunden und er-hielten auch von ihm ihren Unterhalt. Der gesamte, nicht unbeträchtliche Grundbesitz der Reichsabtei Fulda war also in Altentrüdingen wie anderswo in einem Fronhofsverband zusammengefaßt, der nach Art von Führung und Gefolgschaft organisiert war, damit durch die Erwirtschaftung von Abgaben das aristokratische Leben der geistlichen Würdenträger und damit auch die wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit der Reichsabtei Fulda im Dienst des deutschen Königtums gesi-chert erschien. Insgesamt wurden auf dem fuldischen Fronhofsverband Truthmuntinga 65 Schweine gehalten und gemästet mit den Eicheln und Bucheckern (Geäckerich) des nahen Laubwaldes im Baudenhard. Auf den Wiesen erzielte man im Durchschnitt den Heuertrag von 40 Fuhren. Beachtenswert ist in dem Gütervereichnis des 9. Jahrhunderts für Altentrüdingen noch die Angabe von 62 Bienenstöcken, weil sie auf eine umfangreiche und damals blühende Waldbienenzucht und große Wälder in der nahen Umgebung schließen läßt. Die Aufzählung von 65 Schweinen und 62 Bienenkörben läßt eine gewisse Spezialisierung dieses fuldischen Fronhofsverbandes erkennen, wohl nur dadurch möglich, daß der Teil der heutigen Markung Altentrüdingens westlich des Mühlbaches zu jener Zeit noch von umfangreichen Wald- und Weidewaldbeständen bedeckt war, woran noch heute zahlreiche Flurnamen auf -hard (in der Hard, Baudenhard) und Rodungsnamen (in der Stockau, Stockaumühle, in den Stöcken, Stockäcker) erinnern. Die Angaben in dem Kapitel 44 der Fuldaer Traditionen stellen also eine Art durchschnittlichen Leistungsnachweis für den Fronhofsverband Truhendingen dar.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
14 Dronke, Traditiones et antiquitates Fuldensis 1844, S. 125: Ad Trutmundingen familiae 4 et servi hubae XX 50 jugera de pratis 40 carratas porci 65 Alvearia 62 plena mellis. Siehe auch Dieter Kudorfer, Das Ries zur Karolingerzeit, in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 1970, Band 33, Heft 2, S. 495.
15 Über das Wesen der Hube siehe Friedrich Lütge, Agrarverfassung des frühen Mittelalters, Jena 1937, S. 237 ff.
 

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