Elfhundert Jahre Ursheim und Appenberg 
 
 Ursheimer und Appenberger Flurnamen - Teil II
(Die Plannummern stehen hinter den Namen in Klammern)
 
 
 

2.) Bodenfarbe, Bodenart, Bodenqualität
Unsere Ahnen mussten sich in harter Handarbeit mit dem heimischen Boden auseinandersetzen, mit Hacke und Schaufel, mit dem Pflug und mit der Egge. Dabei sammelten sie reiche Erfahrungen, was die Farbe und vor allem die Güte des Bodens anbelangt. Ein Großteil der Ursheimer Flur zwischen Bergershof und Rohrach führt die Flurbezeichnung "in der Röth", wobei mehrfach Zusammensetzungen damit verbunden sind, wie Röthfeld (228), Röthacker und Röthbuckacker (243-250). Andere Namen haben sich im Laufe der Zeit in diesem Bereich eingebürgert. Im 15. Jahrhundert wurde unter der Bezeichnung "in der Röth" eine ganze Abteilung der Dreifelderwirtschaft zusammengefasst, denn es heißt in einem Verzeichnis der Felder des Bauern Claß (Nikolaus) Mayr: "das erst feld Rot". Man könnte die Vermutung hegen, die Röth sei nach einer Rodung des Waldes benannt worden. Dass der Wald einmal den gesamten Bereich von Ursheim bis zum Bergershof und herunter bis zur Rohrach bedeckte, scheint sicher, aber er wurde schon sehr früh in einzelnen Stücken gerodet. Es finden sich dort keine spezifischen Rodungs- oder Waldnamen. Vielmehr mag die rotbraune Farbe des Eisensandsteins den Menschen in die Augen gefallen sein und zur Benennung "in der Röth" beigetragen haben. Dem steht auf der Höhe südlich des tiefen Weges die Flurbezeichnung "zu den schwarzen Landen" (706-713) gegenüber, ebenfalls eine ganze Abteilung der Dreifelderwirtschaft zusammenfassend. So wird die erhöht über dem Ort liegende, verhältnismäßig ebene, gute Ackerfläche schon 1448 genannt. Wieder drängte sich für die ältesten Ursheimer die Bodenfarbe schwarz zur Benennung dieses Geländes auf. Zugleich wurde damit die Qualität des Bodens im "Schwarzlander" (682) ausgedrückt, denn dunkel gefärbtes Ackerland gilt in der Regel als fruchtbar. Von entscheidender Bedeutung für den Ertrag ist auch die Durchlüftung des Bodens. Als schwer gilt im allgemeinen der Letten. Er wird im Namen Lettenacker (240-42), Leimenacker (1928) und in Oberappenberg und Unterappenberg schon 1535 unter der Flurbezeichnung "im Letten" genannt. Leichtere Böden werden in sandigen Lagen gefunden. In Oberappenberg wird mehrmals 1535 ein "Sendlein" genannt, womit wohl der Sandacker (1958-61) gemeint ist. In Ursheim lässt sich die Flurbezeichnung "auf dem Sand" schon 1448 nachweisen: "Das dritt Feld auf dem Sand", heute Sandfeld (597-610), Sandacker (612-619). Einen feuchten Boden deuten auch die Namen Lachfeld (402-418) und Lachacker (397) an. Die Zusammensetzungen mit Lach- bezeichnen einen weiten Flurteil vor dem Sachsenhard. Man darf Lache im Sinne von einem Feuchtgebiet nicht verwechseln mit einem Lachbaum, in dessen Rinde Grenzzeichen eingeritzt wurden. Auf stauende Bodennässe weist auch die Flurbezeichnung "in der Au" hin. Die Au bezeichnet eigentlich "Land am Wasser, vom Wasser überschwemmtes Land". Die weiten Wiesenebenen an Altmühl und Wörnitz führen den Namen Au. In Ursheim erscheinen Zusammensetzungen wie Auacker, Auwiese (774-778) und "auf der Au" (855-68). In der Urlandschaft boten diese Wiesen oder Äcker keine besondere Fruchtbarkeit, weil die Getreidearten keine stauende Bodennässe ertragen konnten. Durch Kultivierung und Entwässerung ist die Au zu einer guten Bodenqualität geworden. Nasse Böden sind in der Regel auch saure Böden. Davon zeugen Namen wie Saueracker (961) und Sumpfwiese (1100).

 
 
 
Fortsetzung