Die Edlen von Truhendingen und das Kloster Heidenheim  
 (Fortzsetzung) 
 
 Kloster Heidenheim und die Gelbe Bürg 
 
 

Es darf daher nicht als Zufall angesehen werden, daß das angelsächsische Kloster gerade in Heidenheim entstand. Die Umgebung des Ortes, von der Natur eigentlich nicht sonderlich begünstigt, bot doch die nötigen materiellen Voraussetzungen, die nun einmal zum äußern und inneren Gedeihen einer Mönchsgemeinschaft gehören. Die weite Mulde mitten im Hahnenkamm bot Schutz gegen rauhe Winde, im Tal sprudelten kräftige Quellen zur Versorgung von Mensch und Vieh und zum Betreiben mehrerer Mühlen. Fließendes Wasser war eine Lebensnotwendigkeit für ein Kloster. Die feuchten Hanglagen der Braunjurastufe boten die Möglichkeit zur Anlage ertragreicher Berg- und Grundwiesen und die trockenen, zwar oft steinigen, aber von stauender Bodennässe freien Weißjuraböden auf der Hochfläche erlaubten auch lohnenden Ackerbau. An den Steilhängen und auf dem Trockenrasen konnte intensive Schafzucht betrieben werden. In unmittelbarer Nähe aber ermöglichte der Königsforst westlich der Rohrach (82) mit ausgedehnter Waldweide und Geäckerichnutzung die Schweinehaltung (83). Die Anlage eines großen Wirtschaftshofes, des späteren Siedelhofes, war in unmittelbarer Nähe des Klosters möglich.
Doch nicht in den günstigen natürlichen Bedingungen allein dürfen wir den Grund zur Gründung von Wunibalds Kloster in dieser Gegend erkennen, sondern in der Besitzverteilung und den politischen Positionen, die hier der fränkische Adel bezogen hatte. Unweit des Klosters Heidenheim erhebt sich ja die starke Bastion der Gelben Bürg, auf der aus allen Epochen der Vor- und Frühgeschichte Fundmaterial geborgen wurde, bald reichlich, bald auch wieder entschieden kärglicher. Die noch deutlich sichtbaren Reste ehemaliger Befestigungen veranlaßten seit hundert Jahren die Vorgeschichtsforscher zu Grabungen, ihre Ergebnisse wurden in mehreren Aufsätzen veröffentlicht, erfuhren aber eine sehr unterschiedliche Deutung (84). Die letzte Grabung im Jahr 1968 im unteren Ringwall wurde dahingehend ausgelegt, daß die Gelbe Bürg im späten 4. Jahrhundert n. Chr. Befestigter Adelssitz eines alemannischen Gaufürsten war, der im 10. Jahrhundert erneut zu einer Verteidigungsstellung gegen einen Ungarneinfall eingerichtet wurde (85). Aus der Fülle der sehr unterschiedlichen Ansichten über die Befestigungen der Gelben Bürg stellen wir die Frage, ob denn auch noch im 8. Jahrhundert für die fränkische Überherrschung des Landes und für allem für die Klostergründung des Angelsachsen Wuni-bald diese Höhe eine Bedeutung hatte. Wir glauben eine Beziehung zwischen der Gelben Bürg und dem Kloster Heidenheim annehmen zu dürfen und führen dafür folgende Gründe an: Um diese beherrschende Höhe hatte das fränkische Königtum seine Besitzpositionen aufgebaut. Königlicher Besitz läßt sich in der Nähe im 9. Jahrhundert nachweisen. Im Jahr 899 wurden in der südlich der Gelben Bürg gelegenen Mark Hechlingen - Ursheim - Appenberg Königslehen an die Eichstätter Kirche übergeben (86). Unweit davon schenkte Kaiser Heinrich III. im Jahr 1053 den großen Königsforst an Bischof Gebhard von Eichstätt (87). Neben diesen direkten Zeugnissen königlichen Besitzes um die Gelbe Bürg verdienen noch einige andere Hinweise Beachtung, wenn sie auch nicht urkundlich erhärtet werden können. Das Patrozinium St. Emmeram im nahen Sammenheim verweist auf das ferne Kloster St. Emmeram in Regensburg, das über umfangreichen Besitz im Altmühltal und in der Spalter Gegend verfügte, von dem angenommen wird, daß es aus Königshand stammte. Schließlich muß hier noch auf den unmittelbar benachbarten Ort Kurzenaltheim hingewiesen werden. Er führte in der Geschichte unserer Heimat immer nur ein bescheidenes Winkeldasein, weil er stets mit dem bekannten Hohen- und Niederaltheim im Ries verwechselt wurde (88). Um 800 erscheint der Ort als Altheim superior in den Güterverzeichnissen des Klosters Fulda. Fränkische Adelige oder der König selbst müssen ihn an das Bonifatiuskloster geschenkt haben, wo er dann der fuldischen Propstei Solnhofen unterstellt wurde und als geschlossener Besitz das ganze Mittelalter hindurch bei ihr blieb. Ferner wurde das Kloster Solnhofen mit einem großen Wald, der nahegelegenen Kent, ausgestattet (89).Wenn aber in unmittelbarer Nähe der Gelben Bürg Kloster Fulda oder seine Propstei Solnhofen mit Grund und Boden versehen wurde, so liegt es nahe, auch für Wunibalds Gründung in Heidenheim königliche oder fränkisch- adelige Begünstigung anzunehmen. Zumindest muß das Kloster Heidenheim unter dem Schutz der fränkischen Positionen um die Gelbe Bürg gestanden haben, denn Wunibald war Fremdling im Land und bedurfte für sein angelsächsisches Kloster des königlichen Schutzes.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
82 Hei. Nr. 196
83 GHB Band VIII, S. 59 und 61
84 Eidam, Die gelbe Bürg bei Gunzenhausen, in AG Heft 7, S. 1 bis 17. Derselbe, Des städti-schen Heimatmuseums Gunzenhausen vorgeschichtliche Abteilung, in Der bayerische Vorge-schichtsfreund Heft 6, S. 76 bis 79. Paul Reinecke, Spätkeltische Oppida im rechtsrheinischen Bayern, in Der bayerische Vorgeschichtsfreund Heft 9, S. 50. Zuletzt Fritz - Rudolf Hermann, Neue Ausgrabungen in Mittelfranken, im 85. Jahresbericht des Historischen Vereins für Mittel-franken, S. 221 bis 227
85 Die Stimme Frankens Heft 1 und 2 1969, S. 36 bis 40
86 Hei. Nr. 83 87 Hei. Nr. 196
88 AG Heft 32, S.41/44
89 AG Heft 32, S. 41/44
 

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