Zur Geschichte Ober- und Unterwurmbachs
Unterwurmbach im Mittelalter
 
 
 Unsere Heimat wird fränkisch 
 
 

Im 8. Jahrhundert erfolgte in Europa eine Wandlung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Landschaften, die bisher gleichsam das Hinterhaus des fränkischen Reiches gebildet hatten, wie das Rhein-, Main- und Donaugebiet, treten jetzt in den Blickpunkt des politischen Interesses. Ein großes Adelsgeschlecht aus der Gegend zwischen Maas und Rhein bemächtigt sich der Herrschaft. Sein kometenartiger Aufstieg beginnt eben in den Jahrzehnten, in denen die Araber im Mittelmeer endgültig die Oberhand gewonnen hatten. Der Schauplatz der alten Geschichte, das Mittelmeer, um das die antiken Kulturvölker wie "Frösche um den Teich" herum wohnten, wird durch die Fluten des Islams auseinandergerissen. Der Wüstenspuk Mohammeds legte sich wie ein Leichentuch auf die alten christlichen Kulturen in Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika. Die südgallischen und italienischen Häfen waren einst das Tor zu Welt gewesen, aber jetzt kommen hier nicht mehr Waren und Geld aus Afrika und dem Orient herein, sondern höchstens arabische Seeräuber. Nicht mehr das zusammenhaltende, völkerverbindende Band ist jetzt das Mittelmeer, sondern trennende Grenze, die Völker und Kulturen scheidet.
Darum mach man jetzt in Gallien eine Kehrtwendung und dreht dem Meer den Rücken zu. Der Schauplatz der Geschichte verlagert sich vom Mittelmeer nach dem Norden an den Rhein. Das neue Herrscherhaus der Karolinger richtet sein politisches Blickfeld nach dem Osten, nachdem es im Südwesten die anbrandenden Wellen des Islams erfolgreich abgewehrt hatte. Über den Rhein, entlang dem Main, dem Neckar und der Donau, zielt der Vorstoß in rein germanisches Land. Mit dem Ausgriff des karolingischen Königsgeschlechts aus dem Maas-Mosel-Raum und mit der den Karolingern eng verbundenen angelsächsischen Mission nach dem Osten hat die Geburtsstunde des christlichen Abendlandes geschlagen. Die Welt des Mittelalters zieht herauf.
Durch die Schlagkraft seines fränkischen Heeres erobert das neue Herrscherhaus der Karolinger in kurzer Zeit die rechtsrheinischen Lande. Aber dieser Ausgriff bedeutet mehr als eine bloße Erweiterung des Machtbereiches des fränkischen Königs. Dem fränkischen Grafen und seinen Kriegern folgt der fränkische Geistliche. Christentum und höhere Gesittung dringen bis zum Böhmerwald vor, die Grenzen der abendländischen Kulturwelt werden weit nach dem Osten vorgeschoben. Nach der Eroberung durch fränkische Krieger erfolgt das gewaltige Werk der Sicherung des neuen Machtbereiches. Der Ausbau des Raumes, die Erschließung des gewonnenen Landes sind eine stille Leistung von gewaltigen Ausmaßen, die sich über Jahrhunderte hinzieht. Die Rodung der weiten Wälder, die Besiedlung bisher bewaldeter Berglandschaften, die Anlage von Königshöfen und Königskirchen, die Gründung von Klöstern und Adelshöfen, all diese vielgestaltige Arbeit vollzieht sich unter dem politischen Herrscherwillen des karolingischen Königshauses im Zusammenwirken mit dem Glaubenseifer des heiligen Bonifatius und seiner angelsächsischen Schüler und Helfer. Alteingesessene elbgermanisch-alemannische Urbevölkerung arbeiet hier zusammen mit fränkischen Wehrbauern, fränkischem Adel und richtungsweisendem Königtum. Das fränkische Herrscherhaus überzog die rechtsrheinischen Gebiete aber nicht im Stil moderner Verwaltung mit einem Netz von Gauen und Grafschaften, sondern begnügte sich, entlang den Straßen und strategisch-politisch wichtigen Punkte seine Positionen aufzubauen. Stützpunktstrategie würde man diese Art der Raumbeherrschung und Raumerschließung im modernen Sinn nennen. Hier aber nimmt nun auch die Geschichte Unter- und Oberwurmbachs Anteil an dem großen Geschehen. Die kleine Welt an der Altmühl wird plötzlich erhellt vom Wetterleuchten raumgreifender politischer Ideen. Ein Hauch der Weltgeschichte weht herein in die stillen Gefilde des Altmühltales.

 
 
 
Fortsetzung